Wissenschaftliche Schätze

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Text von: Yannick Lowin

Mit dem ‚Haus des Wissens‘ sollen die wissenschaftlichen Sammlungen der Universität Göttingen der Öffentlichkeit auf Dauer präsentiert werden.

„,Göttingen ist die ‚Stadt, die Wissen schafft‘, und wir haben in unserer Universität eine Reihe wissenschaftlichen Schätze“, sagt die Präsidentin der Universität Göttingen Ulrike Beisiegel.

Daher sei es an der Zeit, das Wissen, das in diesen Schätzen stecke, den Göttingern zu präsentieren.

Solche Überlegungen gibt es von Seiten der Georgia Augusta schon seit einigen Jahren, und auch die Stadt spielte bereits mit dem Gedanken, der Universitäts- und Stadtgeschichte mehr Raum zu widmen.

So sollten unter anderem in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt und in den Gebäuden des Städtischen Museums am Ritterplan drei ,Wissenshäuser‘ zu den Themenbereichen Wissenschaft, Geschichte und Wirtschaft eingerichtet werden.

Ein mögliches Konzept gab es zwar schon, doch letztlich scheiterte das Projekt an der Finanzierung. Nun wollen Stadt und Universität in gemeinsamer Trägerschaft ein ‚Haus des Wissens‘ einrichten und betreiben.

Darin sollen die Sammlungen der verschiedenen Fakultäten der Universität auf der einen Seite bewahrt und besser nutzbar für Forschung und Lehre gemacht werden.

Auf der anderen Seite soll aber auch die Öffentlichkeit die Möglichkeit erhalten, einen Blick auf die wissenschaftlichen Objekte zu werfen.

Darauf hatten sich Ulrike Beisiegel und Oberbürgermeister Wolfgang Meyer vor einem Jahr in einer gemeinsamen Absichtserklärung verständigt.

Erweiterung des musealen Angebots

Für Stadtsprecher Detlef Johannson ist das ‚Haus des Wissens‘ daher eine „hervorragende Erweiterung des musealen Angebots in Göttingen, das nicht nur für die Menschen aus Stadt und Region von Interesse ist, sondern auch über eine hohe touristische Anziehungskraft verfügt“.

Dieser Ansicht ist auch Romas Bielke, Pressesprecher der Uni Göttingen: „Mit dieser Einrichtung wollen wir Gäste aus dem In- und Ausland in die Stadt locken.“

Außerdem könnten mit diesem Projekt darüber hinaus insbesondere Schüler an die Wissenschaft herangeführt werden, so Bielke weiter.

Das mit Hilfe von Experten erstellte Gesamtkonzept für die akademischen Sammlungen fußt neben dem ‚Haus des Wissens‘ noch auf zwei weiteren Säulen. Zum einen ist vorgesehen, eine sogenannte Zentrale Kustodie einzurichten, die die 30 Sammlungen koordinieren und ihre nationale wie internationale Vernetzung gewährleisten soll.

Zum anderen wollen die Planer ein Forschungszentrum installieren, an dessen Spitze eine neue Juniorprofessur stehen wird.

Im eigentlichen Museum, das aller Voraussicht nach im alten Auditorium an der Weender Straße entstehen wird, sollen schließlich verschiedene Gegenstände und Gerätschaften aus den Sammlungen sowie aktuelle, wissenschaftlich relevante Themen der Öffentlichkeit in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden.

„Damit wollen wir den Besuchern einen anderen Zugang zu Wissen verschaffen“, sagt Romas Bielke.

Darüber hinaus werde das ‚Haus des Wissens‘ als Wegweiser dienen zu den dezentralen Sammlungen der Universität und zu anderen Schlüsselorten der Wissenschaftsgeschichte in Göttingen.

Wie das Wissenschaftsmuseum einmal konkret ausgestaltet werden könnte, darauf gibt die Ausstellung ‚Dinge des Wissens‘ in der Pauliner-Kirche noch bis zum 7. Oktober einen Ausblick.

Anlässlich des 275-jährigen Uni-Jubiläums gibt es dort bereits einiges zu sehen, was auch im ‚Haus des Wissens‘ einen Platz finden könnte.

Hierzu zählen die bedeutenden ethnologischen Sammlungen wie die des berühmten englischen Kapitäns James Cook und seines deutschen Begleiters Georg Forster, genauso wie Herbarien aus der Biodiversitätsforschung oder Modelle der mathematischen Sammlung.

Die Finanzierung

Immer vorausgesetzt, dass die Finanzierung des Projektes gesichert werden kann.

Denn ursprünglich waren die Entwürfe rund um die wissenschaftlichen Sammlungen Teil des Zukunftskonzeptes zur Weiterentwicklung der Georg-August-Universität, das die Hochschule im Rahmen der Exzellenzinitiative erarbeitet hatte.

Das Geld, das bei einem Erfolg in die Kassen der Elite-Uni geflossen wäre, fehlt nun. Nichtsdestotrotz erklärte Ulrike Beisiegel, unmittelbar nach dem Scheitern der Exzellenzinitiative im Sommer, am ‚Haus des Wissens‘ festhalten zu wollen. Bestärkt werden die Verantwortlichen auch durch die hervorragende Einschätzung der Gutachter aus dem Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Diese attestierten, laut Uni-Sprecher Romas Bielke, dem Sammlungskonzept, inklusive des ‚Haus des Wissens‘, eine Vorreiterrolle in Europa.

Da die Diskussion um das endgültige Konzept im Senat noch laufe, ließen sich, so Bielke, derzeit noch keine konkreten Zahlen nennen, wie teuer die Umsetzung für Uni und Stadt werde. „Fest steht aber, dass für die Finanzierung des Wissenshauses Spendengelder eingeworben werden sollen.“

Darüber hinaus habe das Land Niedersachsen Mittel für die Zentrale Kustodie und die Juniorprofessur zugesichert. Wann das ‚Haus des Wissens‘ Realität werden könne, hänge aber vom Erfolg des Fundraisings ab.