Würdigung eines beruflichen Lebenswerks

Text von: redaktion

Die Stadtwerke Göttingen AG verabschiedet sich zum Jahresende 2013 von ihrem Vorstandsvorsitzenden Norbert Liekmeier. Pressesprecher Klaus Plaisir zieht sein persönliches Fazit.

Es ist in unserer heutigen Zeit eher selten, dass ein Pressesprecher fast 18 Jahre lang mit einem Chef zusammenarbeiten darf. Und noch seltener ist es sicherlich, wenn es neben den dienstlichen Herausforderungen über einen derart langen Zeitraum auch eine freundschaftliche Komponente gibt, die deutlich über die Stadtwerke Göttingen AG hinausgeht. Die Rede ist von Norbert Liekmeier, dem zum Jahresende 2013 ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden der Stadtwerke Göttingen AG.

Kennengelernt habe ich den Betriebswirt und Diplom- Kaufmann im Sommer 1994, als ich in meiner Eigenschaft als GT-Redakteur eine Geschichte über 25 Jahre Erdgasversorgung in Göttingen recherchiert habe. Schon bei diesem ersten Gespräch wurde mir klar, dass ich es mit einem Menschen zu tun habe, der von den Produkten, die sein Unternehmen anbietet, absolut überzeugt ist. Vor allem Erdgas und das dank der Beimischung von 80 Prozent Harzwasser überaus weiche Göttinger Trinkwasser pries Norbert Liekmeier in höchsten Tönen. Dabei schaute der in Diemarden wohnhafte dreifache Familienvater durchaus neidisch nach Göttingen: „Ich würde so gern mit Erdgas heizen und hätte so gern das Göttinger Trinkwasser.“ Aber Diemarden hat kein Erdgasnetz und die Gemeinde Gleichen eine eigene Wasserversorgung. Zwei Jahre später wechselte ich dann zu den Stadtwerken, und Norbert Liekmeier wurde mein Chef. Vier Jahre stand er damals an der Spitze der Stadtwerke und hatte gemeinsam mit seinem mittlerweile verstorbenen Kollegen Reinhard Kraft die ersten Pflöcke für die künftige Energieversorgung Göttingens in den Boden gerammt. So wurden die Neubaugebiete Zietenterrassen und Kiesseekarree mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgt.

Die großen strategischen Herausforderungen aber standen noch an. 1996 beispielsweise privatisierte das Land Niedersachsen die Harzwasserwerke. Es gelang dem Vorstand der Stadtwerke, gemeinsam mit vielen anderen Wasserversorgern in Niedersachsen, dieses größte Wasserunternehmen des Landes zu erwerben. Seither ist nicht nur Göttingens Trinkwasserversorgung langfristig auf höchstem Niveau gesichert, sondern die Stadtwerke sind dadurch mittlerweile auch zu sechs Prozent im Besitz eines Weltkulturerbes, des Oberharzer Wasserregals.

Von noch größerer Bedeutung war dann die Teilprivatisierung der Stadtwerke im Jahre 2001. Norbert Liekmeier und Kollege Kraft stellten das Unternehmen in einem derart positiven Licht dar, dass sich die Stadt für den Verkauf von 49,9 Prozent der Anteile über einen Geldsegen von zunächst 211 Millionen D-Mark freuen durfte. Später kamen noch zweistellige Beträge in der nunmehr gültigen Euro-Währung für die Stadt hinzu. Fast nebenher liefen andere Investitionen der Stadtwerke wie der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, die Inbetriebnahme von Wasserkraftwerk und Photovoltaik-Anlagen, die Eröffnung von Erdgastankstellen und der Einstieg in den Ökostromvertrieb Ende vergangenen Jahres. Immer achtete Norbert Liekmeier darauf, dass neben den Vorteilen für den Klimaschutz auch die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen gesichert war. Und hier nutzte er seine Kontakte, um ansonsten möglicherweise gefährdete Investitionen durch Drittmittel abzusichern.

Seine größten Stärken aber sind seine Menschlichkeit und sein dank Offenheit und Ehrlichkeit unermessliches Netzwerk mit Menschen in Stadt und Region sowie bundesweit in der Energiebranche. Insofern ist es wirklich schade, dass Norbert Liekmeier die Stadtwerke im Alter von 65 Jahren ausgerechnet zu einem Zeitpunkt verlässt, an dem der Energieversorgung in der Region einschneidende Veränderungen bevorstehen. Denn die Rekommunalisierung der E.ON Mitte zum Jahreswechsel wird Folgen haben, die aus heutiger Sicht überhaupt noch nicht abschätzbar sind. Hier wären die Erfahrung und das Netzwerk des scheidenden Direktors in Politik und Wirtschaft sicherlich hilfreich. Deshalb kann ich zum Abschluss dieser kurzen Würdigung seines beruflichen Lebenswerkes einfach nur sagen: „Lieber Norbert, bleib uns Stadtwerken gewogen!!!“