©Luka Gorjup
Text von: Christian Vogelbein

Wer Porsche hört, erwartet sechs Zylinder im Heck. Doch mit dem neuen und ersten E-Porsche Taycan Turbo wollen die Autobauer aus Zuffenhausen beweisen, dass sie auch elektrisch richtig Power und Geschwindigkeit auf die Straße bringen können. Ob ihnen das gelungen ist, finden wir gemeinsam mit Catering-Unternehmerin und Porsche-Fan Anke Schwanebeck-Reddersen heraus.

Die letzte Sommersonne des Jahres wirft Licht und Schatten auf den Asphalt, die Straßen sind an diesem Abend leer. Gespannt wartet Anke Schwanebeck-­Reddersen bereits am Porsche Zentrum in Göttingen, um die Schlüssel für eine Testfahrt mit dem E-Porsche Taycan Turbo in Empfang zu nehmen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Marco Reddersen führt sie die Streetfood Company in Bovenden. Beide sind seit mehr als 20 Jahren in der Catering-Branche unterwegs, seit fünf Jahren machen sie wahlweise 100 oder 10.000 Menschen satt. Die
Unternehmerin strotzt vor Energie. Gerade kommt sie von einem laufenden Event, klärt am Telefon noch schnell, ob auch ohne sie „der Laden läuft“. Sie hat sich heute extra für den Test ein Plätzchen in ihrem gut gefüllten Termin­kalender freigeschaufelt. Denn auf den Taycan Turbo freut sie sich ganz besonders – die Marke Porsche und die Autos aus Stuttgart­Zuffenhausen haben einen ganz speziellen Platz in ihrem Herzen.

Ganz unbekannt ist ihr das neue Porsche-­Modell zwar nicht, doch mit dem Taycan Turbo sitzt auch sie erstmals in einem Elektroauto. 625 PS Motorleistung, 484 Kilometer Reichweite, von 0 auf 100 in 3,2 Sekunden – diese Zahlen kennt Schwanebeck-­Reddersen bereits auswendig, Euphorie liegt in der Luft. Auch der Preis ist ihr bekannt, ab 150.000 Euro geht es los. „Wenn ich mal im Lotto gewinne …“, sagt sie schwärmend, während sie die Schlüssel entgegennimmt und einsteigt – der Sitz schmiegt sich eng, aber bequem um die Fahrerin.

Dabei hat sie sich vor gut zwei Jahren bereits selbst ihren persönlichen Traum erfüllt und den Kaufvertrag für einen Porsche unterschrieben. „Ich habe mir das immer gewünscht und diese Entscheidung ganz bewusst und für mich getroffen – und genieße es bis heute“, erzählt Schwanebeck-Reddersen. Als Selbstständige arbeite sie teilweise 19 Stunden am Tag. Viel Zeit für Freizeit und Urlaub bleibt da nicht. Umso mehr genieße sie die privaten Momente mit der Familie … – und die Minuten im eigenen Traumauto. Geworden ist es ein Macan – der kleinste SUV der Marke. „Aber ein Porsche!“, sagt sie stolz. Sie liebt den Sound, das Auto, die Leidenschaft, für die die Marke steht. „Damit kann ich mich als ­Macherin sehr gut identifizieren.“

Und genau aus diesem Grund wird der Test heute spannend: Denn mit dem Taycan Turbo macht Porsche erstmals vieles – wenn auch nicht alles – anders. Und ein Elek­tromotor und Ladekabel im Kofferraum ­machen noch lange kein gutes E-Auto.

Die größte Überraschung gibt es gleich zum Start. „Ist der jetzt schon an?“, fragt Schwanebeck-Reddersen. Tatsächlich ist nichts zu hören, nur die Lichter des Autos blinken. Doch ein sanfter Druck aufs Gas­pedal verrät: Ja, er ist definitiv schon an.

Der Fahrer bekommt zwar keine Drehzahl mehr angezeigt, dafür aber in einem Unter­menü am Touchdisplay einen futuristischen – und per Schalter wählbaren – Motorsound. Der ist auf Wunsch angenehm säuselnd oder brachial sportlich. Schwanebeck-Reddersen entscheidet sich ohne Zögern für die Sport­wagen-Variante.

Das kleine Lenkrad liegt gut in der Hand und lässt – wenn gewünscht und notwendig – schnelle Bewegungen zu. „Eindeutig ein Porsche“, sagt Schwanebeck-Reddersen und fällt damit bereits nach kurzer Zeit auf der Straße ihr erstes Zwischenfazit. Der erste kräftige Druck aufs Gaspedal ruft Respekt und Begeisterung zugleich hervor. „Schon ganz ordentlich!“, sagt die Testerin. Geschaltet wird nicht mehr. Die Elektromotoren bewegen den Viertürer mit mehr als 625 PS von der Stelle, per Sport-Start sind es für einen Moment sogar deutlich mehr – auf der Geraden drückt es einen ordentlich in die Sitze. „Porschefahren ist wie auf Schienen fahren“, sagt Schwanebeck-­Reddersen nun wieder entspannt, während sie mit ihrem Fuß den Porsche Electric Sport Sound erneut freudig aufheulen lässt. „Ich kenne kein Auto, das so gut auf der Straße klebt.“

