Vom Schülerpraktikanten zum CEO der THIMM-Gruppe

Kornelius Thimm zog von Northeim in die Welt hinaus und kam mit frischen Ideen zurück. Damit will der Enkel des Gründers, der seit dem Sommer als CEO die THIMM-Gruppe mit rund 2.500 Mitarbeitern führt, viel bewegen und verändern.

„Werte sind mehr als das, was man mal so an die Wand schreibt.“

Zum Unternehmen

Den Grundstein für die THIMM-Gruppe legte 1949 Walter Felix Thimm mit ,THIMM-Wellpappe‘. Aus dem kleinen Familienbetrieb wurde eine international agierende Unternehmensgruppe, die heute in dritter Generation geführt wird. THIMM produziert Transport- und Verkaufsverpackungen aus Wellpappe, Verkaufsaufsteller sowie Druckprodukte für die industrielle Weiterverarbeitung. Zur Gruppe gehören die Geschäftsbereiche THIMM pack’n’display, Christiansen Print, das Start-up Cartonara sowie die digit49. Mit dem Verkauf des Industriebereichs Packaging Systems fokussiert sich die Gruppe auf die Konsumgüterbranche und investiert 400 Millionen Euro, um bis 2030 ihren Umsatz zu verdoppeln.

1982– damals trennen zwei schwere Doppeltüren das Büro des Firmengründers Walter Felix Thimm vom restlichen Teil des Unternehmens THIMM-Verpackung. Der fünfjährige Kornelius Thimm steht oft ehrfürchtig in dem dahinter geschützten, holzvertäfelten Büro seines Großvaters. „Für uns Kinder war das etwas ganz Besonderes, da überhaupt reinzugehen“, erzählt Kornelius Thimm, der heute, 40 Jahre später, selbst CEO der THIMM-Gruppe ist. Vieles hat sich über die Jahre verändert. Aus dem kleinen Wellpappe-Produzenten aus Northeim wurde ein europaweit agierender Hersteller für Produktverpackungen mit innovativen und nachhaltigen Lösungen. Aus geschlossenen Büros wurden flache Hierarchien. Geblieben ist: ein mit Leidenschaft geführtes Familienunternehmen.

Aufgewachsen als Unternehmerkind in Northeim

Als Kornelius Thimm zur Welt kommt, ist sein Vater Klaus Thimm bereits als Geschäftsführer mit ins Unternehmen eingestiegen. Und so wächst Kornelius zwar irgendwie ganz normal in Northeim auf, geht hier in den Kindergarten und zur Schule – und doch ist er auch immer das Unternehmerkind. In einer Kleinstadt kann das mehr oder weniger positiv sein. „Da gab es Lehrer, die meinten, ich beteilige mich am Unterricht, wo ich doch die ganze Zeit nur geschlafen habe“, sagt der Enkel des Gründers lachend. Er hat keine Angst, sich authentisch zu zeigen – im Gespräch wie in seinem Führungsstil.

Überhaupt findet das Interview in sehr entspannter Atmosphäre statt. Kornelius Thimm sitzt offen und zugewandt auf seinem Stuhl am Konferenztisch und hat sichtlich Freude daran, aus seinem Leben zu erzählen. Er erinnert sich an Samstage, an denen er seinen Vater ins Unternehmen begleiten durfte und dann mit dem Pförtner zusammen ‚die Runde gemacht hat‘, wie er sagt. Und an Ostern oder Weihnachten bringt er gemeinsam mit seinem Vater den Mitarbeitern Kekse und Kaffee vorbei. „Das heißt, die Verantwortung für das Unternehmen kenne ich schon von Kindesbeiden an“, erzählt er rückblickend. Das habe ihn geprägt. Und später in der Oberstufe stand er in den Sommerferien hinter der Maschine. Das war, bevor viele der Prozesse automatisiert abliefen. „Ich habe noch Einzelstapel per Hand auseinandergerissen und palettiert“, sagt er. „Ich habe im Schichtdienst gearbeitet und Nachtschichten gemacht.“ Dass er tatsächlich in den väterlichen Betrieb einsteigen werde, stand für ihn zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht fest.

