Wo bin ich?

Bernd Fritz-Kolle
Text von:

Zum Autor: Der Coach Bernd Fritz-Kolle begleitet Entscheider regelmäßig oder bedarfsweise dabei, die eigene Entwicklung zu reflektieren und strategisch zu planen. Darüber hinaus bietet er Workshops zur Reflexion von Unternehmensentwicklungen, Veränderungsprozessen oder konflikthaften Team konstellationen an.

Fortwährend müssen wir wichtige Entscheidungen treffen, um voranzukommen und nicht im Alltag unterzugehen. Hin und wieder ist es daher sinnvoll, inne zuhalten
und neue Ziele zu setzen. Coach Bernd Fritz-Kolle erklärt, wie das geht.

Das Jahr neigt sich mal wieder rasant dem Ende zu. Der Zug der Zeit rast gen Weihnachten, die sogenannte ,besinnliche‘ Zeit steht vor der Tür – alle Jahre wieder. Alle Jahre wieder bilanzieren auch die Unternehmen ihr Geschäftsjahr, gehen Firmen in Klausur und planen ihre Strategie und die Ziele für die Zukunft. Alle Jahre wieder lassen die Jahresrückblicke auf allen Kanälen das Jahr Revue passieren. Die großen Ereignisse, Krisen, Kriege, Katastrophen rauschen im Schnelldurchlauf vorbei, lassen Erinnerungen und Emotionen kurz aufblitzen. Die Summary 2016, das ,Album‘ des Jahres, wird vermutlich nicht nur gute Gefühle und Gedanken bringen. Zwischen Weihnachtsbaum und Silvesterfeuerwerk, zwischen den Jahren, wenn wieder einmal unrealistische gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst werden, wenn Job und Geschäft etwas zur Ruhe kommen, entsteht tatsächlich die Gelegenheit, allein oder gemeinsam eine ,Besinnungs‘­Pause einzulegen und das eigene Jahr genauer unter die Lupe zu nehmen.

„Wenn du es eilig hast, nimm dir Zeit!“, so rät Lothar Seiwert, Zeitmanagement­Papst, um in Ruhe als Entscheider aus Business, Wissenschaft, Politik oder öffentlichem Sektor das Jahr persönlich zu reflektieren.

Wie lief mein Jahr 2016? Wie bin ich gestartet? Wo stehe ich heute?

,Boxenstopps‘ wie diese Besinnungspausen sind kleine oder auch größere Gelegenheiten, um wie bei der Formel 1 aus dem Rennen auszusteigen, innezuhalten und sich neu einzustellen. Sich selbst zu reflektieren, über sich und sein eigenes Verhalten, Einstellungen, Ziele, Entwicklung konstruktiv kritisch nachdenken zu können, ist ja bekanntlich einer der zentralen Vorteile unseres menschlichen Hirns – sofern man diesen noch nutzt und sich die Zeit dafür nimmt. Die Fähigkeit dazu wächst wie ein Muskel durch Training, kann aber auch verkümmern, wie wir heute leider immer öfter feststellen müssen. Die regelmäßige Reflexion des Geschäfts­, Job­ und persönlichen Alltags lohnt sich, um Fehlentwicklungen eher wahrzunehmen und gegensteuern zu können oder auch eigene Erfolge erkennen und stärker wertschätzen zu können. Dazu bietet es sich an, in einem Jahres­Review den Zeitraum eines Kalenderjahres zu betrachten und zu bewerten, zum Beispiel mithilfe eines Leitfragen­ Katalogs.

Entscheider, die zumeist im Alltagsrennen wenig Zeit haben, nutzen gern Leitfragen zur persönlichen Revision. Der Blick kann dabei in unterschiedliche Richtungen gehen und reicht von der Betrachtung von Jahreszielen, beruflicher Situation, Karriereentwicklung bis hin zu privaten und gesundheitlichen Schwerpunkten, vom globalen Rundflug/Überblick bis zu spezifischen Schwerpunkten. Zukunft braucht Herkunft, so heißt es. Eine ehrliche Jahresbilanz bildet eine gute Basis für einen realistischen Ausblick auf das kommende Jahr. Mit hieraus abgeleiteten Zielsetzungen und einem gut geplanten Einsatz lassen sich aus Silvestervorsätzen Erfolge machen. Im Übrigen gilt, frei nach dem deutschen Philosophen Ernst Bloch:

„Sei ins Gelingen verliebt, nicht ins Scheitern.“

Viel Erfolg für Ihr Jahr 2017!

 

Mein Review 2016
Nehmen Sie sich Zeit, um in Ruhe Ihr Jahr 2016 zu betrachten, Bilanz zu ziehen und sich auf 2017 einzustellen. Blicken Sie bewusst auf die positiven wie auch die kritischen Aspekte. Beides gehört dazu. Mit welchen Zielen (beruflich, persönlich, Familie/ Partnerschaft, Gesundheit, Freunde) bin ich ins Jahr 2016 gestartet?

1. Welche Ziele habe ich wie weit erreicht?

2. Was habe ich dafür getan?

3. Was habe ich 2016 erfolgreich abgeschlossen bzw. nehme ich nicht mit nach 2017?

4. Was ist offen geblieben, was nehme ich mit nach 2017?

5. Worüber habe ich mich im Laufe des Jahres 2016 wirklich gefreut?

6. Was hat mir in diesem Jahr richtig gut getan?

7. Was habe ich in diesem Jahr am meisten vermisst?

8. Was habe ich in diesem Jahr am meisten bereut?

9. Worauf konnte ich 2016 verlässlich bauen und vertrauen?

10. Wer bzw. was hat in diesem Jahr mein Leben dominiert?

11. Was hat mir am meisten Sorge/Ärger bereitet?

12. Worauf bin ich in diesem Jahr richtig stolz?

13. Welche Herausforderungen warten auf mich im Jahr 2017 (Aufgaben/Chancen/Risiken)?

14. Welche Ziele will ich 2017 erreichen, und was werde ich dafür konkret tun?