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Text von: Jan Fragel

Wer die Energieeffizienz oder Klimabilanz verbessern will, steht vor großen Fragen: Wie sehen die Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit in Unternehmen aus? Was kann ich umsetzen? Was ist überhaupt sinnvoll? Und wo bekomme ich gegebenenfalls Förderungen?

Der Weg in die grüne Zukunft für Unternehmen 

Der Klimawandel mit seinen Auswirkungen spielt auch für viele Unternehmen eine Rolle und stellt sie vor neue Herausforderungen. Doch selbst, wenn drastische Emissionsminderungen
vorgenommen werden, wird es eine Veränderung des Klimas geben. In den nächsten Jahrzehnten werden Klimaschutzmaßnahmen durch Klimaanpassungsmaßnahmen ergänzt werden
müssen. Das bedeutet auch, dass die heute geltenden Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sich stetig weiter ändern werden. Je früher sich Unternehmer auf den Weg in Richtung ,grüne Zukunft‘ machen, desto besser sind sie aufgestellt.

Für Großunternehmen und Konzerne ist es längst eine Pflicht: Sie müssen sogenannte Energieaudits durchführen. Das heißt, sie durchleuchten ihre Unternehmen in Sachen Energie. Wie viel Strom wird in Büros, Werkstätten und Fabrikhallen benötigt? Woher kommt die Prozesswärme und wie hoch ist der Verbrauch? Wie viel Sprit braucht die Fahrzeugflotte? Unternehmen, die
verpflichtet sind, ein Energieaudit zu erstellen, müssen das alle vier Jahre wiederholen. Grundlage dafür ist das Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen
(EDL-G). Das wiederum beruht auf einer europaweiten Richtlinie, der EU-Energieeffizienzrichtlinie, nach der alle großen Unternehmen ein Energieaudit durchführen müssen. Ziel ist es, die Verbräuche im Blick zu haben, Energiefresser zu identifizieren und Einsparmöglichkeiten auszuloten. Unternehmen, die ein sogenanntes Energie- oder Umweltmanagementsystem betreiben,
sind von der Pflicht zu einem Energieaudit befreit. Auch kleine und mittlere Unternehmen, die KMU, mit höchstens 250 Vollzeitstellen und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz sind von der Energieaudit-Pflicht befreit. Theoretisch könnten sie ohne einen Blick auf den Energieverbrauch wirtschaften und Handel betreiben.

Mit sinnvoller Beratung zum Ziel 

Aber ist das Sinnvoll? Aaron Fraeter, Projektleiter bei der Energieagentur Region Göttingen, beantwortet diese Frage klar mit einem Nein. „Mit mehr Nachhaltigkeit können KMU und auch Kleinstunternehmen ihre Position am Markt verbessern: einerseits als Marketing-Argument und andererseits durch Sparen von Energiekosten.“ Und die würden in Zukunft sicher noch weiter  steigen. Im alltäglichen Geschäft und bei vollen Auftragsbüchern bleibt jedoch oft keine Zeit, sich dem Thema Nachhaltigkeit, Energieverbrauch und Ressourcenschutz im eigenen  Unternehmen zu widmen. Mögliche Veränderungen betreffen alle Bereiche, in denen Energien und Ressourcen eingesetzt und fossile durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden können.  Die Potenziale sind von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich groß. Darum ist eine qualifizierte und unabhängige Beratung zur Identifizierung dieser Potenziale und zum Aufzeigen der Lösungswege sinnvoll. Aus diesem Grund vermittelt die Energieagentur auch unabhängige Experten in die KMU, die als Lotsen im Beratungs- und Förderdschungel zu unterschiedlichen
Themen beraten: Klimaneutralität, Solar, Energie- & Materialeffizienz und betriebliches Mobilitätsmanagement.