Erst seit Juli dieses Jahres ist der 45-Jährige neuer CEO der THIMM-Gruppe und übernimmt damit den Posten von Mathias Schliep, der 23 Jahre lang Vorsitzender der Geschäftsführung war. Schliep ist sein Schwager und wird die THIMM-Gruppe im Verwaltungsrat weiterhin beraten und begleiten. Zeitgleich mit dem Antritt von Kornelius Thimm erfährt die Unternehmensgruppe eine einschneidende Veränderung. Während die Firma in den 1990er-Jahren noch unter der Leitung seines Vaters zunehmend auf Diversifikation setzt und somit mit einem breit aufgestellten Portfolio ein enormes Wachstum vorantreibt, zielt die Entwicklung heute auf Fokussierung.

Globalisierungstrend erfordert Anpassung

Anfang 2022 zählen zur Thimm-Gruppe 21 Standorte, einige davon gehören zum Geschäftsbereich Thimm Packaging Systems, der auf Verpackungssysteme für Industriegüter wie die Automobilbranche spezialisiert ist. Im Zuge der langfristigen Strategieweiterentwicklung trennt sich die THIMM-Gruppe jedoch Mitte dieses Jahres von diesem Bereich, um den Fokus auf die Konsumgüterindustrie auszurichten. THIMM Packaging Systems sei sehr erfolgreich gewesen, jedoch zeige sich im Bereich Industriegüter seit einigen Jahren ein nicht vernachlässigbarer Trend der Globalisierung. „Aus eigener Kraft hätten wir dies nur langsam umsetzen können – zu langsam. Daher haben wir diesen Geschäftsbereich an einen langjährigen Partner verkauft, der bereits global aufgestellt ist“, erklärt Kornelius Thimm, um im gleichen Atemzug auf die Zukunft zu schauen. „Wir sehen im Bereich Konsumgüterindustrie unsere Kernkompetenz, hier können und wollen wir weiter wachsen. Dafür haben wir bereits ein Investitionsprogramm von über 400 Millionen Euro aufgesetzt“, erzählt der CEO. Bis 2030 soll sich der Umsatz verdoppeln. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es ein neues Setup und neue Strukturen. Ausruhen auf dem Erfolg – das war bei THIMM noch nie die Devise. Mit der Neuausrichtung gehören jetzt 13 Standorte zum Unternehmen. Die Mitarbeiterzahl reduzierte sich von mehr als 3.600 auf ungefähr 2.500.

Nach dem Abitur verlässt Thimm sowohl das Unternehmen seiner Ferienjobs als auch seine Geburtsstadt Northeim. „Ich habe meine Karriere unabhängig von unserem Familienbetrieb gemacht – von einem kleinen Intermezzo von 2010 bis 2012 abgesehen, wo ich zweieinhalb Jahre eng mit meinem Vater zusammengearbeitet habe.“ Er studiert Maschinenbau in Aachen und absolviert seinen Master of Business Administration in der Schweiz. Bereits mit 30 Jahren leitet er in der BMW Gzoup Entwicklungsprojekte in München und Detroit. Auf seinem weiteren Karriereweg verantwortet er die Geschäftsentwicklung bei Conprinta Printing Technology und leitet als Director Customer Support bei der Beumer Maschinenfabrik unter anderem die Organisation und den Vertrieb des Customer Supports in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika.

Konzernstrukturen, Start-up-Mentalität und Familienunternehmen – sein Werdegang ließ ihm genügend Freiheit, seinen eigenen Weg zu finden. „Ich durfte eine weltweite Funktion ausfüllen und auch einfach Geschäft gestalten“, sagt er mit Begeisterung. Selbst gestalten zu dürfen und kreativ zu sein, das gefällt dem 45-Jährigen noch immer. Ihm ist bewusst, dass es Menschen gibt, die im Gegensatz dazu sagen, ‚Ich weiß ganz genau, was mein Plan ist‘. „Ich hingegen lebe im Hier und Jetzt und schaue, welche Herausforderungen es heute gibt – und was ich erreichen will “, sagt Thimm mit Nachdruck. Mit seiner Rückkehr nach Northeim vor fünf Jahren und dem Einstieg in die Geschäftsführung bei THIMM, zunächst als Chief Operating Officer (COO), änderte sich seine Rolle. „Vorher war ich der junge, kreative Rebell, der einfach gesagt hat: ‚Nein, jetzt machen wir das ab morgen anders‘“, sagt er. Das geht heute nicht mehr. Dennoch: Ganz verschwunden ist der Rebell von damals nicht. Auch heute will er etwas bewegen und verändern. Authentisch zu sein, das ist ihm wichtig. Und dass er als Führungskraft und als einer von vier Erben des Familienunternehmens eine Verantwortung übernommen hat, die keine Last, sondern die Chance auf Weiterentwicklung in sich trägt.

