Zeit zu handeln

© PFH Private Hochschule Göttingen
Text von: Stefan Liebig

Der demografische Wandel ist angekommen – so das Ergebnis einer Studie der PFH Göttingen zum Thema “Betriebliches Gesundheitsmanagement“ in Südniedersachsen.

Die Deutschen werden immer älter. Wir als Vertreter der Y-Generation müssen daher wahrscheinlich länger arbeiten. Daher sollten auch die Unternehmen ein Bewusstsein für die Gesunderhaltung der Belegschaft entwickeln“, sagt Ramona Nagel und erklärt damit die Motivation ihrer Forschungsgruppe, eine Studie zum Thema ‚Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)‘ für die Region zu erstellen. Mit ihren drei Kommilitonen aus dem Bachelor- Studienfach Business Administration an der PFH Privaten Hochschule Göttingen, Louissa Tahnee Ropeter, Jana Drews und Maximilian Schmedt, erforschte Nagel, ob der demografische Wandel bereits die Unternehmen in Südniedersachsen erreicht hat.

Die Fünftsemester entwickelten einen Fragebogen, in dem sie auf verschiedene Bereiche des BGM eingingen. 241 große und kleine Unternehmen aus den Bereichen Dienstleis tungen und Industrie sendeten die ausgefüllten Fragebögen zurück und übertrafen damit alle Erwartungen: „Wir hatten vielleicht mit 60 Antworten gerechnet“, erklärt Nagel begeistert. Die Studiengruppe hatte so zwar deutlich mehr Arbeit als geplant, kann dafür aber wesentlich aussagekräftigere Ergebnisse vorweisen.

Bemerkenswert aus der Sicht der Studiengruppe war vor allem die Tatsache, dass bereits fast die Hälfte der Unternehmen (42 Prozent) schriftliche Grundlagen für das BGM erstellt haben und sich auch bereits viele kleinere Unternehmen intensiv mit dem Thema befassen. Zudem stellte sich heraus, dass inzwischen in über drei Vierteln der Unternehmen erfolgreich auf Gleitzeitmodelle gesetzt wird, Arbeitsplatzrotation bieten allerdings nur rund ein Viertel der Befragten an. Auch das Thema gesunde Ernährung gewinnt an Bedeutung: Dort, wo es Kantinen gibt, wird zunehmend auf die gesunde Zubereitung der Mahlzeiten und Angebote für Vegetarier (38 Prozent) und Veganer (9 Prozent) geachtet. 18 Prozent der Unternehmen gaben sogar an, ihre Mitarbeiter mit Boni für sportliche Aktivitäten zu belohnen. „Es wird schon viel getan, aber wichtig ist, nicht nur das Problemfeld zu erkennen – sondern auch zu handeln“, mahnt Ramona Nagel. Gerade im gesundheitlichen Bereich müssten die Unternehmen auf die unterschiedlichen Anforderungen von jüngeren und älteren Mitarbeitern achten, denn schließlich steige das Erkrankungsrisiko ab dem 45. Lebensjahr erheblich an – während noch ein großer Teil des Berufslebens bevorsteht. Daher bieten 54 Prozent der Befragten bereits altersabhängige Vorsorgeangebote wie etwa Krebsvorsorgeuntersuchungen oder Grippeimpfungen an. Auf den alltäglichen Stress reagieren allerdings noch nicht sehr viele. Hier wäre sicher eine Steigerung des Angebots für Stressbewältigung – etwa mittels Seminaren – angesagt, das bislang erst 45 Prozent der Unternehmen auf der Agenda haben. Auch Umschulungen für ältere Mitarbeiter sollten mehr als 22 Prozent der Unternehmen in Betracht ziehen. Wichtig erscheint es dem Forschungsteam, die BGM-Maßnahmen auch in der Belegschaft zu kommunizieren, was bislang erst bei 60 Prozent der Unternehmen der Fall ist.

Dennoch interpretieren die Nachwuchsforscher die Ergebnisse dahingehend, dass der demografische Wandel in der regionalen Unternehmenswelt angekommen ist und das Thema zunehmend mehr Bedeutung einnimmt – wenngleich nur 29 Prozent der Unternehmen mit einem festen Budgetposten für das BGM planen und zwar 85 Prozent der Unternehmen den Wandel wahrnehmen, aber nur 65 Prozent darauf bereits reagieren.

Im Rahmen des dritten Demografietages der PFH präsentierten die Studenten Mitte November die Ergebnisse vor einem großen Plenum. Die Reihe der Demografietage ist eine Idee der Leiterin der Abteilung Fernstudium Antje-Britta Mörstedt. Für sie ist der demografische Wandel „eines der Topthemen in unserer Gesellschaft“, und daher bietet sie den Studenten mit solchen Projekten die Möglichkeit, einen Aspekt aus dem Themenbereich Demografie ausführlich zu behandeln und nach Beendigung vor einem großen Publikum zu präsentieren. Ein kompletter Veranstaltungstag war so dem Thema BGM gewidmet und bot Vorträge von Vertretern der Demografieagentur, des AOK-Instituts für Gesundheitsconsulting, der Techniker Krankenkasse und last but not least der PFHStudiengruppe, die gemeinsam mit Dorothea Tacke, Personalleiterin der Refratechnik in Göttingen, über die Studienergebnisse ihres Projektes sprachen.

Über 80 Unternehmensvertreter waren der Einladung zu diesem Demografietag gefolgt. Sie nutzten die Gesundheitsmodule ,Vital- und Rücken-Coaching‘, die die Techniker Krankenkasse in Zusammenarbeit mit aktiVital anbot, beteiligten sich aktiv an der Diskussion über die Studienergebnisse und sorgten so für einen Höhepunkt zum Abschluss des Forschungsprojektes.