Das findige Duo

Wenn Dr. Friedemann Baum und Prof. Uwe Fischer etwas auszeichnet, dann das: immer neue Ideen zu haben und damit ihrer Zeit voraus zu sein. Sie sind Gründer, wie sie im Buche stehen, und haben mit einem Konzept die Selbstständigkeit gewagt, das es in dieser Form noch nicht gab – mit der Gründung des Diagnostischen Brustzentrums und der Praxis für Moderne Schnittbilddiagnostik im Jahr 2003. 

Am Beginn stand die Unzufriedenheit mit der Entwicklung der Patientenbetreuung im Rahmen der ­finanziellen und administrativen Beschränkungen des öffentlichen Gesundheitswesens. Baum und Fischer waren als Oberärzte in der Radiologie der Universitäts­medizin Göttingen (UMG) tätig. Hier wie andernorts wird gute Medizin, das heißt, sich Zeit für den Patienten zu nehmen, durch Vorgaben und Zeitmangel eingeschränkt. Aber: „Ich wollte eine Medizin praktizieren, wie ich sie mir immer vorgestellt habe – mit eigenen Entscheidungen, eigenen Verfahrensmustern und eben auch einer gehörigen Portion Zeit für die Betreuung“, so Uwe Fischer. Eine Philosophie, die Friedemann Baum vorbehaltlos teilt. 

Und so sprangen sie, begleitet von einigen Kollegen aus der UMG, ins kalte Wasser der Unabhängigkeit von Institutionen und Kassenleistungen. Direkt am Bahnhof fanden sich passende Räumlichkeiten, die den bundesweit anreisenden Patienten eine perfekte Logistik bieten, kombiniert mit einer Infrastruktur, die das sensible Thema Brustkrebsdiagnostik bestmöglich adressiert. „Konkret sind wir mit dem Ansatz gestartet, den Zeitraum der Unsicherheit für die untersuchten Frauen so kurz wie möglich zu halten“, sagt Friedemann Baum. „Also die Zeit zwischen Untersuchung und Kommunikation eines Ergebnisses, das Gewissheit bietet. Denn psychisch ist das ungewisse Warten in der Früherkennung für die Frauen die größte Belastung.“

Das Team setzte dabei von Anfang an auf die neueste Technik, vor allem die Mamma-MRT, mit der sich auch sehr kleine Tumore und dies bei einer dichten Drüsen­struktur der Brust erkennen lassen, was mit Ultraschall nicht möglich ist. Seit Januar 2022 wird diese Vor­gehensweise auch von der European Society of Breast Imaging (EUSOBI) ausdrücklich empfohlen.

Weil jedoch in der Anfangszeit die Kapazitäten allein durch Brustuntersuchungen nicht ausgeschöpft wurden, erweiterten Baum und Fischer einfach ihr Untersuchungs­spektrum: Kopf, Bauch, Becken und insbesondere
Gelenke kamen hinzu – wofür die Praxis für Moderne Schnittbilddiagnostik eingerichtet wurde. So wuchs das Tätigkeitsfeld und damit auch das Team. Ein Prozess, der bis heute fortgesetzt wird: die konsequente Erweiterung der Leistungen. 

Es folgten muskuloskelettale Untersuchungen und eine exzellente Lungendiagnostik. Schließlich konnte auch der Bereich der Neuroradiologie für die Diagnostik von Kopf und Wirbelsäule professionell erweitert werden, was die Anschaffung eines neuen 3-­Tesla-MRT-
Systems erforderte. Diese neue Technologie bot auch die Grundlage dafür, eine hochwertige Prostatadiagnostik anbieten zu können.

Und weil weitere Räume im Gebäude frei wurden, entwickelten Baum und Fischer den Ansatz von möglichst viel Kompetenz unter einem Dach weiter: 2012 wurde das Medizinische Experten Center (MEC) aus der Taufe gehoben. In funktionsfertig eingerichteten Arztzimmern können Gastärzte für eine Tagesmiete tätig werden. Dieses Angebot richtete sich in besonderem Maße an ausscheidende Ärzte aus der Universität und an Ärzte mit hoher Expertise auf einem Spezialgebiet, die aus Altersgründen aus ihrer Praxis ausschieden. 

Der Leitgedanke im MEC war ebenfalls Raum für gute Medizin, das heißt, Zeit für Patienten zu haben. „Es ist genau das dabei herausgekommen, was wir uns gewünscht haben: Experten, die noch Lust haben, patienten­zugewandte Medizin zu machen“, sagt Friedemann Baum. 

„Daraus hat sich dann der nächste Entwicklungsschritt ergeben“, so Uwe Fischer. „Wenn wir schon all diese Kapazitäten hier haben, warum bieten wir dann nicht so etwas wie einen Managercheck für Unternehmen an? Eine oder mehrere Führungskräfte kommen für zwei Tage nach Göttingen und lassen sich hier präventiv bei zwölf bis 16 Experten durchchecken.“ Ein Angebot, das in dieser geballten Kompetenz in Deutschland nach wie vor ein hohes Alleinstellungsmerkmal hat und das von Firmen gut genutzt wird, zum Beispiel von Envia, Škoda oder auch den Stadtwerken Göttingen.

Bis heute wurden im Diagnostischen Brustzentrum und in der Praxis für Moderne Schnittbilddiagnostik mehr als 50.000 Patienten betreut. Viele von ihnen kommen im Rahmen der Früherkennung in regelmäßigen Abständen und das aus der ganzen Bundesrepublik, teils sogar aus dem Ausland. Das Team ist inzwischen auf 20 Mitarbeiter angewachsen. 

Aber noch etwas ist Baum und Fischer wichtig: das Weitergeben der Erfahrung. Deswegen finden in Göttingen jährlich mehrere Fortbildungen für Ärzte aus ganz Europa statt. Auf diese Weise haben Baum, Fischer und das Brustzentrum-Team ihr Know-how an bislang mehr als 5.000 Ärzte und MT-R weitergegeben. Und so soll es noch ein paar Jahre weitergehen – auch, wenn sich Baum und Fischer langsam Gedanken über eine Nachfolge machen, hat das Duo den Spaß an der Arbeit noch nicht verloren. ƒ

Fotografie: Alciro Theodoro da Silva
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