©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sven Grünewald

Mit dem Verein Beveraner Unternehmen hat sich im Landkreis Holzminden ein neues Wirtschaftsnetzwerk etabliert, das mehr sein will als nur ein Forum für gegenseitigen Austausch: ein Sprachrohr gegenüber der Politik, das gemeinnützige Projekte fördert.

Ein neues Unternehmernetzwerk

Der Flecken Bevern liegt nördlich von Holzminden und hat knapp 4.000 Einwohner. Klein, überschaubar, ländlich, typisch – möchte man sagen. Und doch hat Carsten Stock, Geschäftsführer der Bau & Renovierungszentrum Stock GmbH, hier etwas Neues auf den Weg gebracht: ein Unternehmernetzwerk, das deutlich mehr sein will.

„Ich bin hier im Ort in verschiedenen Vereinen aktiv und hatte 2017 für eine Kulturveranstaltung das Sponsoring übernommen“, erzählt Stock. Durch seine Unternehmenskontakte war es ihm gelungen, mehrere Tausend Euro einzuwerben. „Aber Vereinen, die solche Kontakte nicht haben, fehlen diese Möglichkeiten, gute Veranstaltungen zu organisieren.“ Wie erreicht man jedoch die lokalen Unternehmen? Ein entsprechendes Netzwerk wäre eine Idee, die damals aber wieder eingeschlafen ist. Später ist Stock noch etwas anderes bewusst geworden: „Wir kennen uns vor Ort einfach zu wenig.“ Deswegen begann er, andere Unternehmer zu kontaktieren und für die Idee Werbung zu machen, ein Netzwerk zu gründen, um sich kennenzulernen, auszutauschen und voneinander zu profitieren.

Bei Oliver Blume, der sich 2021 in der alten Heimat Bevern als Unternehmensberater selbstständig gemacht hat, nachdem er vorher bei mehreren internationalen Firmen tätig gewesen war, rannte Stock mit der Idee offene Türen ein. „Mein gesamtes Berufsleben war vom Netzwerkgedanken geprägt, deswegen war ich von der Idee begeistert“, sagt Blume. Für sich selbst sieht dieser ganz klare Vorteile, über das Netzwerk neue Kontakte zu generieren. Aber es geht ihm auch um das Geben, also den Erfahrungsaustausch: „Ich war Teil vieler Arbeitskreise, in denen auch Wettbewerber zusammensaßen, die sich dennoch über vieles offen ausgetauscht haben. Bei ähnlichen Problemen, die alle haben, ist das sehr hilfreich.“ Deswegen engagiert sich Blume auch im Vorstand des neuen Vereins.

Der Verein wurde offiziell Ende 2021 gegründet, inzwischen sind rund 35 Unternehmen beigetreten: vom Ein-Mann-Unternehmensberater über Grafikagenturen und Ärzte bis hin zu den großen Arbeitgebern vor Ort wie dem Egger Beschichtungswerk oder dem Pflegedienst DeBoer. So weit, so typisch Unternehmensnetzwerk. Doch da will Carsten Stock nicht stehen bleiben, daher gibt es noch zwei weitere Ziele, die sich der Verein auf die Fahne geschrieben hat: „Wir wollen auch gemeinnützige Projekte vor Ort fördern und uns als Sprachrohr der Wirtschaft gegenüber der Politik etablieren.“ Der Dialog mit der Politik sei bislang vor allem dadurch geprägt, dass es immer nur zu den Wahlen die obligatorischen Pressetermine und ein offenes Ohr für die Unternehmen gibt, aber darüber hinaus wenig. Diesen Dialog will der Verein verstetigen und damit verbessern. Dabei hilft, dass zwei Vorstandsmitglieder – Oliver Blume und Oliver Böhle, Geschäftsführer des Pflegedienstes DeBoer, – derzeit im Rat der Samtgemeinde sitzen. „Aber es geht uns auch um den Dialog mit dem Landkreis“, sagt Böhle. Ein wichtiges Thema sei etwa der Breitbandausbau, bei dem es nur schleppend vorangehe. „In der Pflege zum Beispiel funktioniert alles digital. Das heißt, wir brauchen eine gute Internetverbindung. Aber es gibt immer noch Orte im Landkreis oder in unserer Gemeinde, wo es keine gute Mobilfunkanbindung gibt.“ Dafür wollen sich die Unternehmer stärker einsetzen.

Lebensqualität verbessern

Der Leitgedanke des Vereins ist jedoch, nicht nur die Rahmenbedingungen für die Wirtschaftsaktivitäten positiv zu beeinflussen, sondern insgesamt etwas für Bevern zu tun und zur Lebensqualität vor Ort aktiv beizutragen. Deswegen auch die starke Säule, gemeinnützige Projekte zu fördern. Dies können Vorhaben aus allen Richtungen sein – von anderen Vereinen, privaten Initiativen oder auch Ideen seitens der Verwaltung, für deren Realisierung aber keine Mittel zur Verfügung stehen. Beispiele für den Handlungsbedarf gibt es einige. „In der Grundschule spielen die Kinder Fußball im Matsch auf der Wiese“, erzählt Stock. Ein echter Bolzplatz wäre da schon hilfreich. Auch das Freibad ist ein Thema, für dessen Betrieb kein Geld mehr da war und das deswegen geschlossen wurde. „Da können wir vielleicht dazu beitragen, dass wir wieder einen gewissen Betrieb haben.“ Oder der Tennisverein, der geschlossen werden sollte. Hier könnte man sich vorstellen, ein wöchentliches Training zu finanzieren. Auch Dorfverschönerungsaktionen, Beetpflege, die Baumpflanzaktion der Grundschule ebenso wie
Kulturveranstaltungen vom Konzert bis zum Schützenplatz sind Möglichkeiten.

Ideen gibt es viele. „Offiziell haben wir noch keine Förderung verabschiedet, aber wir diskutieren derzeit über verschiedene Anträge, die bei uns eingegangen sind“, erklärt Stock. Im Frühling 2022 sollen die ersten Projekte vorgestellt werden, die der Verein unterstützt. Die Förderung wird jeweils individuell ausfallen, also nicht aus den niedrigen Mitgliedsbeiträgen stammen, sondern aus projektbezogenen Zuwendungen an den Verein. Für jedes Projekt soll es dann Unternehmens-Paten geben. „So wollen wir Bevern attraktiver machen“, sagt der Initiator. „Ich will aus einer starken Gemeinschaft heraus Projekte finanzieren, die den Ort nach vorne bringen.“ Mit diesem breiten, auch gemeinschaftsförderlichen Ansatz steht das Unternehmernetzwerk dann vielleicht auch für vergleichbare Netzwerke andernorts Pate. ƒ