Zurück in die Zukunft

© Alciro Theodoro Da Silva
Text von: Tobias Kintzel

Im Frühjahr 2013 startete in Einbeck das ehrgeizige Projekt “Rückkehrförderung“. Zeit für eine erste Bilanz.

Ich wollte und konnte einfach nicht hinnehmen, dass meine Heimatstadt Einbeck als Verlierer des demografischen Wandels dasteht“, erklärt Heidrun Hoffmann- Taufall ihr Engagement für das Projekt Rückkehrförderung, das im Februar 2013 mit einer gut besuchten Auftaktveranstaltung startete. „Ein wenig Eigennutz ist auch dabei. Ich möchte hier in einer lebens- und liebenswerten Stadt alt werden.“ Mit den Themen demografischer Wandel, Fachkräftemangel und Abwanderungsbewegungen aus der Region setzt sich Hoffmann- Taufall seit Jahren auf mehreren Ebenen auseinander – als Kommunalpolitikerin und Ratsfrau der Stadt Einbeck und im Beruf als Coach, Trainerin und Demografieberaterin. Und nun auch als Initiatorin und Vorsitzende des neu gegründeten interfraktionellen Arbeitskreises. „Wir wollen uns dem Trend entgegenstellen, die Entwicklung abfedern.“ Die Blaupause für das Projekt sind ähnliche, zum Teil bereits langjährig laufende Programme aus den neuen Bundesländern. Entscheidend für den Ansatz ist: Einbeck wird nicht in den Wettbewerb um das gesamte, bundesweit verfügbare Fachkräfteund Arbeitskräftepotenzial eintreten – dazu sind auch der finanzielle Spielraum als die Erfolgsaussichten zu gering. „Wir wollen Menschen ansprechen, die Einbeck bereits kennen oder im Idealfall sogar hier ihre familiären Wurzeln haben. Das ist wie eine Warmakquise“, betont Hoffmann-Taufall.

Um nicht in blinden Aktionismus zu verfallen, wurden sechs Studierende des Masterstudiengangs Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung der Hochschule HAWK in Göttingen unter Leitung von Jörg Lahner von der Fakultät Ressourcenmanagement eingebunden. Lahner erklärt: „Die Voraussetzungen einer wissenschaftlichen Befragung der potenziellen Rückkehrer in Einbeck waren mit der gezielten Adressierung eines speziellen Themas und einem sensibilisierten Umfeld interessant für uns.“ Das Interesse galt den Fragen, was die se Menschen antreibt, warum oder warum sie nicht nach Einbeck zurückkehren würden und nicht zuletzt, ob die Bindung und die Identifikation mit Einbeck vorhanden ist.

„Wir haben keinerlei Defizit festgestellt. Im Gegenteil. Die Identifikation ist ungebrochen da. Das ist ein Schatz“, fasst Lahner zusammen. Eine weitere Erkenntnis: Unter dem Strich zählen die Arbeitsmöglichkeiten. Weiche Standortfaktoren wie das Kultur-, Bildungs- und Freizeitangebot sind unabdingbare Grundvoraussetzung. „Entscheidend sind die beruflichen Perspektiven für den Rückkehrenden und den Lebenspartner“, macht Lahner unmissverständlich klar. „Erfolg hat das nur, wenn Kirchturmdenken keinen Platz hat. Einbeck muss als Region, nicht als Stadt Einbeck gedacht werden.“ Nun gilt es, Transparenz zu schaffen über die beruflichen Aussichten und dabei große und kleine Unternehmen in einem ausgewogenen Verhältnis ins Boot zu holen. Nicht weniger wichtig sei, die Einbecker Bürger zu Botschaftern für die Rückkehrförderung zu machen: „Sie haben den Kontakt zu potenziellen Rückkehrern, können zu Multiplikatoren werden.“ Heidrun Hoffmann-Taufall und Jörg Lahner sind sich einig, dass der Start vielversprechend war. „Es kommt jetzt darauf an, realitätsnahe Ziele zu verfolgen und einen langen Atem zu beweisen“, so Lahner. „Die breite Basis ist beeindruckend, die Weichen sind gestellt.“