Verleihung_Top_Arbeitgeber_Suedniedersachsen TOPAS SüdniedersachsenStiftung und IHK Hannover zeichnen am 13. Februar 2020 25 Unternehmen als Top Arbeitgeber Südniedersachsen aus Göttingen. In diesem Jahr werden 19 Unternehmen aus der Region erneut als Top Arbeitgeber Südniedersachsen ausgezeichnet. Sechs weitere Un- ternehmen erhalten erstmals das TOPAS-Siegel. Sie alle dürfen die Aus- zeichnung „TOPAS - Top Arbeitgeber Südniedersachsen“ die nächsten zwei Jahre tragen und können ihrer Qualität als Arbeitgeber so auch nach außen hin Sichtbarkeit verleihen.
Text von: Sven Grünewald

Das Label ,Topas – Top Arbeitgeber Südniedersachsen‘ der Südniedersachsenstiftung ist kein Feigenblatt, sondern verlangt den Teilnehmern echte Veränderungsbereitschaft ab.

Alle Jahre wieder macht sich eine neue Runde an regionalen Unternehmen auf den Weg, sich intensiv mit ihrer Rolle als Arbeitgeber zu beschäftigen, um die Auszeichnung ,Topas – Top Arbeitgeber Südniedersachsen‘ zu erhalten. Der Fachkräftemangel macht es erforderlich. Anders als es zumindest bei manch anderen Labels auf dem großen Markt der Unternehmensauszeichnungen den Eindruck vermittelt, lässt sich Topas nicht einfach durch eine Teilnahmegebühr kaufen – die Auszeichnung verlangt Unternehmen Veränderungsbereitschaft, Arbeit und sichtbare Fortschritte ab. „Der Hauptbeitrag der Unternehmen sind Manpower und Engagement“, so IHK-Geschäftsstellenleiter Martin Rudolph.

Die IHK engagiert sich seit der Einführung des Topas-Labels 2013 stark für dieses Instrument, das inzwischen bei der Süd­niedersachsenstiftung angesiedelt und verstetigt wurde. Um das Label zu erhalten, erarbeiten sich die Teilnehmer im Laufe eines Jahres in sechs Workshops ein Grundwissen um Mitarbeiterfindung und -bindung. „Danach gehen wir zusammen mit der IHK in die Unternehmen und lassen uns vorstellen, woran das Unternehmen bereits gearbeitet hat und was es perspektivisch vorhat“, erklärt Projektleiterin Jeanne Schöningh von der Südniedersachsenstiftung. Jedes Unternehmen setzt dabei bei seinem individuellen Stand an. Entscheidend ist der Wille, sich im Mitarbeiterbereich zu verbessern und zukunftsfähig aufzustellen.

Und so entwirft auch jedes Unternehmen für sich einen eigenen Plan, welche Verbesserungen es in den kommenden zwei Jahren umsetzen will. Das sind sozusagen die Hausaufgaben, die nach der erstmaligen Verleihung des Labels folgen. Dann kommt die Rezertifizierung, eine Überprüfung vor Ort, ob die selbst gesteckten Ziele erreicht wurden – und welche Ziele es für die kommenden Jahre gibt.

Die Zahlen zeigen, dass dieser Anspruch an kontinuierliche Arbeit mehr ist als ein Feigenblatt: Seit Gründung von Topas haben 43 Unternehmen den Prozess durchlaufen und das Label erworben, gegenwärtig gibt es aber ,nur‘ 36 Unternehmen, die das Label tragen dürfen. Erfolgreich sind vor allem die Unternehmen, so die Erfahrung von Jeanne Schöningh, die den Veränderungsgedanken wirklich ernst nehmen und auch Mitarbeiter damit beauftragen, diese Prozesse voranzubringen. Nur von oben funktioniert es allerdings auch nicht – wenn die Mitarbeiter nicht mitgenommen werden und den Prozess mitgestalten, ist auch keine Nachhaltigkeit zu erreichen. In diesem Punkt beobachtet Schöningh eine zunehmende Offenheit bei den Arbeitgebern. „Es gibt heute beispielsweise deutlich mehr Mitarbeiterbefragungen, aus denen dann auch Konsequenzen folgen. Das war früher nicht Usus.“

