Der Macher

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Daniel Helberg ist nicht nur der Schreibtisch wichtig, sondern vor allem das, was ihn umgibt.

Um es gleich vorwegzunehmen: Daniel Helberg hat einen ganz gewöhnlichen Schreibtisch. Monitor, Taschenrechner, Telefon, ein praller Terminkalender und eine Menge Arbeit verteilen sich auf einer großen Tischplatte. Aber er mag ihn. Sehr sogar, sagt der Steritex- Geschäftsführer.

Eigentlich ein typisches Büro.

Wäre da nicht die für den Betrachter eigenartige Szenerie hinter dem Schreibtisch: Dort liegt eine Person auf einem Operationstisch, bis auf das Knie umhüllt in sterile Patientenabdeckungen, zwei weitere Personen in Arztkleidung und mit Mundschutz stehen daneben, das OP-Besteck für den Eingriff am Bein liegt griffbereit.

Doch das, was auf den ersten Blick erschreckend echt aussieht, entpuppt sich zum Glück als eine Szene mit Schaufensterpuppen.

Daniel Helberg lacht, als er meinen ratlosen Blick sieht, und erklärt: „„Das Büro war ursprünglich unser Showroom. Und da die Verwaltung räumlich aus allen Nähten platzt, habe ich hier meinen Arbeitsplatz eingerichtet.“

Er findet diese Entscheidung auch absolut passend. Denn als zuständiger Geschäftsführer für Vertrieb und Projektentwicklung passe er wunderbar hier rein, sagt er. Vor allem schätzt der 43-Jährige, dass er in seiner Schaltzentrale alles im Blick hat:

1. Produkte:

Die Wäsche ist in einem Einbauschrank mit Glastüren gut sichtbar einsortiert. Kleidungsstücke für unterschiedlichste Berufe reihen sich darin aneinander, zum Beispiel für Handwerker, Köche sowie Labor- und Krankenhauspersonal. Steritex vermietet diese bedarfsgerecht und beliefert die Kunden mit einem eigenen Fuhrpark. Gereinigt, gebügelt, sortiert und sterilisiert wird am Standort Göttingen.

Aber auch die Entwicklung von Kleidung mit spezifischen Produkteigenschaften gehört zum Geschäft. Innovative Materialien werden auf Strapazierfähigkeit und Waschverhalten geprüft, neue Schnitte auf Tragekomfort – Produktverbesserungen werden unternehmensintern vorangetrieben.

Und so wird auch mitten im Gespräch eine Hose aus neuem Material gebracht, die bereits mehrmals gewaschen wurde, säuberlich dokumentiert auf einer anhängenden Stofffahne. „Das ist eben auch Teil meines Geschäfts“, sagt der gebürtige Göttinger, „zu prüfen, was produktmäßig machbar ist und wo wir besser werden können.“ Und dabei hat er immer im Blick:

2. Kunden:

Wo sie geografisch verteilt sind, das zeigt eine Europakarte gegenüber seinem Schreibtisch. Mit roten Fähnchen sind die Bestandskunden, mit grünen Fähnchen die potenziellen Kunden positioniert. Quer vom Osten Deutschlands bis hin nach Luxemburg („Wir beliefern dort alle Krankenhäuser“), von Nord nach Süd ist die Karte markiert.

„Zum Glück ist eines meiner Hobbys das Reisen“, und er verrät, dass er eigentlich gerne immer beim Kunden wäre. Unterwegs sein, den Markt beobachten, den Bedarf eruieren. „Ich frage immer: Können Sie sich wegschmeißen noch leisten?“, erzählt Helberg. Nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus ökologischer Sicht sei Mietkleidung ein echter Vorteil – und dabei hat er die eigenen Betriebsprozesse bestens im Blick:

3. Unternehmen:

Durch ein bodentiefes Fenster sieht er auf das Gelände. Im angrenzenden Gebäude wird die Wäsche behandelt. Nur wenig Dampf entweicht einem Schornstein, und Helberg erläutert die Rückgewinnung, die bei Steritex ein ganz großes Thema ist: Entstehender Dampf wird fast restlos wiederverwertet, und das Wasser wird recycelt.

Er weiß um die genauen Abläufe und bespricht oft mit seinen Mitarbeitern, wie Kundenwünsche zeitlich, maschinen- und personalmäßig optimal umgesetzt werden können. Währenddessen rangieren auf dem Innenhof LKW mit Firmenbeschriftung („eine gute bundesweite Werbung“), die zu ihren festgelegten Routen aufbrechen.

Langsam schweifen seine Augen vom Fenster weg. Das operative Geschäft läuft, und die strategische Unternehmensleitung rückt in sein Sichtfeld:

4. Nachfolge:

Eine Tür gegenüber seinem Schreibtisch verbindet ihn mit Senior- Geschäftsführer Andreas Stichnoth, der den Betrieb in der fünften Generation führt. Ihn hatte Helberg, damals noch Vertriebs- und Marketingbeauftragter bei der HDI-Privatversicherung AG in Hannover, eigentlich nur gefragt, ob Steritex einen Vertriebsleiter suche.

Stichnoth sah dies als Chance, den ehemaligen Göttinger OB-Kandidaten als Unternehmensnachfolger zu gewinnen. Zweieinhalb Jahre werden sie noch gemeinsam wirken, bis Daniel Helberg das Ruder ganz übernimmt.

Sein eigentlicher Blick geht daher ganz klar:

5. nach vorn!