Workaholism ist Chefsache!

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Text von: Redaktion

Wenn der Job zur Droge wird - Teil II: Wege aus der Arbeitssucht. Bernd Fritz-Kolle gibt Tipps zum neuen Gleichgewicht.

In unserer auf permanente Beschleunigung ausgerichteten Leistungsgesellschaft ist es nicht verwunderlich, dass keine Zeit zu haben, allzeit bereit zu sein, um maximale Leistung zu bringen, von vielen als Maßstab gelebt und als Lebenselixier hoch geschätzt wird. Vor allem sehr engagierte Idealisten und Perfektionisten – längst nicht mehr nur aus dem Management – ziehen den Wert ihres Lebens ausschließlich aus ihrer Arbeit. Wenn Arbeit allgemein den zentralen Stellenwert im Leben annimmt, alle privaten Bereiche, Beziehungen und Interessen immer mehr vernachlässigt werden, das Arbeiten zum inneren Zwang wird, spricht man von Arbeitssucht.

Workaholics ordnen im Verlauf alle Lebensbereiche ihrer Arbeit unter, bis sie aufgrund massiver Erschöpfung wegen Dauerstress schleichende, oft auch dramatische Leistungsknicks erleben. Sie erkranken an Angst- und Stress störungen, an Erschöpfungsdepression, Herzkreislauferkrankungen und greifen nicht selten zum Alkohol, um „wieder runter zu kommen“. Workaholism ist ein Verhaltensmuster von erheblichem Krankheitswert, das vor allem Leistungsträger in Unternehmen gefährdet.

Was also tun? Zuallererst: Workaholism ist Chefsache! Unternehmensleitungen, die Workaholism fördern, billigen oder bagatellisieren, schaden letztlich nicht nur den betroffenen Mitarbeitern, sondern der ganzen Firma. Auf Unternehmensebene geht es vor allem präventiv darum, Ziele und Strukturen zu schaffen, die Mitarbeiter einerseits nicht „ausbeuten“, andererseits Mitarbeiter nicht grenzenlos ausufern lassen. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements macht es Sinn, das Thema Arbeitssucht zu enttabuisieren und darüber als gefährliche Verhaltensstörung zu informieren. Gefährdete Mitarbeiter sind darauf anzusprechen und Maßnahmen wie gesundheitsbezogenes Coaching einzuleiten. Vertrauensarbeit senkt das Arbeitssucht- Risiko. Strukturell müssen Arbeitssüchtigen klare Grenzen gesetzt werden, notfalls auch auf disziplinarischem Wege. So helfen z. B. betriebliche Regelungen, Überstunden zeitnah durch Freizeit ausgleichen zu müssen, Wochenendarbeit muss nach spätestens drei Wochen ausgeglichen werden. Urlaubstage dürfen nicht ins nächste Jahr geschoben werden; Regelungen, die vor allem für die Führung gelten sollten.

Zeitmanagement im klassischen Sinne allein ist im Zusammenhang mit Arbeitssucht nicht hinreichend, häufig sogar kontraproduktiv, da effizienzorientierte Optimierung des Terminkalenders vor allem zur Verdichtung und damit zur weiteren Beschleunigung des Arbeitens führt und Dauerstress letztlich das Burnout- Risiko erhöht.

Was können Workaholics selbst tun? Besonders wichtig ist, dass sie die eigenen Muster als Problem und Veränderungsaufgabe erkennen. Leitziel ist es, sich nicht nur aus dem schon vorherrschenden Erschöpfungszustand herauszuarbeiten. Es geht in erster Linie darum, das eigene Formel-1-Lebensrennen am Boxenstopp zu unterbrechen und zu entschleunigen, bevor es zum Crash kommt. Erst dann wird es möglich, z. B. im Rahmen eines Coachings die Schieflage in der Work-Life-Balance zu erkennen und schrittweise das Leben auf mehreren Eckpfeilern neu zu stabilisieren. Es geht oft darum, die Arbeitszeiten zu begrenzen, Orte und Zeiten der Nicht-Erreichbarkeit („Freiheit“) zu schaffen, sich auf wesentliche Dinge konzentrieren zu lernen und hier die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Letztlich steht jeder Workaholic vor der Aufgabe, die Lebens felder Gesundheit, Beziehungen, Lebenssinn und Arbeit in ein neues Gleichgewicht zu bringen.

Wenn Sie bei sich selbst oder in Ihrer Umgebung Workaholism-Muster erkennen, aber vielleicht unsicher sind, ob Sie zu den Job-Junkies gehören oder schon in der Burnout-Falle stecken, können Sie gern Kontakt zum Autor oder zu anderen geeigneten Coaches aufnehmen – bevor es zu spät ist.

Text: Bernd Fritz-Kolle