Wünsch dir was, Kind !

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Text von: redaktion

Einmal eine Prinzessin oder ein Lokführer sein: Der Verein “Round Table Children's Wish“ erfüllt schwer erkrankten Jungen und Mädchen Herzenswünsche.

So schnell wird Gian-Luca (10) den Tag nicht vergessen. Bei einem Promi-Fußballspiel traf der Formel-1-Fan sein Idol Michael Schumacher, der sich in der Halbzeitpause nur für den auf einen Rollstuhl angewiesenen Jungen Zeit nahm. Dass Muskelatrophie seine Bewegungsfreiheit einschränkt, vergaß Luca-Maximilian (12) einen Abend lang während eines Besuchs der Artisten hinter den Kulissen des „Cirque du Soleil“. Und Dragana (11) wurde warm um das jüngst transplantierte Herz, als sie zwei Darstellerinnen der Jugendfilmreihe „Die Wilden Hühner“ kennenlernen durfte. Was Gian-Luca, Luca-Maximilian und Dragana gemeinsam haben? Die unvergesslichen Erlebnisse dieser und bereits vieler anderer schwer erkrankter Kinder hat die Initiative „Round Table Children‘s Wish“ (RT-CW) ermöglicht. Die Kinder werden zwar nicht gesund dadurch. „Aber mit den Erinnerungen an ein außergewöhnliches Erlebnis möchten wir Hoffnung wecken und die Heilung zumindest positiv beeinflussen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Jörg Bürmann aus Rosdorf. Gegründet wurde RT-CW vor zwei Jahren von Bürmann und anderen Angehörigen der Serviceorganisation „Round Table“. Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Ansässig ist der Verein in Göttingen, aktiv ist er bundesweit und darüber hinaus. In der Regel werden die Wünsche von Eltern an ihn heran getragen. Zudem arbeitet der Verein mit Kliniken, Stiftungen und Kinderhospizen zusammen.

Ist ein Wunsch formuliert, nimmt das ehrenamtliche Koordinationsteam Kontakt mit dem Helfer-Netzwerk auf, dem sich rund 5.000 Menschen angeschlossen

haben. Die freiwilligen Helfer gehören überwiegend „Round Table“ an. Diese in England gegründete Vereinigung fördert weltweit jeweils in lokalen „Tischrunden“ soziale Projekte. „Round Table“-Mitglied kann man nur auf Empfehlung werden, doch das muss niemand zwingend sein, der dem Ableger RT-CW unter die Arme greifen möchte. „Jeder kann uns durch sein persönliches Engagement, Spenden oder die Vermittlung von Kontakten helfen“, sagt Bürmann, der ehemals als Präsident der Deutschland-Vertretung von „Round Table“ fungierte.

Auch schlichtweg ein Kind zu nennen, dessen Herzenswunsch erfüllt werden soll, ist eine Möglichkeit, die Initiative zu unterstützen. Rein rechnerisch erfüllt RT-CW inzwischen fast jeden Tag einen Wunsch. Doch die Hilfsbereitschaft des Servicenetzwerkes würde noch deutlich mehr zulassen. Zuwendung sieht die Vereinssatzung für Kinder vom Kleinkindalter bis zu 18 Jahren mit „lebensbedrohlichen“ Erkrankungen vor. Medizinische Behandlungen werden nicht finanziert.

„Bislang konnten wir fast jeden Wunsch erfüllen“, erklärt Jörg Bürmann. Bei den hermetisch abgeschirmten Dreharbeiten zu einem „Harry-Potter“-Film erhielt allerdings selbst RT-CW keinen Zutritt. Und auch wenn der Wunsch der körperlich eingeschränkten kleinen Patienten, einmal Schwerelosigkeit zu spüren, verständlich ist, lässt ihre Gesundheit anstrengende Flüge selten zu. Dabei kennt die Kreativität der Helfer ebenso wenig Grenzen wie die der kindlichen Fantasie. Für den Wunsch, einen Tag lang eine Prinzessin zu sein, reservierten sie die Sababurg bei Kassel, schneiderten ein prächtiges Kleid und organisierten ein Fest mit Statisten in Ritterkostümen. Und auch einem Mädchen mit nordafrikanischen Wurzeln, das nach einer Begegnung mit dem König von Marokko begehrte, wurde eine Audienz gewährt. Dank „Round Table Children’s Wish“ werden auch Kinderträume aus 1001 Nacht manchmal wahr.

Text: Berti Kolbow