YouTube für die Region

© geniusgöttingen
Text von: Belinda Helm

Eine Bilanz: drei Jahre geniusgöttingen.

Als Karsten Ley vor einiger Zeit bei YouTube nach „Göttingen“ suchte, war er ziemlich ernüchtert: „Nazi-Demos, Streiks, Fliegerbombe – viel Positives gab es da nicht.“

Das muss besser gehen, dachten sich Ley, Regionalmanager der SüdniedersachsenStiftung, und seine Kollegen vom Projekt geniusgöttingen, und initiierten bei YouTube den Kanal genius TV: 18 kurze Videos sind derzeit online, die Klick-Zahlen laut Ley „ordentlich“ und stetig steigend.

Die Internetplattform YouTube gehört mittlerweile zu den gängigen Marketing-Instrumenten von geniusgöttingen. „Klassische Sachen funktionieren kaum noch. Twitter, Facebook und YouTube sind die Kanäle, die wir mittlerweile bespielen“, berichtet der Regionalmanager.

Eine Erkenntnis, die sich das Team von geniusgöttingen, dem Dachmarkenprojekt zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Internationalisierung der Region, in den vergangenen drei Jahren aber erst erarbeiten musste.

Bereits 2007 entsteht die Idee zu dem Projekt innerhalb der SüdniedersachsenStiftung. Doch als man damit im Jahr 2008 erstmals an die Öffentlichkeit tritt, belächeln viele Skeptiker die Euphorie der Initiatoren: „Einer unserer Schwerpunkte war der Betreuungs-Service für Fachkräfte, die in die Region kommen. Aber die Krise kam dazwischen, und wir hatten uns Instrumente für einen florierenden Markt überlegt“, erinnert sich Ley.

Hatte man etwa am Markt vorbeigeplant? Doch die Ausdauer zahlt sich aus: Der Aufschwung ist auch in Südniedersachsen angekommen, und mittlerweile werden parallel meist um die fünf Neuankömmlinge von geniusgöttingen betreut, Tendenz steigend. „Wir überlegen schon, ob wir noch zusätzlich Personal einstellen, um der Nachfrage auch gerecht zu werden.“

Die Aktionen des Dachmarken-Projekts lassen sich in vier Bereiche untergliedern: Begonnen hatte man zunächst mit „Arbeit. Leben. Zukunft.“ und „MICE“ (Meetings, Incentives, Congresses, Events), dazugekommen sind im Jahr 2010 Initiativen in den Bereichen Wirtschaftsstandort und Hochschulstandort.

„Wir werden aufgrund der demografischen Entwicklung immer weniger Studenten haben, umso wichtiger ist es, Göttingen als Studienort attraktiv zu machen“, sagt Ley.

Deshalb wurde auch zu dem Foto-Wettbewerb „Mit geniusgöttingen around the world“ aufgerufen: Studenten sollten ein Foto von sich mit einer genius-Tasche irgendwo in der Welt machen. Auf Facebook wird nun über das beste Bild entschieden.

Zudem möchten die Initiatoren Wirtschaft und Studenten zusammenbringen: Mit Bussen geht es von der Universität zu Unternehmen in der Region, um sich vor Ort ein Bild machen zu können. „Das kommt bei den jungen Menschen und den Betrieben gut an“, sagt Ley. „Das Feedback nach der ersten Expedition hat uns gezeigt, dass wichtige Kontakte entstanden sind.“

Jüngst war man im Verbund mit Unternehmen aus der Region bei der ExpoReal in München präsent. Welche Wirkung mit solchen Initiativen tatsächlich erzielt wird, lässt sich laut Ley aber nur schwer messen.

„Wichtig für uns ist es aber, präsent zu sein.“

Innerhalb der Region hat sich das Projekt bereits etabliert: 73 Partner insgesamt sind mittlerweile im geniusgöttingen-Partner-Netzwerk, und auch beim Land hat man ein gutes Standing. Wichtig für die finanzielle Absicherung: „Für die nächsten drei Jahre planen wir etwa 150.000 Euro pro Jahr. Die Mittel stammen von Kommunen und Landkreisen, dem Sponsoring aus der Wirtschaft und dem Land Niedersachsen“, erklärt Ley, der für das positive Image vor allem den gelungenen Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und den Kommunen verantwortlich macht.

Dabei sei vor allem die Kommunikation entscheidend. „Wir müssen wissen, in welchen Bereichen sich die Betriebe Unterstützung wünschen. Nur so kann eine Win-win-Situation entstehen.“

Das persönliche Gespräch kann also auch Facebook nicht ersetzen – bei Terminvereinbarungen helfen hingegen schon.