Lust auf Langeweile

Der Sartorius-Chef im Gespräch mit dem BG-Geschäftsführer
Text von: Anja Danisewitsch

Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg und BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen sprechen nach dem Klassenerhalt in der Basketball-Bundesliga über mehr Geld von Sponsoren und darüber, warum es mal wieder Zeit für eine Saison ohne Aufreger ist.

Während sich die BG-Göttingen-Spieler nach ihrem letzten Sieg und damit dem Verbleib in der ersten Basketball-Bundesliga, kurz BBL, noch von der letzten Saison erholen, plant die Geschäftsleitung bereits die Zukunft. Anfang Mai hat der Verein die Lizenz für die nächste Spielzeit in der BBL erhalten. Der Geschäftsführer von Pro Basketball Göttingen, Frank Meinertshagen, und Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender von Sartorius und einer der drei Hauptsponsoren der BG, kamen dafür zu ihrem jährlichen Strategiegespräch zusammen. faktor traf die beiden direkt im Anschluss im Sartorius College und fragte nach, wie es in der ersten Liga weitergehen wird und ob Sponsoring vielleicht mehr ist als eine finanzielle Partnerschaft.

Herr Dr. Kreuzburg, wie oft trifft man Sie eigentlich persönlich bei den Spielen der BG?

Joachim Kreuzburg: Zu selten. [lacht]

Frank Meinertshagen: Das stimmt. [lacht mit] Da ist definitiv noch Potenzial!

Apropos Potenzial, Herr Meinertshagen, zunächst einmal noch Glückwunsch zum erneuten Klassenerhalt! Wie lief in Ihren Augen die vergangene Saison?

Meinertshagen: Mit dem Ergebnis zum Schluss sind wir schon zufrieden. Wir haben unser Ziel mit Platz 14 definitiv erreicht. Aber insgesamt war das eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen – vor allem mit einer sehr langfristigen Tiefe.

Wie hat der Trainer, haben Sie, in diesen Momenten Ihr Team motiviert?

Meinertshagen: Wir haben versucht, den richtigen Ton zu finden – und ansonsten hart weitergearbeitet. Wir sind immer von Spiel zu Spiel gegangen. Das sind so Plattitüden, aber die stimmen einfach. Tatsächlich hatten wir immer unsere eigenen Ziele von Spiel zu Spiel. Da geht es nicht so sehr darum, das Ergebnis in den Mittelpunkt zu stellen, sondern einfach den Prozess. So eine Saison ist insgesamt ein Marathonlauf.

Und was ist für den kommenden Lauf das Ziel?

Meinertshagen: Die nächsten Schritte zu machen. Wir versuchen gerade, einen Kern der Mannschaft zu halten – mal schauen, ob uns das gelingt. Es ist jetzt offiziell geworden, dass wir Dominic Lockhart für zwei weitere Jahre verpflichtet haben. Was für uns ein Riesending ist! Jemanden zu halten, der bei uns Nationalspieler geworden ist, das ist schon ein großer Schritt. Ich hoffe, das gelingt uns auch noch an der einen oder anderen Stelle. Durch diese Kontinuität wollen wir uns einfach weiterentwickeln – sportlich, aber auch im Umfeld. Und das unabhängig von der Tabellenplatzierung. Es ist in Ordnung, wenn es bis zum letzten Spieltag spannend bleibt – … wenn wir dann in der Liga bleiben. [lacht] Aber es wäre natürlich schön, wenn wir es hin bekommen würden, im gesicherten Mittelfeld zu landen. Und ehrlich gesagt, ich persönlich hätte jetzt auch einmal nichts gegen eine langweilige Saison einzuwenden.

Herr Dr. Kreuzburg, Sie hatten heute Ihre jährliche Strategiesitzung mit Herrn Meinertshagen. Warum unterstützt Sartorius seit Jahren die BG?

