Zonta Göttingen unterstützt den Frauen-Notruf

v.l.n.r.: v.l.: Isabelle Rosentreter, Ute Eichhorn-Gödecke, Claudia Meise und Claudia Weitemeyer
Text von: redaktion

Der Zonta Club Göttingen, ein Service-Club berufstätiger Frauen, hat erneut den Frauen-Notruf Göttingen finanziell unterstützt. Mitglieder des Göttinger Clubs übergaben an Claudia Meise vom Beratungs- und Fachzentrum für sexuelle und häusliche Gewalt, Frauen-Notruf, einen Scheck in Höhe von 4.000 Euro.

Fast 30 Prozent mehr Frauen haben sich seit März 2020 aufgrund von akuter Betroffenheit durch häusliche Gewalt hilfesuchend an den Frauen-Notruf gewendet. Claudia Meise von der Hilfsorganisation ist sich sicher: „Das ist nur die Spitze vom Eisberg. Die Dunkelziffer wird viel höher sein, denn vielen Frauen fehlt der Mut, sich Hilfe zu suchen und die Pandemie hat mit der Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus für die Betroffenen eine weitere Hemmschwelle aufgebaut.“ Außerdem erhielt der Notruf 18 Prozent mehr Polizeiprotokolle zu häuslicher Gewalt an Frauen zur Kenntnis und 26 Prozent mehr Bezugspersonen im Umfeld der Gewaltbetroffenen gaben Hinweise zu ihren Beobachtungen. In knapp 1.000 Fällen im  Erwachsenenbereich leistete der Frauen-Notruf in 2020 Hilfe und Unterstützung. Meise berichtet weiter: „Etliche Frauen haben uns erzählt, dass sie während der Pandemie nicht raus können, da der Mann permanent in der Wohnung anwesend ist und sogar mit zum Einkaufen geht. Beratungstelefonate mussten häufiger abgebrochen werden, weil der gewalttätige Mann plötzlich wieder auftauchte.“ Also mussten schnell Möglichkeiten geschaffen werden, den Betroffenen weitere Kanäle für die Beratung anzubieten und natürlich mussten die Beratungszeiten ausgeweitet werden. Kurzerhand wurde eine Chat-Kommunikation über den Messenger-Dienst ‚Signal‘ und um die Angsthürde vor einer Corona-Infektion zu nehmen, Video-Beratungen mit Zoom angeboten.

Die geforderten Beratungsthemen reichten von Gewalt in der Partnerschaft, weil viele Männer in der Enge des Lockdowns die Kontrolle und Freiheitsbeschränkungen für ihre Frauen verschärften und dann die Gewalt oftmals eskalierte. Auch Stalking-Fälle, zumeist durch den Ex-Partner, wurden gehäuft angezeigt. Psychische und physische Gewalt im Rahmen von Umgangs- und Sorgerechtsregelungen nach Partnerschaftsgewalt, digitale Gewalt sowie sexualisierte Gewalt nach Verabredungen über Social MediaKanäle sind weitere Brennpunktthemen.

Der Frauen-Notruf finanziert sich durch Fördermittel des Landes Niedersachsen, die Stadt und den Landkreis Göttingen sowie Eigen- und Drittmittel wie z.B. Spenden.

Die Spende des Göttinger Zonta Clubs wird für vielfältige Themen eingesetzt. Sie reichen von der Finanzierung einer neuen Sicherheitstür nach einem Einbruchsversuch in die Beratungsstelle, über die weitere Anschaffung von FFP2-Masken und Corona-Schnelltest-Kits bis hin zu Plexiglasscheiben und Raumluftfilter für die Sicherheit bei persönlichen Beratungsgesprächen. Auch werden immer wieder Gelder für die unbürokratische Auslage von Fahrt- und Verpflegungskosten für Betroffene benötigt. Und aktuell entsteht außerdem gerade eine neue multilinguale und barrierefreie Website, für die Übersetzerleistungen in diversen Sprachen eingekauft werden müssen.

Der Zonta Club Göttingen konnte trotz Corona mit zwei ganz besonderen Benefiz-Aktionen in 2021 Gelder einnehmen. So organisierte der Club erstmalig die Aktion ‚Valentinsengel‘ – Im Vorfeld des Valentinstages konnte beim Club für einen lieben Menschen ein Geschenkset aus einem Sortiment ausgewählt und gekauft werden. Die Zontians schwärmten dann am 14. Februar aus und lieferten die Überraschung an die Empfänger Coronakonform quasi kontaktlos aus. Das Hotel Freigeist Göttingen erhöhte mit einem großzügigen 100 Euro-Gutschein, der im Anschluss verlost wurde, den Anreiz für eine Beteiligung an der Aktion.

Weitere Gelder konnten über ein Strickprojekt eingesammelt werden. Sowohl Zontians, als auch Freunde im Umfeld der Clubmitglieder, nutzten die Winterabende des Corona-Lockdowns und strickten Mützen, Schals, Topflappen, Kindersachen und kleine Püppchen. Die Inhaberin von Kerstin’s Wollmeer in Bovenden verkaufte die Strickprodukte dann zugunsten von Zonta in ihrer Boutique. Die aktuelle Präsidentin des Göttinger Clubs, Claudia Weitemeyer, erzählt: „Unsere ganzen geplanten Benefiz-Aktionen für das letzte Jahr sind ja Corona zum Opfer gefallen und auch dieses Jahr mussten wir viele Vorhaben absagen. Deshalb hat es uns natürlich riesig gefreut, dass wir mit diesen beiden Aktionen so eine tolle Resonanz und echt nette Rückmeldungen erhalten haben.“ Mehr als 50 Prozent der Spende stammen aus diesen beiden Charity-Projekten. Die andere Hälfte kommt aus den Einnahmen des Benefiz-Kleidermarktes in 2020, der kurz vor dem Lockdown noch durchgeführt wurde.