Text von: Sven Grünewald

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Software für die Unternehmenssicherheit

Die Envioteq Digital Engineering GmbH hat ein Softwaretool entwickelt, um das Management von betrieblichen Abläufen rund um Gesundheits-, Arbeits- und Umweltschutz zu professionalisieren. Für große Unternehmen ist das ein Muss, doch will sich das Göttinger Startup damit auch gezielt an KMU richten.

Die Bodenschwelle in der Kfz-Werkstatt, die leicht zur Stolperfalle werden kann, das kleine Labor mit wenigen Mitarbeitern, aber vielen Gefahrstoffen – es sind nicht nur Großkonzerne, die der Themenbereich Environment, Health und Safety, kurz EHS, betrifft. Auf Deutsch: Umweltschutz, Gesundheitsschutz und Sicherheit sind in jedem Unternehmen relevant, insbesondere aufgrund komplexer rechtlicher Rahmenbedingungen.

Und während große Unternehmen sehr oft ein professionelles Arbeitsschutzmanagement haben, unter anderem auch, weil der Nachweis entsprechender Maßnahmen für Audits wichtig ist, bestehen gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen deutliche Lücken. „Dort merken wir immer wieder, dass das Thema stark vernachlässigt wird“, so die Erfahrung von Bjarne Hufenbach, der zusammen mit Sebastian Litfin die Envioteq Anfang 2020 gegründet hat. „Oft ist nicht bewusst, wie sehr selbst Kleinigkeiten im Schadensfall ein großes Problem werden können, weil der Unternehmerhaftet. Was wir in Gesprächen aber oft hören, ist: Wir machen das schon seit 80 Jahren so und nie ist etwas passiert. Warum sollten wir jetzt etwas ändern?“ Anders als bei den großen Unternehmen, gibt es für KMU kaum einen Handlungsdruck von außen. „Es guckt halt keiner hin“, so Hufenbach.

Hinzu kommt die Preisfrage. Professionelle Softwarelösungen kosten schnell einen vierstelligen Betrag pro Monat – gerade für kleine Unternehmen rentiert sich das schlicht nicht. Von daher wird als Notlösung mitunter auch mit einer schlichten Exceltabelle im Unternehmen gearbeitet.

Der Strauß der Aufgaben ist mitunter breit gefächert: Sicherheitsrisiken identifizieren, arbeitsschutzrechtliche Auflagen erfüllen, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten, Betriebsanweisungen herausgeben, Handhabung von Gefahrstoffen, Rechts- und Normkonformität der Prozesse. Für Gefahrstoffe ist beispielsweise ein Gefahrstoffkataster zu führen, in dem alle Gefahrstoffe aufgelistet sein müssen; ergänzend muss eine Gefährdungsbeurteilung für den Umgang mit den Stoffen durchgeführt werden.

Es ist diese Komplexität, die Hufenbach und Litfin mit ihrer Software adressieren. Das erklärte Ziel: „Wir digitalisieren arbeitsschutzrechtlich relevante Prozesse im Unternehmen und vereinfachen damit die Handhabung, weil die Software auch für Fachfremde selbsterklärend ist und sie sich an die kontinuierlich verändernden rechtlichen Vorgaben anpasst“, so Litfin. Und noch etwas ist ihnen wichtig: „Wir setzen auf volle Preis- und Leistungstransparenz.“

Konkret heißt das, dass Envioteq online einen Preiskalkulator sowie eine Testversion hat, die von jedem Interessenten genutzt werden kann. „Ein Unternehmen kann sich da einmal komplett selbst durchtesten und schauen, ob die Software einen Mehrwert bringt“, sagt Hufenbach. „Im Preis sind wir so weit heruntergegangen, dass die günstigste Version bei 19,99 Euro monatlich beginnt. Damit wären selbst kleine Labore mit 25 Mitarbeitern, die mit Gefahrstoffen arbeiten, ein potenzieller Kunde.“ Und weil sich die Firma gut mit prozessunterstützender Software auskennt, gibt es für kleinere Unternehmen interessante zusätzliche Software kostenlos zum Abo dazu: „Aktuell ist das ein Programm für Projektmanagement und eines für Personalmanagement.“

