Ziel Peking

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Text von: redaktion

Der Sportschütze Stefan Rüttgeroth hat die Olympischen Spiele in Peking im Visier – und die nächsten Ziele schon vor Augen.

Wenn man aus einer sportbegeisterten Familie kommt, ist es oft der Fall, dass man selber auch irgendwann die jeweilige Sportart betreibt. So war es auch bei Stefan Rüttgeroth. Sein Großvater Kurt gründete den Wurftaubenclub Gieboldehausen und war zudem begeisterter Jäger, genau wie Rüttgeroths Vater Werner, der Sohn Stefan im Alter von 13 Jahren das erste Mal zum Tontaubenschießen mitnahm. Schnell entwickelte der heute 27-Jährige Spaß an der Sportart. Das Talent hatte er auch. Deshalb fuhr sein Vater mit ihm auch gleich zu den Landesmeisterschaften, die er prompt gewann und sich somit für die Deutschen Meisterschaften qualifizierte. Dort hatte er das große Glück, vom deutschen Jugendbundestrainer entdeckt zu werden.

Aufgrund der ersten Erfolge blieb Stefan Rüttgeroth dem Schießen treu und entwickelte einen immer größeren Ehrgeiz. In der Jugend wurde er so zu einem der besten deutschen Schützen und sorgte auch auf internationaler Ebene für Furore: Nachdem er sich den Titel bei der Junioren-Europameisterschaft 1998 mit neuem Weltrekord gesichert hatte, belegte er im selben Jahr auch bei den Weltmeisterschaften einen hervorragenden vierten Platz.

Der Übergang zu den Herren fiel ihm dafür merklich schwerer, was auch daran lag, dass er 2003 einen Autounfall hatte und sich deswegen längere Zeit nicht dem Sport widmen konnte.

Umso erstaunlicher war für ihn selbst, dass er es verhältnismäßig schnell geschafft hat, sich zu rehabilitieren und in Kairo mit dem Gewinn des Weltcups 2006 seinen ersten internationalen Titel bei den Herren feiern konnte. Mit diesem Sieg begann dann auch der Marathon zur Qualifikation für die Olympischen Spiele. Denn nicht nur, dass er sich im vorolympischen Jahr auf internationaler Ebene für den Olympia-Kader empfehlen musste, wie es der Deutsche Schützenbund (DSB) fordert, auch im olympischen Jahr selbst musste er bei internationalen Wettkämpfen den Nachweis über sein Können führen, um vom DSB nominiert zu werden. So fordert es der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Dies schaffte er jedoch mit Bravour und setzte sich souverän gegen seinen Konkurrenten René Damme durch.

Ganz spurlos ist dieser Ausscheidungswettkampf zu Beginn des Jahres aber nicht an ihm vorübergegangen. „Die Stimmung im Team war gereizt. Wir sind uns zunehmend aus dem Weg gegangen“, erzählt Rüttgeroth. Außerdem habe er wesentlich schlechter geschlafen und er übt Kritik an dem Modus: „Karsten Bindrich und ich waren in den letzten vier Jahren die Stärksten. Es wäre unfair gewesen, wenn einer von uns beiden nicht dabei gewesen wäre.“

Nun beginnt aber immer mehr die Vorfreude über die Teilnahme an den Spielen zu überwiegen, bevor es dann in die entscheidende Vorbereitungsphase geht und die Anspannung langsam wieder zunimmt. Denn auch wenn es wahrscheinlich nicht für einen Medaillenrang reichen wird („Dafür müsste ich schon einen sensationellen Tag erwischen“), so genügt dem Gieboldehausener auch nicht allein die Teilnahme im Sinne des Olympischen Mottos „Dabei sein ist alles“. „Ich will mich auf jeden Fall gut platzieren“, sagt Stefan Rüttgeroth.

Dass er sich überhaupt so intensiv den Sport konzentrieren kann, hat er mehreren Faktoren zu verdanken. Zum einen kann er momentan das Trap-Schießen, das er selbst als zeitaufwändiges Hobby bezeichnet und bei dem für ihn am Ende nicht mehr als ein Taschengeld rauskomme, gut mit seiner Arbeit bei dem Unternehmen Carl Zeiss Micro-Imaging verbinden. Von diesem werde er hervorragend unterstützt: Die Arbeitstage, an denen er fehle (in diesem Jahr ist er alleine 50 Tage im Ausland) werden dem Unternehmen von der Deutschen Sporthilfe erstattet. Auch um Sponsoren für seine Waffen und die Munition muss sich Stefan Rüttgeroth keine Sorgen mehr machen. Nachdem feststand, dass er sich für Olympia qualifiziert hat, wurden auch große Waffen- und Munitionsfirmen auf ihn aufmerksam und sponsern ihn nun.

Da Sportschützen noch mit 35 bis 40 Jahren Top-Leistungen bringen können, möchte der Hobbyjäger auch weiterhin Leistungsschießen betreiben. Seine Ziele für die Zukunft hat er sich schon gesteckt: Bei der WM in München in zwei Jahren will er ebenso dabei sein wie bei den nächsten Olympischen Spielen 2012 in London. Um das zu realisieren, sagt Rüttgeroth, müsse er nicht nur weiterhin seine Leistung bringen, sondern auch noch einige Überzeugungsarbeit bei seinem Arbeitgeber leisten.

Zur Person

Der 27-jährige Sportschütze Stefan Rüttgeroth konnte sich Anfang des Jahres für die Olympischen Spiele in Peking in der Disziplin Trap qualifizieren. Hierbei versucht der Schütze, mit Schrot eine Wurfscheibe mit zwölf Zentimetern Durchmesser zu treffen, die nach einem Abrufsignal in einem zufälligen Winkel vom Schützen wegfliegt. Ein Durchgang besteht dabei aus 25 Scheiben, die nacheinander getroffen werden müssen. Heimische Fans können ihm am 9. und 10. August bei Olympia die Daumen drücken.