©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sven Grünewald

Das Zentrum für Entrepreneurship feiert Jubiläum: zehn Jahre ZE – eine echte Erfolgsgeschichte. Was als Idee von Professor Bernhard Vollmar begann, ist heute Bestandteil einer umfassenden Gründungsunterstützung an der PFH und in der Region.

Dass man an der PFH Private Hochschule Göttingen ,Gründen kann‘, das wird der Hochschule immer wieder bestätigt: Der Gründungsradar des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft e. V. bewertet jährlich die Gründungsförderung deutscher Hochschulen, und hier konnte sich die PFH in der Kategorie der kleinen Hochschulen bis 5.000 Studierende bereits viermal in den Top-Bereichen platzieren. „Ich bin auch für den aktuellen Radar sehr optimistisch“, betont Bernhard Vollmar, der die Gründungsaktivitäten der PFH leitet. „Es ist ein roter Faden, dass unsere ­Arbeit sehr gut bewertet wird. In der ­Region Süd­niedersachsen sind wir sicher eine feste Größe im Gründungsökosystem.“

Daraus entstanden sind bereits zahlreiche erfolgreiche Start-ups mit Zukunfts­potenzial, wie zum Beispiel der­Carsharing-Anbieter YourCar, die Social-Media-Agentur Lookfamed oder der hygienische und wiederverwen­bare Venen­stauer daisygrip.

Elf Jahre ist es her, dass Bernhard Vollmar den Ruf auf die Professur für Entrepreneurship und Finance der PFH erhalten hat und nach Göttingen kam – die Idee für das Zentrum für Entrepreneurship hatte er gleich mit im Gepäck. 2010 wurde sie dann auch schon umgesetzt. „Seitdem leite ich das Zentrum, das ist meine Passion“, so der Professor für Allgemeine BWL. „Das macht neben der normalen Lehre sehr viel Spaß, weil man seine eigenen Ideen umsetzen und anderen bei ihren Gründungsvorhaben helfen kann.“ Inzwischen ist das ZE die zentrale Institution für Gründung, Innovation, Mittelstand und Unternehmertum an der PFH und auch campusübergreifend am Wissen­schaftsstandort Göttingen engagiert. Das Team um Vollmar besteht aus zehn Mitarbeitern, die selbst schon zum größten Teil eigene Gründungserfahrung haben und die genau wissen, wo der oder die Einzelne Unterstützung braucht.

Stagnation ist der Feind eines jeden Geschäftsmodells, und das gilt auch für die Gründungsunterstützung der PFH, die im Laufe der Zeit kontinuierlich ausgebaut wurde. Die Gründerworkshops über die Entrepreneur­ship School gab es von Anfang an, hinzugekommen sind die Crowd­funding-Beratung und eine zunehmende Verankerung des Entrepreneurship-Gedankens im Studium, indem dort bereits im ersten Semester etwa Design-Thinking-­Workshops angeboten werden. Des Weiteren wird gezielt auf Schulen zugegangen, um bereits Schülern Selbstwirksamkeit und Gestaltungsmöglichkeiten ihrer eigenen Ideen zu vermitteln.

Eine der jüngsten Neuerungen war 2018 der Ideen­beweger, die regionale Crowdfundingplattform, zu der Vollmar bereits eine sehr positive Bilanz ziehen kann. „Wir haben inzwischen von über 4.000 Förderern insgesamt 275.000 Euro an Gründungsunterstützung erreicht, mithilfe derer über 45 Projekte umgesetzt werden konnten. Damit halten wir niedersachsenweit den Spitzenplatz.“ Neu gestartet ist 2020 die Erweiterung des Ideenbewegers: Außer den Themenschwerpunkten Gründung sowie Kunst und Kultur wird mit dem jährlich stattfindenden ,Ideencampus Südniedersachsen‘ nun auch die Zielgruppe Schülerprojekte anvisiert – bei der sich übrigens auch faktor-­Herausgeber Marco Böhme als Botschafter für unternehmerische Ideen einbringt.

Mit ihrer Expertise bringt sich die PFH auch regional über den Südniedersachsen Innovationscampus ein und engagiert sich stark in der Netzwerkarbeit mit den anderen Hochschulen zum Thema Gründung. „Kurz gesagt: Wir sind Ideenschmiede und Projektbeschleuniger“, sagt Vollmar. „Wir wollen Kompetenzen im interdisziplinären, nachhaltigen Wirtschaften vermitteln und dabei alle Perspektiven der Entrepreneurship weit über die Grenzen der Hochschule hinaus abbilden.“

In den bisherigen Zahlen sieht der Leiter den besten Beleg für den Erfolg: 2019 wurden rund 25 Gründungen allein aus der PFH heraus betreut, hinzu kamen Gründungen anderer Hochschulen. Über die zehn Jahre seiner Existenz hat das ZE über 185 Start-ups begleitet. Darunter etwa Max John, ein Alumni der PFH, der zusammen mit einem Kommilitonen das Medien-­Start-up Joofy gegründet hat und noch in den Räumen des ZE-­eigenen Inkubators, dem GO-E-LAB, sitzt. „Wir hatten beide schon immer den Wunsch, etwas Eigenes zu starten, und durch die PFH wurde das befeuert, weil wir viele Praktika machen durften und so eine Menge Einblicke gewinnen konnten“, erklärt John, dankbar für die umfassende Unterstützung. Gerade die Arbeitsräume im ZE seien eine wichtige Hilfe. „Nicht zu vergessen die Netzwerkarbeit der PFH, von der wir profitieren. Und wenn wir Fragen haben, brauchen wir nur einmal über den Flur zu den ZE-Mitarbeitern gehen.“

Einen anderen Weg ging Tim Breker, der zuvor bereits in einem Start-up gearbeitet hat und sich dann mit einer eigenen Idee selbstständig machen wollte. In Göttingen stieß er schnell auf die PFH. Zu schätzen gelernt habe er dort die schnelle und transparente Kommunikation und die Zuverlässigkeit. „Klingt banal, aber bei anderen Stellen war das durchaus nicht immer so.“ Inzwischen sitzt seine Firma Vytal, die Mehrweggeschirr an Gastronomie verleiht, in Köln und verzeichnet ein starkes Wachstum. Doch der Kontakt zur PFH ist geblieben – heute steht Breker als Ansprechpartner für andere Nachwuchsgründer zur Verfügung.

Das ZE – eine Erfolgsgeschichte der stetigen Entwicklung. Und beim Erreichten wolle man nicht stehen bleiben, macht Vollmar klar: „Man kann den Bereich immer weiter entwickeln. Entrepreneurship ist nie langweilig, sondern eine stetige Herausforderung und Daueraufgabe.“