Diese ersten Beratungen sind für die Unternehmen kostenlos – und vielfach auch Grundlage dafür, später Fördermittel zu bekommen. „Die Unternehmer sollen für erhöhte energetische Standards, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, sensibilisiert werden“, erklärt Fraeter. „Wer erhöhte Standards umsetzt, wird mit Fördergeldern belohnt.“ Darum gilt: Erst beraten lassen, dann Fördergelder beantragen, dann investieren. ƒ

  • Klimaneutralität

ZIELE der Beratung:
Was sind die größten Verbraucher?
• Wie viele Treibhausgase pusten sie in die Atmosphäre?
• Wie könnte der Fahrplan Richtung Klimaneutralität aussehen? Wie fängt das Unternehmen an?
• Wie können Voraussetzungen geschaffen werden, damit das Unternehmen ein förderfähiges Transformationskonzept im Rahmen der ,Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft‘ erstellen kann?

  • Betriebliches Mobilitätsmanagement

Staus, hohe Kosten, Stress. Vom Arbeitsweg bis zur Auslieferung von Produkten – nachhaltig gestaltete Mobilität senkt die Kosten und fördert die Gesundheit der Mitarbeiter.
ZIELE der Beratung:
• Wie kann das Unternehmen für nachhaltiges Mobilitätsmanagement sensibilisiert werden?
• Wie kommen die Beschäftigten zur Arbeit?
• Dienstreisen, Fuhrpark und Parkplätze – wie ist das Unternehmen aufgestellt?
• Wie kann die betriebliche Mobilität nachhaltig und kostengünstig gestaltet werden?

  • Solar

Die Sonne schickt keine Rechnung – auch nicht an Unternehmen. Große Hallen mit unverschatteten Dächern sind ideale Standorte, um Solaranlagen zu nutzen. Photovoltaikanlagen zur Stromproduktion oder Solarthermieanlagen zur Wärmenutzung können oftmals unkompliziert installiert werden.
ZIELE der Beratung:
• Welche Potenziale gibt es, Solarenergie im eigenen Unternehmen zu nutzen?
• Wie könnte der Eigenverbrauch optimiert werden, um Solaranlagen effizient zu betreiben?
• Kann es sinnvoll sein, die eigene Dachfläche zu vermieten, damit zum Beispiel Energieversorger PV-Anlagen installieren?
Das rät die Energieagentur: „Photovoltaik ist eigentlich immer sinnvoll, die Größe ist individuell. Die Wirtschaftlichkeit tritt bei vielen dann ein, wenn zugekaufter Netzstrom durch eigenen PV-Strom ersetzt wird.“
Tipp: Wer schon mal nachsehen will, ob sein eigenes Dach gut oder weniger gut für eine Solaranlage geeignet ist, kann sich beim Solardachkataster Südniedersachsen informieren: solardachkataster-suedniedersachsen.de

  • Energie- & Materialeffizienz

Wer kennt das nicht: Wenn man sich ständig mit den gleichen Abläufen beschäftigt, kann man leicht ,betriebsblind‘ werden. Man kommt dann gar nicht auf Ideen, etwas zu verändern.
ZIELE der Beratung:
• Wie steht es konkret um die einzelnen Abläufe, Prozesse und Verbräuche im Unternehmen?
• Wo im Unternehmen kann der Energie- und Materialverbrauch optimiert werden?
• Wie sehen konkrete Maßnahmen aus und welche Fördermöglichkeiten gibt es?

 

Kleine Stellschrauben
Den eigenen Betrieb auf den Weg zur Klimaneutralität bringen – das klingt wie eine Mammutaufgabe, die im Arbeitsalltag gerade in kleinen und mittleren Unternehmen schwer umsetzbar erscheint. Dabei sind es oft schon kleine Schritte, die helfen können, Energie effizienter zu nutzen und alternative Energien einzubinden. Schritte, die oft nicht viel kosten, aber die Kosten deutlich senken können.

  • Strom 

Eine Kilowattstunde Strom ist etwa viermal so teuer wie eine Kilowattstunde Gas. Daher sollte wohlüberlegt sein, an welcher Stelle Strom beispielsweise zum Heizen eingesetzt wird. Wer den Stromverbrauch senkt, senkt auch die Kosten.

  • Leitungen

Sind sie zu groß oder zu klein? Beides hat entscheidenden Einfluss auf die Effizienz der Heizung. Oder sind die Leitungen bestens isoliert? Daumenwert: Dämmdicke = Rohrnennweite. Mit einer guten Isolierung kann der Wärmeverlust auf 10 Prozent reduziert werden.