Kreuzburg: Ein Grund ist, dass Basketball ein toller Teamsport ist, bei dem jedes Spiel spannend ist. Es gibt unter den Sartorianern sehr viele Fans. Für uns ist außerdem wichtig, dass Göttingen vielfältige, hochwertige Angebote bereithält – im weitesten Sinne Lebensqualität bietet. Und was macht eine Stadt wie Göttingen attraktiv? Dazu gehören kulturelle Angebote, auch die Universität, aber ich bin überzeugt, dass dazu auch ein mitreißendes Sportangebot gehört, und da ragt die BG schlicht und ergreifend heraus. Dementsprechend engagieren wir uns aus Überzeugung! Wir wollen unseren Teil beitragen – für unsere Mitarbeiter, für die Region –, dass es so bleibt und sich der Spitzensport idealerweise noch weiterentwickelt.

Welchen Vorteil sehen Sie im BG-Sponsoring?

Kreuzburg: Wir unterstützten die BG seit vielen Jahren und immer mit einer längerfristigen Perspektive. Damit setzen wir auch ein Zeichen, dass wir dem gesamten Team vertrauen. Zwar ist Sportsponsoring relativ teuer, aber andererseits gibt es auch keine andere Veranstaltung in der Region, zu der regelmäßig 3.500 Menschen gehen. Zudem ist für uns interessant – und wir beobachten das seit einiger Zeit –, dass die mediale Aufmerksamkeit für Basketball über die Jahre zugenommen hat. Dass wir unser Logo auf dem Trikot platzieren, ist vor allem überregional von Bedeutung. Mit Blick auf die Gewinnung neuer Mitarbeiter kann Sponsoring dazu beitragen, die Bekanntheit von Sartorius zu steigern und potenzielle Bewerber auf uns aufmerksam zu machen.

Wie groß ist denn aktuell die mediale Präsenz der BG?

Meinertshagen: Die steigt, da die Telekom ja inzwischen jedes Spiel bei telekomsport.de überträgt. Wir haben das vor einem Jahr messen lassen, und ich war überrascht, wo überall Spielzusammenfassungen zu sehen sind – wir sind bundesweit präsent, definitiv. Die Zahlen der Abonnenten bei telekomsport.de sind zudem massiv gestiegen.

Wäre ein Sponsoring anderer großer Unternehmen der Region wünschenswert?

Kreuzburg: Ich sehe es als eine der Stärken der BG an, eines der breitesten Sponsorenfelder innerhalb der Basketball-Bundesliga zu haben. Aber dazu kann Herr Meinertshagen sicher mehr sagen.

Meinertshagen: Ich persönlich glaube, es ist tatsächlich unsere allergrößte Stärke, dass wir in Sachen Sponsoring bereits so breit aufgestellt sind. Es gibt viele, die schon langfristig Sponsoren sind, und da scheint es dann doch für beide Seiten einen Nutzen zu geben. Leider, aber das ist für die Region Südniedersachsen auch bezeichnend, ist die Anzahl wirklich großer Unternehmen überschaubar. Klar, wir freuen uns über neue Unterstützer, aber viel wichtiger ist für uns, dass wir verlässliche Partner haben. Das funktioniert – nicht nur, weil ich heute hier neben Herrn Dr. Kreuzburg sitze – mit Sartorius hervorragend.

Gibt es denn derzeit überhaupt noch interessante Werbeflächen, die für die kommende Saison frei sind?

Meinertshagen: Von den optimal sichtbaren Werbeflächen, beispielsweise auf dem Feld, ist bei uns der Mittelkreis frei – und dann hört es tatsächlich schon auf. Und wir haben momentan am Körper noch ein Hosenbein frei, aber da sind wir gerade in Gesprächen, das zu verkaufen.

Gehen solche langjährigen Partnerschaften wie Ihre über das Geldsponsoring hinaus? Entsteht da eine emotionale Bindung?

Kreuzburg: Viele Sartorius-Mitarbeiter sind eingefleischte Fans, da gibt es eine sehr hohe Identifikation. Ich persönlich leide auf jeden Fall auch mit, wenn ein Spiel mal nicht so gut ausgeht.

