Wir dürfen nicht alles schlecht reden

Text von: Tobias Kintzel

Rainer Beyer, Unternehmer und MEKOM-Vorstandsvorsitzender, über den Standort Osterode und Nachwuchssorgen.

Herr Beyer, als Vorstandsvorsitzender des MEKOM Regionalmanagement Osterode am Harz e.V. haben Sie einen guten Überblick über die Wirtschaft des Landkreises. Wo sehen Sie die Stärken des Standortes?

Auffällig für den Wirtschaftsstandort Osterode ist zum Beispiel die im Vergleich zum Land Niedersachsen recht hohe Industriedichte. Es gibt hier viele Unternehmen, die international oder sogar weltweit erfolgreich sind. Unsere Lage im Zentrum Europas ist da sicherlich ein Vorteil.

Und das, was Wolfgang Herrmann für den Landkreis Northeim anführt (siehe faktor 3/2008), gilt auch für uns: Die Hochschullandschaft im Umkreis von 100 Kilometern ist mit der TU Clausthal sowie den Universitäten in Göttingen und Hannover sowie Braunschweig beachtlich. Weitere Stärken der regionalen Wirtschaft sind ihre sehr gut funktionierende Vernetzung, zu der MEKOM einen wichtigen Teil beisteuert, und zielorientierte Kooperationen.

An welche Kooperationen denken Sie konkret?

Richtungweisend ist der Harzpool, ein Zusammenschluss regionaler Automobilzulieferer, in dem die FRÖTEK-Kunststofftechnik GmbH, die KKT Frölich GmbH, die Zuelch Industrial Coatings GmbH, die Gruppe HEAT GmbH und die Wilhelm Eisenhuth GmbH KG ihre Kräfte bündeln und mit geballter Kompetenz am Markt auftreten.

Auf der IZB, der Internationalen Zuliefererbörse für die Automobilindustrie in Wolfsburg, haben sich diese Unternehmen zum Beispiel gemeinsam als Harzpool vom 29. bis zum 31. Oktober präsentiert. Und MEKOM unterstützt diese Clusterbildung.

Sie haben die Rolle von MEKOM in Bezug auf die Vernetzung der regionalen Unternehmen angesprochen. Kann der Verein, der seit Anfang dieses Jahres ohne einen hauptamtlichen Geschäftsführer auskommen muss, diese Rolle noch ausfüllen?

Auf jeden Fall. Wir haben die Aufgaben des Geschäftsführers unter den Vorstandsmitgliedern verteilt. Jeder trägt seinen Part dazu bei, dass unser Netzwerk funktioniert. Auch ich habe über MEKOM Unternehmer und Unternehmen kennen gelernt und konnte Kontakte knüpfen. Wie gut wir unsere Aufgaben wahrnehmen, zeigen die steigenden Mitgliederzahlen.

Und außerdem sind wir, meines Wissens nach, das einzige Regionalmanagement, das die Förderzeit durch die EU und das Land Niedersachsen überlebt hat und sich selbst finanziert. Unser heterogenes Netzwerk lebt durch das Engagement der Mitglieder, viele bringen sich gut ein. Etwas mehr könnte es natürlich immer sein.

Ist es ein Vorteil, Landrat Bernhard Reuter im MEKOM-Vorstand zu haben?

Davon bin ich überzeugt. Landrat Reuter ist wirtschaftsnah und sehr aktiv. Wir haben als Unternehmer so einen direkten Draht zur Politik. Außerdem werden so unsere Arbeit und die Unternehmen durch die öffentliche Verwaltung sehr gut in der Umsetzung neuer Vorhaben unterstützt.

Bereits von Anfang an hat sich das Netzwerk zur Aufgabe gemacht, Standortmarketing zu betreiben und junge Menschen in die Region zu holen. Gelingt das?

Die komplizierte Mitarbeiterrekrutierung ist ein Nachteil des Standorts Osterode. Ich bin damit nicht nur als MEKOM-Vorstandsvorsitzender, sondern auch als Geschäftsführer der Eckold GmbH & Co. KG selbst konfrontiert. Wir müssen jungen Menschen Perspektiven und Möglichkeiten aufzeigen, um sie in die Region zu holen. Zusätzlich müssen wir aufpassen, dass uns die Ortsansässigen nicht weglaufen.

Und da ist nicht nur das MEKOM-Netzwerk gefragt. Jeder muss selber ausbilden, um eine Chance zu haben. Wie gut hier die Unterstützung vor allem der Berufsbildenden Schulen ist, zeigt der Ausbildungsgang zum Mechatroniker, den wir gemeinsam geschaffen haben. Zusätzliche Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen wir mit der Samstagsakademie.

Gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule bieten wir so die Möglichkeit für Fach- und Führungskräfte, sich außerhalb der Arbeitszeit intensiv und effektiv weiterzubilden. Als Geschäftsführer der Firma Eckold kann ich sagen, dass wir die Kosten dafür tragen und die Mitarbeiter einen Teil ihrer Freizeit investieren. Die Mitarbeiter sind übrigens ganz klar ein weiterer Standortvorteil – zumindest für die Firma Eckold.

Wie meinen Sie das?

Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital. Sie sind die Know-how-Träger und unheimlich loyal. Einige sind 25 oder sogar 40 Jahre bei uns, manche schon in der zweiten Generation. Sie denken genauso langfristig wie viele Unternehmenseigentümer aus der Region: Das Unternehmen muss auch in 20, 30 oder 40 Jahren noch da sein.

Zwischen den engagierten Mitarbeitern und den Eigentümern der regionalen Traditionsunternehmen gibt es einen unheimlichen Zusammenhalt, aus dem eine hohe Leistungsfähigkeit erwächst. Wir müssen diese Leistungsfähigkeit aber auch nach außen tragen. Wir dürfen nicht alles schlecht reden. Der Landkreis Osterode ist besser als seine Selbstdarstellung und sein Ruf. Wir haben wirtschaftlich einiges zu bieten.

Vielen Dank für das Gespräch.