©Marco Bühl
Text von: Anja Danisewitsch

Gerdum Enders ist vieles: Zeichenforscher, Erfinder, Professor, Unternehmer, Sparringspartner und vor allem eines – ein unkonventioneller Mensch. Seine Denkansätze bringen andere Unternehmer dazu, umzudenken und klare Zukunftsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Der Mittelständler bueroboss.de/kassebeer aus Northeim arbeitet seit einem Jahr intensiv mit Gerdum Enders zusammen – mit dem Ergebnis: alles einfach machen.

Ein Tag im Sommer 2021. Bei bueroboss.de/ kassebeer in Northeim wird an diesem Freitag nicht gearbeitet. Die gesamte ‚Mannschaft‘ hat sich versammelt, um zum einen Gerdum Enders und sein Team kennenzulernen und zum anderen endlich zu erfahren, was es mit diesem Termin auf sich hat, der seit Wochen im Outlook-Kalender geblockt ist. Workshops und  Veränderungsprozesse haben die langjährigen Mitarbeiter schon einige mitgemacht. Die meisten Ideen daraus verliefen allerdings irgendwann im Sand: Zu viele andere Prioritäten – zu viel Tagesgeschäft. Wennʼs läuft, warum etwas ändern?

„Die Menschen denken viel zu kompliziert, und Unternehmen verschwenden Zeit durch überlebte Abläufe. 80 Prozent der Erneuerungsprozesse scheitern“, sagt Gerdum Enders.

Er ist Gründer von Code Lab in Kassel und seit über 30 Jahren Unternehmer. Seinen ersten großen Erfolg feierte er in den 1980er-Jahren, als er der ,Swatch‘ zum Kultstatus verhalf, indem er die Schweizer Uhr zum begehrten Sammelobjekt machte. Vom einfachen Zeitmesser zu einem Zeitgeistmesser. Heute sieht er sich selbst als Sparringspartner, um Unternehmer aus ihrem alltäglichen ‚Gedankengefängnis‘ zu befreien und wirklich Neues zu denken. Denn Innovationen und Zukunftsideen entstehen nicht im Status Quo. „Die Welt ist nicht kompliziert, sie ist codiert“, sagt Enders immer wieder. Denn dieser Satz ist Schlüssel zu seiner Methode.

Wir alle entschlüsseln tagtäglich Tausende von ,Codes‘, um uns in der Welt zu orientieren. Welches Bier ist von seiner Natürlichkeit und Reinheit so klar wie ein Bergsee? Die meisten haben jetzt ein Bild vor Augen und den Code entschlüsselt. Allerdings können wir solche Zeichen nur knacken, wenn sie eindeutig kommuniziert werden. Mit seiner ‚Code-Methode‘ hat der Kassler Zeichenforscher ein eigenes Framework (System) entwickelt. Dafür braucht es auf den ersten Blick nicht viel: Unternehmenswurzel freilegen, Vision erspüren und entlang der Unternehmens-DNA eine Strategie aufbauen. Ganz so einfach ist es in der Realität allerdings nicht. Worum es letztlich jedoch immer geht, sind Einfachheit und Klarheit.

Familienunternehmen in fünfter Generation

Diese Erfahrung haben auch Ines und Mark Berke von bueroboss.de/kassebeer, einem Systemhaus für Büro- und Informationsmanagement, gemacht. Das Geschäftsführerehepaar leitet seit drei Jahren das Northeimer Familienunternehmen in fünfter Generation. „Wir haben ein Erbe angetreten, das wir nicht nur pflegen, sondern vor allem gestalten wollen“, erzählt Ines Berke. Und ihr Mann ergänzt: „Ein Erneuerungsprozess, den wir mit leichtem Gepäck gehen wollen.“ Mit Gerdum Enders haben sie ihre Unternehmenswurzel freigelegt und ihren persönlichen Code definiert: menschlich, mutig, markant. Das sind Werte, auf denen von der Gründung bis heute der Erfolg des Unternehmens basiert. An ihnen werden nun alle neuen Maßnahmen von der Kommunikation bis zu den Dienstleistungen ausgerichtet. „Das ist unser Prüf-Code und Leitstern“, sagt Mark Berke mit selbstbewusstem Stolz in der Stimme.

