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Text von: Margareta Vogel

Ab dem 45. Lebensjahr sollten Männer regelmäßig zur Prostatakrebs-Vorsorge gehen – und das ausgutem Grund: Je früher der Krebs erkannt wird, umso größer die Heilungs- und Überlebenschancen.

Wer kennt das nicht? In der Verwandtschaft, Bekanntschaft oder im näheren Umfeld trifft es einen Mann mit der Diagnose Prostata­krebs, auch Prostatakarzinom genannt, einem bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse des Mannes. Und doch denken viele, dass es sie selber nicht treffen wird. Dabei stellt der Prostatakrebs neben Lungenkrebs die häufigste Erkrankung des Mannes dar. Pro Jahr werden bundesweit über 63.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Dem Prostatakarzinom kommt damit eine ähnliche Bedeutung zu wie etwa dem Brustkrebs der Frau.
Beide wachsen sehr langsam und sind in der Frühphase ohne klinische Symptome, das bedeutet, dass man oder frau zu Beginn dieser Tumorerkrankung häufig keine Auffälligkeiten bemerkt. Ist das Prostatakarzinom erst tastbar, handelt es sich häufig um ein späteres Tumorstadium. Das Ziel aber muss sein, diesen Tumor früh zu erkennen, da die Früherkennung eine schonendere Therapie und ein höheres Langzeitüberleben erlaubt – je frühzeitiger, umso besser die Heilungschancen.

Männer sollten ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig zur Prostata­krebs-­Vorsorge gehen – und an dieser Stelle kommt den bildgebenden Untersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs die entscheidende Rolle zu. Der behandelnde Urologe wird üblicherweise zusätzlich zur rektalen Tast­untersuchung einen transrektalen Ultraschall durchführen. Dabei wird die Prostata mit einer Sonde über den Enddarm begutachtet. So lassen sich Größe, Gestalt und insbesondere die Binnenstruktur der Vorsteherdrüse sehr gut beurteilen. Ergibt sich hierbei ein auffälliger Befund, so kann der Ultraschall genutzt werden, um die Entnahme von Gewebeproben aus der Prostata zu steuern.

Die Bestimmung des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen) im Blut ergänzt diese Untersuchungen. Das Prostatakarzinom sondert diese Substanz in geringsten Mengen in das Blut ab, sodass es ein Hinweis auf eine erhöhte Aktivität des Prostatagewebes, wie sie auch beim Prostatakrebs vorliegt, sein kann. Trotzdem wird die Sinnhaftigkeit der PSA-Messung in der Früherkennung kontrovers diskutiert, da bei erhöhten Werten einerseits auch Zellveränderungen der Prostata vorliegen können, die nie zu einem Prostatakrebs geführt hätten. Andererseits wird der aktuell steigende Anteil der Diagnostik früher Stadien auf die Bestimmung des Tumormarkers PSA zurückgeführt.

Und was, wenn sie alle – klinische Untersuchung, transrektaler Ultraschall und PSA-Wert – keinen klaren Befund ergeben? Wenn bei erhöhtem Wert eventuell keine Auffälligkeiten der Prostata nachzuweisen sind? Oder die Gewebeentnahme abweichende Befunde zur Folge hat?

Mit der Magnetresonanztomographie, kurz MRT, der Prostata steht ein Verfahren zur Verfügung, das aufgrund technischer und methodischer Verbesserungen insbesondere in den letzten Jahren in der Prostata­diagnostik einen hohen Stellenwert bekommen hat. Der Einsatz von 3-Tesla-Magneten und die Verwendung spezieller Untersuchungsprotokolle ermöglicht hier inzwischen eine exzellente Beurteilung der Prostata und seiner Umgebung. Das Stichwort ist hier das multiparametrische MRT (mpMRT), das natürlich entsprechend der aktuellen Qualitätsstandards durchgeführt werden muss.

Dieses MRT umfasst letztendlich bis zu vier unterschiedliche Messtechniken: Die hochauflösende T2-Messung, die den Flüssigkeitsgehalt abbildet, die diffusionsgewichtete Bildgebung, die Informationen zur Zelldichte gibt, das dynamische kontrastmittelgestützte MRT, das die Blutversorgung innerhalb der Prostata darstellt und die Protonen-MR-Spektroskopie, die Informationen über Stoffwechselvorgänge im Organ aufzeigt. Die Auswertung der multiparametrischen MRT der Prostata erfolgt durch erfahrene Radiologen. Für die Kategorisierung der Befunde gibt ein spezieller PI-RADS-Score in fünf Stufen die Wahrscheinlichkeit an, mit der eine Auffälligkeit in der Prostata bösartig ist oder nicht: von sehr unwahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich.

In Kooperation mit dem Urologen kann das weitere dia­g­nostische Vorgehen in Abhängigkeit von den bisherigen Ergebnissen und dem PI-RADS-Stadium festgelegt werden. Eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Urologie und Radiologie ist hierbei ein wichtiger faktor. ƒ