Interessant bei Topas ist, dass die Teilnehmer ausgesprochen heterogen sind: Vom großen Industrieunternehmen bis zum kleinen Handwerksbetrieb oder der Finanzverwaltung ist an Branchen und Mitarbeiter­zahl ein breites Spektrum vertreten – mit entsprechend diversen Erfahrungen, von denen der Austausch in der Netzwerk­arbeit profitiert.

Eines der Unternehmen, die erst 2019 zu Topas gekommen sind, ist die Engelhardt Möbelschreinerei aus Ebergötzen mit zurzeit 14 Mitarbeitern. Für Geschäftsführer Mario Engelhardt war die Beschäftigung mit Mitarbeiterfindung und -führung allerdings schon lange vor Topas ein Thema. „Unser Ziel ist, dass jeder Mitarbeiter dazu beiträgt, die Arbeitsumgebung aktiv und für sich angenehm mitzugestalten“, sagt Engelhardt. Eine der wichtigen Neuerungen, die er eingeführt hat, sind regelmäßige Mit­arbei­ter­­sitzungen. „Hier sitzen wir alle ­neben­einander auf Augenhöhe und Prozesse werden kritisch betrachtet. Auch meine Fehler kommen da auf den Tisch.“ Die Teilnahme an Topas war das i-Tüpfelchen auf diesen Ansätzen. „Für mich der Hauptgrund zur Teilnahme war, die ganzen Prozesse im Unternehmen einmal von außen betrachten zu lassen und mir eine Betätigung zu holen, ob wir auf einem guten Weg sind.“

Anders der Göttinger Hogrefe Verlag, ein Fachverlag für psychologische und ­medizinische Print- und Digitalprodukte. Hogrefe trägt das Topas-Label seit 2014 kontinuierlich und hat entsprechend mehrere Rezertifizierungen durchlaufen. Einer der Geschäftsbereiche des Verlags – und dieser deutlich wachsend – sind psychologische Testverfahren. Dafür werden unter anderem Psychologen und Programmierer gesucht. „Damit dies erfolgreich gelingen kann, ist es für uns wesentlich, als attraktiver Arbeit­geber in der Region wahrgenommen zu werden“, so Personalleiterin Mariele Walter.

Am Anfang des Prozesses wurden auch aus den Reihen der Mitarbeiter konstruktive Vorschläge zur Verbesserung abgefragt. Dieser Dialog mit den Mitarbeitern hat zu einigen Veränderungen geführt: Die interne Kommunikation wurde mittels eines internationalen Intranets für die gesamte Verlagsgruppe verbessert und ein Betriebliches Gesundheitsmanagement aufgebaut – ­zudem erhalten die Mitarbeiter monatliche Boni.

„Man kann sagen, dass Topas für uns ein ziemlich guter Antreiber ist, um unsere Ziele weiterzuverfolgen“, sagt Walter. „Für uns ist die Topas-Auszeichnung ein absoluter Gewinn – dies bekommen wir sowohl von unseren Mitarbeitenden als auch von Bewerbern und Bewerberinnen zurückgemeldet.“

Dass Arbeitgebermarketing ein wichtiger Baustein im Gewinnen von Mitarbeitern ist und dass Topas hier wertvolle Unterstützung leistet, hat sich innerhalb der Re­gion Südniedersachsen bereits gut herum­gesprochen, so der Eindruck von Martin Rudolph. „Aber man könnte das Label noch stärker in der Außendarstellung als ­attraktive Arbeitgeberregion spielen und so die regio­nale Ausstrahlung erhöhen.“ Dafür müsste allerdings eine kritische Masse an Unternehmen erreicht werden, die sich das Label als Top-Arbeitgeber erarbeitet haben. Da sei man leider noch nicht. Arbeitgebermarketing ist eben auch großflächig ein Prozess.