„Region hat große Chancen“

Eine Frage, die ihm auch nach über fünf Jahren immer wieder gestellt wird: ‚Warum sind Sie nach Northeim zurückgekehrt?‘ Zurück in die Provinz. Zurück zu den großväterlichen Wurzeln. Manchmal muss man fortgehen, um aus vollem Herzen schätzen zu können, was vor einem liegt. „Ich sehe hier so viel Potenzial. Unser Unternehmen hat diese Mischung aus Modernität, aber auch Stabilität, Flexibilität und nachhaltigem Denken. Und auch die Region hat so große Chancen, sich weiterzuentwickeln“, sagt der Northeimer. Keine Wehmut nach nüchternen Konzernstrukturen, die sehr viel aufwenden müssen, um einen Funken Emotionalität aufzubringen oder nach Start-ups, die mit einer wahnsinnigen Dynamik ebenfalls einen anderen Fokus haben.

Stattdessen lebt Kornelius Thimm die Familienwerte weiter, die mit den Unternehmenswerten verwoben sind. Das kann nur entstehen, wenn man seine Wurzeln nicht vergisst. Wertschätzung. Veränderungsbereitschaft. Erfolgsorientierung. „Die Basis dieser Werte hat mein Vater gesetzt. Wir haben noch abfotografierte Overheadfolien von ihm, die ab und an rausgezogen werden“, sagt der Sohn. Als sein Vater vor zwei Jahren starb, ging ein großer Visionär, der das Familienunternehmen maßgeblich geprägt hat. Schon dieser übernahm von seinem Vater die Maxime ,Es geht nicht darum, wie wir mehr Gewinne erzielen. Wir fragen immer: Kunde, was können wir besser machen?‘

Genau diese Kundenorientierung, die kreative Gestaltung von Prozessen und Zusammenarbeit mit Kunden auf Augenhöhe, prägen das Bild der THIMM-Gruppe nach außen. Im Inneren findet sich eine lebendige Firmenkultur. „Ich sehe mich eher als Sparringspartner und Coach, als dass ich selbst Lösungen entwickle. Dafür gibt es hier einfach Menschen, die viel mehr Expertise haben“, sagt Kornelius Thimm. „Und das macht mir sehr, sehr viel Freude: gemeinsam die beste Lösung zu finden.“

Bei allen Erfolgsmeldungen und positiven Entwicklungen: Der Markt ist hart und umkämpft, und die Mitarbeitenden erleben gute und schwere Zeiten – auch hier. Veränderungsprozesse sind ein Stück weit auch immer ein Leidensweg, weil Transformation und Entwicklung nicht im Bällebad stattfinden. Es ist zu spüren, dass Kornelius Thimm vor der Aufgabe, die vor ihm liegt, Respekt hat. „Bei uns sind Werte mehr als das, was man mal so an die Wand schreibt – und darum werden wir auch unsere Zukunft erfolgreich gestalten.“ Da sitzt er – immer noch entspannt und selbstbewusst – und trinkt den letzten Schluck Kaffee aus. Er weiß, wofür er erfolgreich sein will. Für seine Familie, für seine Kunden und für seine Mitarbeiter. Das ist der Kern, warum wir da sind.“

Fotos: Alciro Theodoro da Silva

 

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Zur Person

Kornelius Thimm ist der Enkel des Firmengründers Walter Felix Thimm von THIMM-Verpackung. Der 45-Jährige übernimmt in 2022 nach einer weltweiten Karriere in unterschiedlichsten Unternehmen die Geschäftsführung (CEO) der THIMM-Gruppe. Bereits vorher hatte er die Geschäftsführung von Conprinta Printing Technology und die Geschäftsführung von der THIMM-Tochter Christiansen Print übernommen. Als CEO tritt er die Nachfolge seines Schwagers Mathias Schliep an, der im Verwaltungsrat das Unternehmen weiterhin begleiten wird. Kornelius Thimm fühlt sich mit seiner Heimtatstadt sehr verbunden. Wenn er mal kein Unternehmen leitet, kocht er leidenschaftlich gern und verbringt am liebsten Zeit mit seiner Familie. Einen noch persönlicheren Eindruck vom Kreativkopf und CEO der THIMM-Gruppe Kornelius Thimm bekommen Sie in unserem faktordigital-Video.

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