Leichtes Gepäck – das bedeutet: Ballast abwerfen. Und genau das tat das Unternehmen Ende 2021 nicht nur metaphorisch. Das gesamte Kassebeer-Team vom Techniker bis zur Buchhaltung schuftete einen ganzen Tag, um selbst aus den hintersten Ecken gnadenlos alles zu entsorgen, was sie auf der Reise zu ihrer Zukunftspositionierung nicht mehr benötigten, ob alte Kugelschreiber oder komplette Regalwände. Es war eine Aktion, die sofort für alle sichtbar machte – hier passiert etwas. „Transformationen werden dadurch angestoßen, dass wir uns nicht mit langen PowerPoint-Präsentationen aufhalten, sondern schnell ins Tun kommen“, erklärt Gerdum Enders.

Kommunikation ist der erste Schritt

Er arbeitet immer zuerst an der Veränderung der Kommunikation. „Das geht am schnellsten und bringt sofort sichtbare Erfolge. Neue Räume, neue Klamotte, neuer Markenauftritt“, sagt der Zeichenforscher in lässigem Ton. Dann werden die Dienstleistungen oder Produkte neu designt – und all das transformiert die Unternehmenskultur. Letzteres dauert am längsten, da sich
Menschen mit ihren Gewohnheiten nicht von heute auf morgen ändern.

Enders lebt vor, was die neue Arbeitswelt ausmacht: Leichtigkeit und Spaß kombiniert mit Konsequenz und Disziplin. Gewohnte Strukturen und Verhaltensmuster zu verlassen, das bedeutet für das Gehirn, aus einem bequemen Energiesparmodus zu treten und aktiv zu werden. Den Anstoß wiederum, um schnell in neues Denken zu kommen, gibt Enders gern durch gezielte  Provokation. Er spricht an, worüber seine Kunden im eigenen Unternehmen gern großzügig hinwegsehen. Dinge, die schon immer so gemacht wurden. Räume, die schon immer so aussahen. Geht doch noch. „Erneuerung ist ein Trainingsprozess, bei dem Bewährtes und Bekanntes hinterfragt wird, damit anderes Denken und Handeln erlernt wird“, so der Sparringspartner, der viele große Namen zu seinen Kunden zählt. Bosch. Daimler. Sartorius.

Neue digitale Marke für B2B-Kunden

Und was ist nach einem Jahr bei den Northeimern nun anders? „Wenn man an unserem Firmengebäude vorbeifährt, noch gar nichts“, sagt Mark Berke und lacht. Umso  überraschender, wenn man hinter die Kulissen blickt: Hier wird inzwischen ein neues Markenbewusstsein gelebt. Die Räume sind in knalligem Orange, Lila und Gelb gebrandet. Slogans wie ‚Digital – wir machen es einfach.‘ oder ‚einfach. sympathisch. digital.‘ prangen selbstbewusst an den Wänden. Stand bisher die Marke ‚bueroboss.de/kassebeer‘ für alles, wird es nun zwei eigenständige Marken geben. bueroboss.de/kassebeer bleibt weiterhin Partner seiner B2B-Kunden für Büroartikel und Verbrauchsmaterialen im Onlineshop. Die neue Marke ‚kassebeer digital‘ ist Partner für die Digitalisierung der mittelständischen Wirtschaft in der Region.

„Viele Unternehmen schrecken vor der Digitalisierung zurück, weil es viel zu kompliziert erscheint“, sagt Mark Berke. „Ganz im Sinne der Code-Methode vereinfachen wir Prozesse und beraten unsere Kunden nicht im IT-Slang, sondern einfach und verständlich.“

Bis die neue Marke komplett aufgestellt ist, wird es noch einige Zeit dauern. Es ist kein Spaziergang, sondern eine Gipfelbesteigung. „Dafür muss man trainieren, aber nicht gleich an der Eiger-Nordwand“, sagt Enders. Die ersten Höhenmeter hat das kassebeer-digital-Team schon zurückgelegt und ist mächtig stolz darauf. Wie andere auch stand dieser mittelständische Betrieb vor gut einem Jahr vor der Frage: Wie überleben Unternehmen in der Zukunft? Die Antwort, wie sie sich morgen vom Wettbewerb unterscheiden, haben sie dank Gerdum Enders gefunden – ihre Strategie ist integriert und auf den Punkt gebracht. Komplexes kompliziert machen? Die Zeiten sind vorbei. ƒ