Zu Gast im EKW

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Text von: redaktion

Auf Einladung der Pflegedirektorin des Ev. Krankenhauses Göttingen-Weende, Susann Börner, war die Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen, Sandra Mehmecke, Ende Juli zu Gast in der Göttinger Klinik. Im Rahmen des wöchentlich stattfindenden internen Pflegeforums stellte sie die Pflegekammer vor und beantwortete Fragen zum aktuellen Stand der Dinge.

„Wir brauchen eine starke Selbstvertretung in Form der Pflegekammer“, sagte Mehmecke vor den rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – hauptsächlich aus der Pflege. Problem sei, dass es ein unterschiedliches Verständnis zum Berufsbild der Pflege gebe. Eine der Hauptaufgaben der Pflegekammer liege daher darin, ein einheitliches Verständnis zu schaffen. Als Beispiel nannte sie, dass sich auch Altenpflege-Lehrkräfte der Pflege zugehörig fühlen müssten, und sich nicht primär als Pädagogen sehen.

Auf eine kritische Anmerkung aus dem Publikum, dass die Pflegekammer ein Kontrollorgan sei und keinen Einfluss hätte, konterte Mehmecke: „Wir haben sehr wohl Einfluss in diversen Gremien, auf Landes- und Bundesebene. Sie wären entsetzt, wenn Sie mitbekämen, was Politiker von der Pflege verstehen“, sagte sie an die EKW-Pflegekräfte gerichtet. „Wir möchten der Pflege eine deutlich hörbare Stimme geben.“

Wichtig sei es, so Mehmecke, erst einmal eine Akzeptanz für die Pflegekammer zu erreichen. Und: Es sei nicht einfach, gegen falsche Behauptungen vorzugehen, die sich in den Köpfen von vielen Pflegekräften festgefahren haben. „Ich kann Ihren Frust verstehen, ich bin selber frustriert. Aber wir haben mit der Kammer ein Instrument, dagegen vorzugehen.“ Die Pflegekammer sei kein Gängelungsinstrument für die Pflegekräfte, vielmehr werde sie helfen, eine adäquate Berufsordnung zu erstellen. „Es geht darum, die Zukunft des Pflegeberufes zu gestalten“, sagte die Präsidentin. „Wir sind da, um die Situation in der Pflege zu verbessern.“

Aus dem Publikum kam die Kritik, dass die Kommunikation seitens der Pflegekammer schlecht sei: „Grundsätzlich ist die Kammer eine gute Sache, aber der Start war schlecht“, hieß es von einer Pflegekraft. Damit gemeint war das Versenden der Beitragsbescheide Ende 2018. Pflegedirektorin Susann Börner warb dafür, die Pflegekammer zu unterstützen. „Hätte es die Pflegekammer vor zwanzig Jahren gegeben, wäre die Situation in der Pflege, wie wir sie heute erleben, nicht so gravierend.

Die Pflegekammer Niedersachsen ist die Kammer für die Heilberufe in der Pflege für rund 80.000 Pflegefachpersonen in Niedersachsen. Als Körperschaft öffentlichen Rechts soll sie gesetzliche Aufgaben auf der Grundlage des Kammergesetzes für die Heilberufe in der Pflege (PflegeKG) übernehmen. Die Errichtung wurde auf Initiative der niedersächsischen Landesregierung im Dezember 2016 beschlossen und trat ab 1. Januar 2017 in Kraft. Die Angehörigen der Heilberufe in der Pflege sind gemäß § 2 PflegeKG verpflichtend Mitglied der Landespflegekammer, sofern sie ihren Beruf in Niedersachsen ausüben, und müssen hierfür einen Mitgliedsbeitrag zahlen. Dieser wird im Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende derzeit durch den Arbeitgeber übernommen.

Damit ist die Pflegekammer Niedersachsen nach der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz und der Schleswig-Holsteinische Pflegeberufekammer die dritte deutsche Pflegekammer. Neben der berufspolitischen Vertretung gehört es zu den Aufgaben der Pflegekammer, die Qualität der pflegerischen Berufsausübung sicherzustellen sowie sich um die Weiterbildung und die Einhaltung ethisch-moralischer Grundsätze zu kümmern.