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Text von: Sven Grünewald

Die Entwicklung der Gebäudetechnik schreitet kontinuierlich voran. Doch was ist bei einem privaten Neubau oder der Sanierung heutzutage möglich – und auch wirklich sinnvoll?

Obwohl in aller Munde, hat das Thema Energie im Neubau oder Sanierungsbereich bei Bauherren häufig keine hohe Priorität – tauchen entsprechende Fragen auf, sind die Planungen in der Regel schon weit fortgeschritten. Daher sollte das Thema als integraler Bestandteil des jeweiligen Vorhabens von Anfang an mit betrachtet werden, um Fehlplanungen vorzubeugen. Gerade bei  einem Neubau ist es entscheidend, dass bereits in der Entwurfsplanung berücksichtigt wird, welchen energetischen Standard man erreichen will und welches Heizsystem verwendet werden  soll. Beides hat Auswirkungen auf Raumaufteilung, Grundriss und Ausrichtung des Gebäudes. Eine Pelletheizung hat beispielsweise einen anderen Platzbedarf als eine Wärmepumpe, und sehr  energieeffiziente Gebäude profitieren von einer kompakten Bauweise mit möglichst wenigen Vor- und Rücksprüngen, da der Wärmeverlust vor allem über die Außenflächen erfolgt. Zudem  kann es bei zahlreichen Maßnahmen eine öffentliche Förderung geben – ein wichtiger Aspekt, auch wenn dies ein sehr breites Feld ist, das kontinuierlich Veränderungen unterliegt: ` Die  beiden wesentlichen Fördermittelgeber sind die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die KfW fördert Neubauten oder Sanierungen, die ein bestimmtes Energieeffizienzniveau erreichen: Im Neubau sind dies Effizienz-Häuser- 40 – der Primärenergiebedarf liegt hier bei 40 Prozent eines Neubaus. In der  Sanierung sind dies Effizienz-Häuser-100. Das BAFA fördert Einzelmaßnahmen – etwa Gebäudedämmungen, den Wechsel von einer Ölheizung etwa zu einer Wärmepumpe oder den  Austausch von Fenstern. ` Von Landesseite kann es möglicherweise eine Förderung von Maßnahmen über die NBank geben. ` Die Stadt Göttingen hat ein Förderprogramm Photovoltaik  aufgelegt, das die Anschaffung von PV-Anlagen unterstützt. Allerdings sind diese jährlich bereitgestellten Mittel schnell ausgeschöpft und  stehen nur im Stadtgebiet zur Verfügung. ` Der  Landkreis hat ein Förderprogramm Altbausanierung, jedoch nur für das Kreisgebiet ohne die Stadt Göttingen. Die Antragsstellung erfolgt über die Energieagentur Göttingen.

 

  • Lüftung

Ein Aspekt, der bislang zu selten berücksichtigt wird: Sind Gebäude stark gedämmt und haben einen Effizienzstandard nahe einem Passivhaus, sollte man sich über eine Lüftungsanlage Gedanken machen. So lässt sich nicht nur Feuchtigkeit abtransportieren, sondern auch Energie zurückgewinnen.

  • Mini-Windlangen

Diese Anlagen zur Anbringung auf dem Dach oder an der Fassade sind eine neue Alternative, spielen aber zurzeit im Vergleich zur Photovoltaik noch kaum eine Rolle.

  • Energiespeicher

Ein Speicher für die selbst hergestellte Energie aus erneuerbaren Quellen kann sich lohnen – es kommt allerdings auf das Nutzungsprofil an. Nur, wenn die Energie auch zu Zeiten verbraucht  wird, in denen die Sonne nicht (mehr) scheint, ist diese Investition auch wirklich sinnvoll.

  • Wallbox 

Zum modernen Haus gehört heute oft auch eine Wallbox für das Laden von E-Autos. Die Modellvielfalt ist groß, sie reicht von der Einzelladestation bis zu Vielfachanschlüssen für Parkplätze  oder Garagen. Ebenso vielfältig sind die Softwarelösungen, die detaillierte Abrechnungen oder die Austarierung der abgegebenen Leistung an die Pkws mit der Stromnetzstabilität im Gebäude ermöglichen. Die Kosten variieren nicht nur stark je nach Modell, sondern sind auch davon abhängig, inwiefern die Infrastruktur vorhanden ist und welche Umbaumaßnahmen nötig werden.  Unter bestimmten Bedingungen ist eine öffentliche Förderung möglich.

