©Sartorius
Text von: redaktion

faktor präsentiert zum Jubiläum die Meilensteine der Unternehmensgeschichte: von der Instrumenten-Werkstatt für die Göttinger Professorenschaft über den kleinen Beitrag zur Apollo-11-Mission bis hin zum Global Player als Pharma- und Laborzulieferer.

Florenz Sartorius baut Instrumente für die Forschungslabore der Göttinger Professorenschaft. 1870 gründet er seine ,Feinmechanische Werkstatt F. Sartorius‘ und entwickelt eine der Technologien weiter, die er in der Lehrzeit und der nachfolgenden Wanderschaft bei anderen Experten kennengelernt hat: die kurzarmige Analysenwaage.

Diese reduziert den Zeitaufwand für wissenschaftlich präzise Messungen. Forscher und Apotheker können dank seiner Innovationen effizienter arbeiten. Sartorius wird bereits 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia ausgezeichnet, zahlreiche Preise auf weiteren internationalen Messen folgen.

Sartorius ist 1927 Mitbegründer einer Gesellschaft zur Herstellung von Membranfiltern. Diese Alternative zur thermischen Sterilisation ermöglicht erstmals die Verarbeitung von hitzeempfindlichen Lösungen. Das Unternehmen entwickelt den Herstellungsprozess in größerem Maßstab. Bis in die 1940er-Jahre bleibt Sartorius neben einigen Fabriken in der Sowjetunion einer der wenigen industriellen Hersteller.

Die Unternehmens- und Unternehmertätigkeit während des Nationalsozialismus bildet weitgehend die ,ökonomische Normalität‘ ab: Sartorius profitiert von der Rüstungswirtschaft und dem Einsatz von Zwangsarbeitern und stützt durch sein systemkonformes Agieren das NS-Regime.

Mit dem traditionell gut ausgebildeten Stamm von Fachkräften trägt Sartorius seinen Teil zum Wirtschaftswunder bei: Bereits kurz nach Kriegs- ende wird die Produktion wieder aufgenommen. Zunächst sind es Bedarfsgüter wie Bollerwagen und Waffeleisen. Im September 1945 folgen die ersten Analysenwaagen.

1960 wird auf der Deutschen Industrie-Messe Hannover mit einer Sartorius Waage die Unterschrift vom Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard gewogen (0,000852 Gramm).

Die Welt richtet Ende der 1960er-Jahre ihren Blick ins All, und die Geschichte setzt sich in Göttingen fort: Sartorius-Mitarbeiter vermessen die Oberfläche eines 20,2 Milligramm wiegenden Gesteinskrümels, den die Apollo-11- Mission vom Mond zur Erde brachte. Mit messtechnischen Systemen für Forschungslabore und Industrieproduktion steigt Sartorius zu einem der führenden Anbieter auf dem Weltmarkt auf.

In den 1970er-Jahren revolutioniert die Elektronik die Wägetechnik. Durch den Einsatz elektronischer Bauteile wird der Wägevorgang erheblich vereinfacht und die Messzeit deutlich reduziert.

Ende der 1980er-Jahre bieten sich für Sartorius neue Chancen. Insbesondere der Konzentrationsprozess in der Pharmaindustrie und erste Markterfolge von Biopharmazeutika wecken den Bedarf an kompletten Prozesslösungen aus einer Hand. Die Erweiterung des Portfolios erfordert jedoch hohe Investitionen.

Um Wachstum nachhaltig zu ermöglichen und die Finanzierung auf eine breitere Basis zu stellen, wird das bis dahin familiengeführte Unternehmen umstrukturiert: Im Juni 1990 geht Sartorius an die Börse.

Seit Mitte der 1990er-Jahre legt Sartorius einen besonderen Schwerpunkt auf die damals noch junge Biotechnologie. Da erste Biopharmazeutika wie Humaninsulin Marktreife erreichen, werden Produktionsanlagen erstmals im industriellen Maßstab benötigt.

Lieferte Sartorius bislang vor allem Filter, baut das Unternehmen nun sein Angebot aus. So übernimmt es im Jahr 2000 mit B. Braun Biotech International Melsungen den führenden Hersteller von Bioreaktoren.

2017 Nach mehrjähriger Bau phase werden auf dem neu entstandenen Sartorius Campus im Westen Göttingens zwei zuvor getrennte Standorte konsolidiert. Auf dem ehemaligen Werksgelände an der Weender Landstraße hingegen soll bis Ende 2022 ein neues gemischt genutztes Quartier entstehen.