  • Klimatisierung 

Kühlen Kopf bewahren und ordentlich Energie sparen: Im Bereich Kühltechnik können teilweise bis zu 30 Prozent Energie gespart werden.
– Verdampfungs- und Kondensationstemperatur optimieren
– auf das für die Umgebung passende Kältemittel achten
– die Abwärme der Kälteanlage für andere Zwecke nutzen

  • Wärme

Ob Prozess- oder Heizwärme: Irgendwoher muss sie kommen. Brennwerttechnik, die Nutzung nachwachsender Rohstoffe oder Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik und
Solarthermie sollten betrachtet werden. Eventuell kann auch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) interessant sein, eventuell auch gemeinsam mit benachbarten Betrieben. In einem BHKW werden Strom und Wärme gleichzeitig hergestellt – meist ist der Energieträger Gas. Es gibt aber auch BHKW, die mit Pellets befeuert werden und ebenfalls Strom und Wärme herstellen.

  • Lüftung

Kleines Detail große Wirkung: Wenn Gebläse mit einem Keilriemen angetrieben werden, brauchen sie mehr Strom als beispielsweise Zahnriemen. Außerdem halten Zahnriemen länger und müssen nicht so oft nachgespannt werden. Einsparpotenzial: 5 Prozent.

  • Pumpen & Antriebe

Faustformel Hocheffizienzpumpen: Wird die Förderleistung halbiert, sinkt der Energiebedarf auf ein Achtel. Veraltete Pumpen verpulvern also bares Geld. Asynchronmotoren sind die Arbeitstiere in der Industrie. Bei einer Neuanschaffung sollten Geräte mit mindestens der Energieeffizienzklasse IE3 oder IE4 gekauft werden.

  • Stromspeicher

Auch Unternehmen können ihren Eigenstromverbrauch deutlich erhöhen, wenn sie Stromspeicher einsetzen. Das macht zudem die eigene Stromversorgung sicherer.

  • Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung

Es gibt Anlagen, die Wärme in Kälte verwandeln. In Unternehmen mit hohem Kühlbedarf sind Blockheizkraftwerke, kurz BHKW, mit sogenannten Absorptionskältemaschinen im Einsatz

  • Hydraulischer Abgleich

Noch nie gehört? Hat aber enorme Auswirkungen. Alle Heizkörper werden so eingestellt, dass die Rücklauftemperatur an jedem Heizkörper gleich ist – egal, ob er nah an der Heizung installiert ist oder weiter entfernt.

  • Photovoltaikanlage

Sonneneinstrahlung liegt in Deutschland jährlich zwischen 850 und 1120 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Und die Sonne schickt keine Rechnung. Gerade Betriebsgebäude haben oft viel Platz und drumherum keine Bäume. Wer betrieblich eine PV-Anlage nutzt, macht sich unabhängiger von schwankenden Strompreisen. Zudem lässt sich damit wunderbar werben.

  • Druckluft

Viele Maschinen arbeiten mit Druckluft. Ein Kompressor sorgt für Pressluft – über Röhren und Schläuche gelangt die Luft dann zu den Geräten, die sie in Bewegung setzen. Eine winzige Leckage von etwa einem Quadratmillimeter Größe verursacht Kosten von durchschnittlich 500 Euro pro Jahr. Darum auf dichte Leitungen achten. Druckluftanlagen funktionieren mit kalter Luft effizienter. Wer sie um zehn Grad abkühlt, spart zwei bis vier Prozent Energiekosten. Mehr als Dreiviertel der Kosten, die ein Druckluftkompressor im Laufe seines Lebens
verursacht, entfallen auf die Energiekosten. Reicht vielleicht auch weniger Druck? Wer die Druckluft um ein Bar senkt, spart sechs bis zehn Prozent Energie.

  • Wärmepumpen

Auch mit diesen Maschinen lässt sich gleichzeitig Wärme und Kälte erzeugen. Was im Neubau von Wohnhäusern längst normal ist, kann sich auch für Betriebe lohnen.