Meinertshagen: Die Karten der Leidensfähigkeit unserer Fans spielen wir ja ganz gut aus. [lacht]

Das ,Hier und Heute‘ klingt ja alles ganz prima. Aber vielleicht noch ein kleiner Ausblick in die Zukunft: Der Klassenerhalt ist geschafft, wie geht es weiter? 1. Liga – das bringt doch auch Verpflichtungen mit sich, oder?

Meinertshagen: Das stimmt. Bei den Lizenzierungsverfahren für die 1. Liga müssen in Zukunft beispielsweise für den Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nicht mehr nur 100.000 Euro Eigenkapital nachgewiesen werden, sondern 250.000 Euro. Pflicht ist es zur nächsten Saison zwar noch nicht, aber bei Nichterfüllung wird es eine Strafe geben.

Und wie ist die BG hier aufgestellt?

Meinertshagen: Dank unserer Gesellschafter werden wir das Eigenkapital zur kommenden Saison wie gefordert erhöhen.

Wie sieht es denn beim derzeitigen Stand mit dem Gesamtetat und Spieleretat für die kommende Saison aus?

Meinertshagen: Zum Spieleretat kann ich zurzeit keine genauen Zahlen nennen. Aber wir hatten letzte Saison – das Geschäftsjahr ist ja noch nicht ganz zu Ende – etwa 2,5 Millionen Euro Umsatz. Im Vorjahr waren es knapp 2,4 Millionen – es gab also eine kleine Steigerung. Nicht so riesig, wie wir uns das gewünscht hätten. Wir müssen in zwei Jahren auf drei Millionen kommen und versuchen, in der kommenden Saison 2,8 Millionen zu erreichen.

Als Voraussetzung für den Verbleib in der 1. Liga wird voraussichtlich auch bald eine höhere Zuschauerkapazität gefordert. Aktuell ist die Auslastung ja bereits sehr hoch … Wann kommt die neue Halle?

Meinertshagen: Ich hoffe bald! Denn das ist ein wichtiges Thema für uns. Zum einen besteht, wie gesagt, die Gefahr, dass es von der BBL-Seite aus neue Standards geben wird, sodass wir in der Sparkassen-Arena, so wie sie momentan ist, nicht mehr spielen können. Zum anderen ist die neue Halle – unabhängig davon, was die BBL fordert – für uns ohnehin von großer Bedeutung, denn die Arena stellt derzeit eine Wachstumsbremse dar. Die Sitzplätze sind zu 100 Prozent ausverkauft. Wenn es freie Plätze gibt, sind es Stehplätze. Und wenn wir uns auch an dieser Stelle weiterentwickeln wollen – und das müssen wir, wenn wir konkurrenzfähig bleiben möchten –, dann müssen wir über das Thema Halle definitiv nachdenken.

So weit zu den Forderungen der BBL. Was müsste passieren, damit Sartorius Namenssponsor bei der BG wird?

Kreuzburg: Ein paar Bedingungen, die erfüllt sein müssen, hatten wir bereits angesprochen. Ich halte es für wichtig, dass sich Basketball in Göttingen auch langfristig in einem zunehmend anspruchsvollen Umfeld positionieren kann: Die Anforderungen u.a. an Kapazitäten werden höher, die Budgetanforderungen steigen. Das sind wichtige Faktoren, die auch bei unserer Entscheidungsfindung eine Rolle spielen. Wenn wir uns engagieren, tun wir dies grundsätzlich mit einer langfristigen Perspektive – wie zum Beispiel bei den Internationalen Händel-Festspielen oder dem Göttinger Literaturherbst, hier sind wir seit zehn oder zwanzig Jahren dabei. Das ist auch beim Basketball unsere Blickrichtung. Wie gesagt, wir haben Vertrauen in das Team und in die Führung der BG. Für uns ist es wichtig zu sehen, dass am Ende alle Faktoren stimmen.

Herr Dr. Kreuzburg, Herr Meinertshagen, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die kommende Saison!