Wie den Ingenieuren das bei einem mehr als zwei Tonnen schweren Sportwagen gelungen ist, bleibt wohl ihr (gut bezahltes) Geheimnis. Denn auch in den engen Kurven der Landstraßen rund um Göttingen gibt sich der Taycan keine Blöße. Im Gegenteil: Kraftvoll und unaufgeregt, aber immer mit etwas Gänse­haut, lenkt die Unternehmerin die Sport-­Limousine über den Asphalt. Die Reichweite hat sie dabei stets im Auge – für Aufregung sorgt diese allerdings nicht. Trotz des Gewichts und trotz der Power an allen vier Rädern bleibt der ,Verbrauch‘ vernünftig. Beim Bremsen fließen ein paar Watt wieder zurück in die Batterien. Geladen wird entweder an der Schnellladesäule oder an der Haussteckdose – zu Hause dauert es allerdings etwas länger. Wer sportlich fährt, braucht erst nach 300 Kilo­metern eine Steckdose. Bevor der ,Tank‘ wirklich leer ist, bekommt der Fahrer entweder Hunger oder Durst.

Beides sind Kernkompetenzen von Anke Schwanebeck-Reddersen. Mit der Streetfood ­Company verkauft sie nicht bloß gedrehte Bratwurst aus dem Anhänger. Wenn Kunden es wünschen, realisieren sie mit dem Team ganze Feste und Märkte für Tausende Festival­besucher oder lässt Firmenfeiern unvergesslich werden. Große Unternehmen wie Mayer Feintechnik, das Weender Krankenhaus oder Goldbeck wissen ganz genau, was sie an den Reddersens haben: „Wir wollen auch schon mal etwas Besonderes bieten und die Besucher mit neuen Dingen begeistern – ­etwas ausprobieren, mutig sein.“

„Optisch spricht das Auto eine ganz klare Sprache: Ich bin ein Porsche, aber aus der Zukunft.“
-Anke Schwanebeck-Reddersen

Mutig ist auch Porsche mit der Entscheidung, die eigenen Werte und Traditionen zu elektrifizieren. Noch nie hat sich ein Auto für Kenner so neu und gleichzeitig so gewohnt angefühlt wie der Taycan Turbo. Das bezieht sich auch auf die Verarbeitungsqualität, die die heutige Testerin überzeugt. Porsche steht neben Sportlichkeit für eleganten Luxus, klare und weiche Linien, die so nur zu einem Sportwagen aus Zuffenhausen passen – und genau das liefert auch der Taycan Turbo kompromisslos. „Optisch spricht das Auto eine ganz klare Sprache: Ich bin ein Porsche“, sagt Schwanebeck-Reddersen, die inzwischen mit kritischen Augen das Innere des Testwagens unter die Lupe nimmt, „aber aus der Zukunft.“ Porsche setzt auf einen modernen Innenraum mit viel Licht, Displays und wenig Schaltern. Feine Details und Linien wie breitere Lufteinlässe und LED-Technik im Licht verraten aber die Blitze im Tank. Anders als die Wettbewerber verwandelt sich das Kraftfahrzeug aber nicht in ein Raumschiff. Der Taycan reduziert sein Gros an Funktionen auf das sportlich nötigste Bedien­element. Der Porsche bleibt ein Porsche: Fast alles lässt sich vom Lenkrad aus bedienen, darunter auch die fünf Fahrstufen, die dem ­Taycan auf Knopfdruck fünf verschiedene ­Gesichter und Stimmen verleihen. Fast jede ­Eigenschaft lässt sich anpassen: Motorensound, Luftfahrwerk, Lichtstimmung. So wird der Elektroflitzer wahlweise ein eleganter Maßanzug oder ein brüllender Supersportler. „Porsche ist einfach ein Lebens­gefühl, das zu jedem passt, der es erleben möchte“, sagt Schwanebeck-Reddersen.

Mittlerweile steht die Sonne tief und rot am Horizont, wir drehen die letzte Runde. Das Fazit ist eindeutig: Mit dem Taycan Turbo ist es den Autobauern von Porsche gelungen, ihre Identität auch auf die neue Generation E-Auto zu übertragen – vor allem, weil sie ihren Werten treu geblieben sind und gleichzeitig mutig genug waren, Neues zu wagen. Festgehalten haben sie dabei an Qualität und Sportlichkeit. Den Rest regeln 625 PS und leidenschaftliche Fans wie Anke Schwanebeck-Reddersen. ƒ

Zum Auto

Modell: Taycan Turbo
Leistung: 460 kW/625 PS
Höchstgeschwindigkeit: 260 km/h
Beschleunigung: 3,2 sek. von 0 auf 100 km/h
Verbrauch: 28 kWh/100 km
CO2: 0 g/km
Preis: ab 153.016 Euro