©Laura Finke
Text von: Antje-Britta Mörstedt

Lange Zeit lagen ihnen die Unternehmen zu Füßen: den heute 20- bis 30-jährigen Absolventen und Nachwuchskräften. Doch dann kam Corona. Antje-Britta Mörstedt, BWL-Professorin an der PFH Private Hochschule Göttingen, über die Frage, was Corona mit der ,Generation Z‘ macht – und was sich für Unternehmen im Umgang mit den High Potentials verbessert

Kurzerhand wurden ihnen weitere Namen verpasst: unlängst noch als Generation Z tituliert, werden alle nach 1995 Geborenen jetzt als Generation Corona oder Generation Lockdown bezeichnet. GenZ ist die erste Generation, die in der digitalen Welt aufgewachsen ist und wie keine andere vor ihr virtuos durch ein digitales Leben surft. Aber es ist auch eine Generation, in deren Leben globale Krisen allgegenwärtig sind: sei es die Klima-, die Banken- oder die Flüchtlingskrise. Und dann kam Corona.

Umworben wie kaum eine Generation vor ihnen

Noch bis zum Jahresbeginn war der Arbeitsmarkt, auch in der Region Südniedersachsen, durch den sogenannten ,War for Talents‘ geprägt. Personalverantwortliche befassten sich intensiv mit der Frage, welche Arbeitsbedingungen sie schaffen müssen, damit sie für die junge Generation attraktiv sind. Arbeitgeber haben die ,Zetts‘ umworben wie kaum eine Generation vor ihnen. Und die jungen Erwachsenen kannten bisher nur eine konjunkturelle Richtung: aufwärts. Doch diese Generation wurde auch damit groß, dass Informations- und Kommunikationstechnologien sich sehr schnell entwickeln und oftmals traditionelle Geschäftsmodelle bedrohen. Sie wuchsen damit auf, dass Arbeit nicht mehr orts- und zeitgebunden ist. Von den Eltern hat die Generation Z gelernt: Wer sich nicht abgrenzen kann, brennt aus. Das will die Generation Z tunlichst vermeiden und achtet deshalb sehr genau darauf, berufliche Tätigkeit und Privatleben klar voneinander zu trennen. Statt Work-Life-Balance geht es der GenZ um eine Work-Life-Separation.

Nachteile auf dem Arbeitsmarkt zu befürchten

Ändert sich mit der Corona-Krise nun alles? Ökonomen sagen voraus, dass die GenZ in jedem Fall mit größeren Nachteilen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sein wird. Sie steigen nicht mehr so schnell auf, es liegen größere Zeiträume zwischen ihren Karriereschritten, und sie werden dadurch in absehbarer Zeit nicht mehr die Einkommenshöhen wie bisher realisieren, selbst die Erfolgreichen nicht. ,Jung, motiviert – und abgehängt‘ titelt Mitte Mai auch prompt das Nachrichtenmagazin ,Der Spiegel‘ und diagnostiziert, dass die Generation der heute 20- bis 30-Jährigen durch die Corona-Krise härter getroffen wird als jede andere. Das lässt auch der Blick auf die Arbeitsmarktzahlen erahnen. Noch im März hatte Deutschland mit 5,6 Prozent eine vergleichsweise sehr niedrige Jugenderwerbslosenquote. Diese dürfte nun in den kommenden Monaten deutlich steigen. Die Zahl der neu gemeldeten Stellen brach in den Monaten März und April um mehr als 50 Prozent ein, von 160.000 auf nur noch 73.000. Arbeitergeber mussten sich bislang besonders anstrengen, um überhaupt Auszubildende zu finden, stark betroffen war zum Beispiel das Hotel- und Gaststättengewerbe. Nun müssen diejenigen, die noch in der Ausbildung stecken, darum bangen, ihre Ausbildung überhaupt zu Ende führen zu können. Eine ganze Generation von Absolventen und jungen Erwerbstätigen wird auf eine Arbeitsmarktlage treffen, wie es sie jahrzehntelang nicht gab.

Generation Vollkasko

Das wird den Wunsch der Z’ler nach Sicherheit im Berufsleben vermutlich noch stärker in den Vordergrund rücken. Steht zu befürchten, dass die Generation Z damit nun zur Generation Vollkasko mutiert? Und was hat das für Auswirkungen auf das Recruiting? Profitierten Absolventen und Young Professionals bisher von einem Arbeitnehmermarkt, so könnte sich das Blatt jetzt wenden. Gut, wer an einer Hochschule mit engem Kontakt zur Wirtschaft studiert. So kann man bereits während des Studiums ein Netzwerk aufbauen und kommt leichter an Praktikumsplätze und Jobs. Hatten im Wettbewerb um High Potentials häufig kleine und mittelständische Unternehmen fernab der großen Metropolen das Nachsehen, so besteht für sie jetzt die große Chance, eine nach sinnstiftender Tätigkeit und einem sicheren Arbeitsplatz strebende Generation für sich zu begeistern.

Und das sollten sie auch tun. Denn um den digitalen Wandel  erfolgreich zu bestehen, sind Unternehmen heute mehr denn je auf das angewiesen, was die ,Digital Natives 2.0‘ bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben. Das hat die Corona-Pandemie sehr deutlich gemacht. So manches Unternehmen hat in den letzten Monaten Neuland betreten. Die vor Ausbruch der Corona-Pandemie von vielen Führungskräften eher skeptisch beäugten Collaboration-Tools, Video-Konferenzen und die Arbeit aus dem Homeoffice sind von einem Tag auf den anderen für die meisten Unternehmen überlebensnotwendig geworden. Kundenbestellungen über Whatsapp entgegennehmen? Was vorher undenkbar war, geht plötzlich. Selbst traditionelle Unternehmen haben sich durch die Corona-Pandemie im Schnelldurchlauf mit der Digitalisierung befasst. Während sich in Zeiten von ,Physical Distancing‘ viele Menschen immer mehr an ein neues digitales Leben mit mehr digitaler Kommunikation gewöhnen, ist diese für die GenZ bereits seit Jahren Alltag.

Unternehmen profitieren von der Generation Z

Die Verlagerung der Kommunikation in den digitalen Raum wird uns voraussichtlich auch nach der Pandemie noch begleiten. Unternehmen können von dem digitalisierten Verhalten der GenZ profitieren, denn mit dieser Generation ist die Digitalisierung sicherlich gut zu meistern. Wer als Unternehmen weiterhin auf Young Professionals setzt und in die Ausbildung investiert, hilft zudem nicht nur jungen Menschen beim Eintritt in den Beruf, sondern sichert sich langfristig einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Denn eines ändert sich auch durch Corona nicht: Die Jahrgänge von jungen Nachwuchskräften für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt schrumpfen.

Über die Autorin:

Antje-Britta Mörstedt ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der PFH Private Hochschule Göttingen. Ihre Themenschwerpunkte sind Organisation und Blended Learning. Mörstedt steht in intensivem Austausch mit Unternehmen im Hinblick auf Education Management. Seit 2015 ist sie Vizepräsidentin der PFH für Fernstudium und Digitalisierung.