  • Photovoltaik (PV) 

Es gibt im Bereich der PV-Anlagen sogenannte Balkon-Kraftwerke – Mini-PV-Anlagen, die sich Mieter nach Absprache mit dem Vermieter anschaffen können. Hier wird Sonnenenergie in  Gleichstrom umgewandelt, der wiederum durch einen Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt wird. Im privaten Bereich sollte die Größe einer PV-Anlage auf den eigenen Verbrauch  ausgelegt sein, da die Wirtschaftlichkeit nicht durch die Einspeisevergütung für den erzeugten Strom erreicht wird, sondern durch die Deckung des eigenen Verbrauchs angesichts steigender  Strompreise. So kann sich eine Anlage in 10 bis 15 Jahren amortisieren.

  • Heizung 

Für die Erneuerung einer Heizungsanlage gibt es zurzeit besonders attraktive Zuschüsse – wenn eine Ölheizung gegen eine Wärmepumpe oder eine Pelletheizung anstatt gegen eine günstigere  Gasheizung ausgetauscht wird, kann dies mit bis zu 45 Prozent der Kosten gefördert werden. Dabei ist es sinnvoll, gleichzeitig auch die Frage einer besseren Dämmung zu betrachten. Sie ermöglicht es, die Heizungsanlage kleiner auszulegen. Ein Gesamtpaket beider Maßnahmen kann sich lohnen.

  • Solarthermie 

Für die Umwandlung der Sonneneinstrahlung werden solarthermische Kollektoren auf dem Hausdach angebracht. Eine Pumpe befördert die Wärme in den Pufferspeicher,von wo aus sie im Haus verteilt wird. Solarthermie kann zwar für einen großen Teil der Warmwasserbereitung eingesetzt werden, deckt aber – abhängig von der Gebäudeart – meist nur einen kleinen Anteil des  Heizungsbedarfs. Deswegen wird sie meist nur in Kombination mit anderen Heizungsarten eingesetzt. Zudem stehen Solarthermie und Photovoltaik meist in Konkurrenz zueinander, weil beide  den Platz an der Sonne benötigen. PV-Anlagen sind jedoch häufig wirtschaftlicher einsetzbar.

  • Dämmung

Eine Dämmung im Nachhinein anzubringen, ist eine größere Investition, die sich aber im Laufe mehrerer Jahre amortisieren kann. Sie ist stark vom Ausgangsstandard des Gebäudes abhängig:  Ein Altbau mit schlechterer Dämmung bringt größeres Einsparpotenzial mit. Zudem erhöht diese Investition außer der rein energetischen Bilanz auch den Wohnkomfort und den Wert der  Immobilie. Ein ökologischer Aspekt, den es hierbei zu bedenken gilt: die Wahl zwischen günstigerer Styropor-Dämmung, die jedoch erdölbasiert ist, oder nachhaltigen Dämmstoffen.

  • Wärmepumpe 

Die Wärmepumpe, die ihre Energie entweder aus der Umgebungsluft oder als etwas teurere, aber effizientere Erdsonde aus dem Boden gewinnt, ist inzwischen die führende Technik, vor allem  im Neubaubereich. Bei einer Sanierung muss individuell geprüft werden, ob sie Sinn ergibt. Wärmepumpen machen zwar von Holz, Gas oder Öl unabhängig, verbrauchen für den Betrieb jedoch Strom und lassen den Energiebedarf steigen.

  • Holzpelletheizung 

Eine Pelletheizung kann bei Sanierungen sinnvoll sein, wenn das Gebäude einen höheren Energiebedarf hat und es keine Möglichkeit gibt, eine Flächenheizung für die Energieverteilung
einzubauen, wie sie für eine Wärmepumpe nötig ist. Die Pelletheizung hat jedoch einen anderen Platzbedarf. Sie bietet sich als Ersatz für eine Ölheizung an, weil das Öllager ganz einfach zum Pelletlager werden kann.