“Wir haben keine Berührungsängste“

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Text von: redaktion

Detlef Hofmann von der Spedition Zufall über Vorbehalte im Cluster und den Vorsprung von Nordhessen.

Detlef Hofmann von der Spedition Zufall über Vorbehalte im Cluster und den Vorsprung von Nordhessen.

Wie wichtig ist ein Logistik- und Mobilitätscluster für die Firma Zufall?

Ein Ziel beim Logistik- und Mobilitätscluster ist, unsere Region durch die Ansiedlung neuer Unternehmen bzw. deren logistischer Aktivitäten zu stärken. Dafür muss unsere Region mit ihrer Logistikkompetenz und den idealen logistischen Möglichkeiten, wie beispielsweise der zentralen Lage in Europa, bekannt gemacht werden. Davon werden wir als Logistikdienstleister profitieren.

Werden dadurch mehr Arbeitsplätze entstehen?

Zum einen geht es darum, bestehende Arbeitsplätze zu sichern. Wenn wir das Ziel erreichen, neue Unternehmen für unsere Region zu gewinnen und logistische Aktivitäten auszubauen, werden zum anderen zwangsläufig auch neue Arbeitsplätze entstehen.

Muss die Firma Zufall eine Vorreiterrolle übernehmen?

Als führendes Logistikunternehmen in Südniedersachsen werden wir uns aktiv am Logistik- und Mobilitätscluster beteiligen. Wir engagieren uns auch außerhalb dieser Initiative – zum Beispiel bei der IG LAGE. Die GWG hat sich dabei mit den Gemeinden Friedland, Bovenden/Nörten-Hardenberg und Rosdorf mit dem Ziel zusammengeschlossen, Logistikflächen und die Region Göttingen als Logistikstandort zu vermarkten. Neben attraktiven Flächenangeboten und unbürokratischer Abwicklung wird Interessenten mit unserer Teilnahme auch logistische Kompetenz geboten.

Glauben Sie, dass es unter den am Netzwerk beteiligten Firmen auch Berührungsängste geben kann?

Während der Startphase ist das durchaus denkbar. In Sitzungen und Arbeitskreisen können mögliche Berührungsängste aber abgebaut werden. Dabei wird der „Clustermanager“ eine tragende Rolle haben. Wir haben keine Berührungsängste. Uns geht es darum, für die Region etwas zu tun. Wenn wir Unternehmen motivieren können, sich hier anzusiedeln, dann hat das Auswirkungen für uns alle. Und wenn neue Geschäfte abgeschlossen werden, entscheidet letztlich der Kunde, mit welchem Dienstleister er zusammenarbeiten wird.

Wie wichtig ist es, dass die Initiierung von Netzwerken auch finanziell vom Land Niedersachsen gefördert wird?

Es geht um ein gemeinsames Interesse für die Region und die wirtschaftliche Entwicklung. Hier ist es nicht nur Aufgabe der Wirtschaft, sondern auch von Land und Kommunen, die genannten Ziele zu erreichen. Deshalb ist eine finanzielle Unterstützung in der Start- und Projektierungsphase unerlässlich.

Sehen Sie das bestehende Netzwerk in Nordhessen als Konkurrenz?

Die Regionen Südniedersachsen und Nordhessen haben die gleichen Interessen und vergleichbare Möglichkeiten. Nordhessen hat allerdings einen zeitlichen Vorsprung, den Südniedersachsen

bzw. die Region Göttingen aufholen muss. Das Logistik- und Mobilitätscluster wird dazu beitragen. Eine spätere enge Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinaus ist sicherlich sinnvoll. Für uns als Logistiker gibt es diese Grenze ohnehin nicht, was unsere Aktivitäten und unsere Niederlassung in Kassel beweisen.

Gibt es in der Region Göttingen noch Defizite in der Verkehrsanbindung?

Die Verkehrsanbindung ist durch die A7 (Nord-Süd) und die in Fertigstellung befindende A38 (Ost-West) gut. Der Schienenverkehr und insbesondere die in Göttingen bestehende Anlage für den kombinierten Ladungsverkehr sind ausbaubar. Die Anbindung an die Häfen und Flughäfen ist gut.

Wie sehen Sie die wirtschaftliche Entwicklung in der Region?

Viele Unternehmen in der Region haben sich sehr gut entwickelt. Betrachten wir die vergangenen 15 Jahre, sind leider aber auch viele Unternehmen aus den unterschiedlichsten Gründen vom Markt verschwunden. Und Neuansiedlungen von potenziellen Verladern sind so gut wie gar nicht zu verzeichnen.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht eine Firma wie Zufall für den Standort Göttingen?

Wir bieten unseren Kunden in der Region umfangreiche logistische Dienstleistungen, wie er in Ballungsräumen selbstverständlich ist. Wir stehen zum Standort Göttingen und wollen diesen weiter ausbauen. In Göttingen beschäftigen wir über 400 Mitarbeiter und zusätzlich viele Subunternehmer. Alleine im Nahverkehr sind täglich über 100 Fahrzeuge und somit Fahrer für uns im Einsatz.

Sehen Sie noch weitere Möglichkeiten, um diese Region nach vorne zu bringen?

Die direkte Ansprache von potenziellen Kunden ist aus meiner Sicht ein Erfolg versprechender Weg. Wir kommunizieren heute schon mit sehr vielen Firmen in Deutschland, Europa und auch weltweit, um sie für unsere Region zu interessieren. Darüber hinaus helfen uns Messeauftritte, Logistikveranstaltungen, Netzwerke und Kooperationen bei dem Vorhaben, die Region voranzubringen.

Zur Person:

Detlef Hofmann ist Prokurist und Mitglied der Niederlassungsleitung der Friedrich Zufall GmbH & Co. KG und seit 1986 für die Firma tätig.