Erste wichtige Erfolge und die richtige Strategie

Erreicht wird die sehr niedrige Kostenstruktur dadurch, dass Envioteq auf sehr schlanke Strukturen setzt: Weil die Software vollautomatisch läuft und das System selbsterklärend ist, kann der Vertrieb den Kundensupport mit übernehmen. Der Hauptfokus des Envioteq-Teams liegt daher auf Vertrieb, der Weiterentwicklung der Software und das Erschließen weiterer Unternehmensprozesse mit ähnlichen Softwarelösungen. Nachdem das System für den Bereich Arbeitsschutz läuft, sollen demnächst Systeme für Umwelt- und Energiemanagement, Nachhaltigkeit sowie für den Datenschutz hinzukommen.

Inzwischen vermarktet Envioteq seine Software aktiv und konnte damit bereits einige Großkunden gewinnen. Zehn Mitarbeiter sind inzwischen für das Startup tätig, weitere werden gesucht. Doch die Vorlaufzeit war lang. Nach der Gründung im Januar 2020 musste die Software für eine nachhaltige Nutzbarkeit stark weiterentwickelt werden, wofür sich Hufenbach und Litfin viel Zeit genommen hatten, auch, um das wertvolle Feedback ihrer Investoren mit zu berücksichtigen.

Für Bjarne Hufenbach reicht die Geschichte jedoch noch weiter zurück, da Arbeitssicherheit ein Schwerpunkt der Unternehmensberatung seines Vaters ist. „Meine erste Gefährdungsbeurteilung habe ich mit zwölf geschrieben – während meines Praktikums in den Ferien. Ich fand und finde den Bereich absolut faszinierend, weil man in jeden Produktionsschritt reingucken kann und das in allen Branchen.“

Bjarne Hufenbach, Gründer & Geschäftsführer Envioteq GmbH

In den 90er Jahren hatte Hufenbachs Vater auch schon eine erste Software für den Arbeitsschutz entwickelt, diese aber nie aktiv vertrieben. Das versuchte Bjarne Hufenbach dann während der Schulzeit mit seinem ersten Startup und einer modernisierten Version der Software. „Das hat aus verschiedenen Gründen nicht geklappt, aber die Idee hat mich nicht losgelassen.“

Vom Nachbarn zum Gründungs- und Geschäftspartner

Der Kontakt zu Sebastian Litfin, für den die Programmierung von Apps und Netzwerken seit der Schulzeit ein Hobby darstellte, entstand zufällig. „Wir haben nebeneinander gewohnt und er hat eines Tages ein Paket bei mir abgeholt, wir sind ins Reden gekommen und so sind wir dann am Ende bei Envioteq gelandet“, erzählt Hufenbach.

Sebastian Litfin, Gründer & Geschäftsführer Envioteq GmbH

Inzwischen sei auch der Zeitgeist anders. „Vor fünf Jahren war es noch schwierig, überhaupt eine Software wie die unsere an den Mann zu bringen“, so Litfin. „Doch es wandelt sich; in vielen Unternehmen passiert ein Generationenwechsel, verbunden mit einer deutlich größeren Aufgeschlossenheit gegenüber Veränderungen und neuen technischen Lösungen.“ Und Hufenbach ergänzt: „Wir merken definitiv einen frischen Wind im Markt.“ Einfacher, aber nur bedingt einfach ist die zu leistende Überzeugungsarbeit geworden. Doch die Gründer sehen die zahlreichen Vorteile ihrer Software und den Erfolg in der Anwendung.

Und sie können entspannt sein. „Wir haben jetzt mit der zweiten Finanzierungsrunde eine Series A Finanzierung eingeworben“, sagt Litfin. „Damit wollen wir vernünftig wachsen.“ Vorrangig gehe es nun darum, einen Vertrieb aufzubauen und mit großen Bestandskunden neue Systeme zu entwickeln. „Wir versuchen aber auch, unseren Fokus mehr auf mittelständische Unternehmen zu richten, weil wir gemerkt haben, dass da die meisten Probleme mit dem Arbeitsschutz bestehen.“

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