Zwischen Krügen und Scherben

© Noreen Hirschfeld
Text von: Noreen Hirschfeld, redaktion

Eine Zeitreise durch die Töpferkunst – ein Jahr KERAMIK.UM in Fredelsloh

Ein wenig aufgeregt schaut Johannes Klett-Drechsel während der Führung durch das KERAMIK.UM in der Gegend umher.

„Ich bin heute etwas unkonzentriert und möchte am liebsten schnell wieder an den Brennofen“, erklärt der Vorsitzende des Fredelsloher Geschichts- und Heimatvereins und Hauptinitiator des Ausstellungs- und Aktionshauses mit sichtlicher Vorfreude.

Denn heute werden die 600 Keramiken – die wie vor 750 Jahren drei Tage bei bis zu 1.200 Grad Celsius gebrannt wurden – aus dem mittelalterlich rekonstruierten Brennofen entnommen. Ein alljährliches Ereignis, das von dem vor einem Jahr eröffneten KERAMIK.UM in dem kleinen Töpferdorf Fredelsloh veranstaltet wird.

„Als Keramik werden aus verschiedenen Rohstoffen gefertigte Gegenstände bezeichnet, die im Brennofen gehärtet werden“, erläutert Klett-Drechsel, der seit 40 Jahren als Töpfer arbeitet, während die Besucher zwischen Krügen, Töpfen und Scherben aus den mehreren Jahrhunderten umherschlendern.

Neben den Führungen werden in der voll funktionstüchtigen Werkstatt mit den drei Drehscheiben auch Töpfer-Seminare angeboten. I

m Jahr 2005 erhielt der Verein das Haus von Hedi Kupfer als Teil einer Stiftung, um darin das schon lang ersehnte Museum umzusetzen. Sechs Jahre habe es von der Antragstellung für die Zuschüsse bis zur Fertigstellung des KERAMIK.UMs gedauert, erklärt Klett- Drechsel.

Im Juni 2011 hat das Ausstellungshaus seine Pforte geöffnet, mehr als 3.000 Besucher begaben sich seither auf eine ,Zeitreise‘ durch die Geschichte der Töpferkunst in Fredelsloh.

Eine lange Tradition

Das Töpferdorf blickt auf eine lange Tradition zurück – bereits um 1200 entstanden die ersten Töpfereien. „Fredelsloh ist eines der wenigen Töpferdörfer, das heute noch eigene Tongruben hat – dieselben wie im Mittelalter“, erzählt Klett-Drechsel stolz.

Von der Mitte des 13. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Töpfereien – damals zwischen 13 und 15 an der Zahl – ihre Hochphase.

Die rote Farbe des Fredelsloher Tons, die aufgrund des hohen Anteils an Eisenoxid entsteht, entsprach aber nicht immer dem Modegeschmack und erschwerte es den Töpfern zeitweise, ihre Produkte auf den Markt zu bringen.

„Mit dem Aufkommen der Glasuren konnten die Töpfer ihre Waren aber dem Zeitgeist anpassen“, erzählt er weiter und führt die Besucher in den nächsten Raum mit dem bemalten Geschirr. Heute existieren noch sechs Töpfereien in Fredelsloh, die auch für Besucher geöffnet sind.

Und auch sonst hat das gemütliche Dorf einiges zu bieten. Mit einem Besuch im KERAMIK. UM, einer Klosterführung – die von der Touristikinformation angeboten wird –, einem Besuch bei den Kunsthandwerkern und einem Spaziergang in den Naturschutzgebieten rund um das Dorf ist ein Tagesausflug gefüllt.

Der Rundgang ist beendet, und Klett- Drechsel scheint etwas erleichtert, sich endlich seinen Keramiken widmen zu dürfen.

Er kriecht in den etwa sechs Meter langen Ofen und bringt behutsam einen Krug nach dem anderen zutage, um ihn dann eingängig zu betrachten: Der Brand ist geglückt – so wie bereits schon vor 750 Jahren.