Wie schmeckt Heimat?

©Grimmheimat Nordhessen/ Privat/ da Silva
Text von: Helga Kristina Kothe

Der Geschmack von regionalen Produkten wird oft mit Heimat verbunden. Ein Blick über die Grenzen der Region in Richtung Nordhessen lohnt sich, denn hier wird eben dieser Trend bereits genutzt.

Liebe geht durch den Magen. Heimat auch. In Nordhessen geht dieses Heimatgefühl einher mit köstlicher Ahle Wurscht und anderen ,Schmeckewöhlerchen‘. In Nordhessen werden sie professionell vermarktet. Denn die ,GrimmHeimat NordHessen‘ kümmert sich seit 2009 nicht nur um die Positionierung der Ferienregion im Märchenland der Brüder Grimm, sondern auch ihrer regionalen Produkte. Und das erfolgreich. Initiiert wurde das Projekt GrimmHeimat NordHessen von der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg, umgesetzt vom Regionalmanagement Nordhessen.
„Bei der Markenbildung haben wir auf die Entwicklung von eigenen Produkten und einem professionellen Vertrieb großen Wert gelegt. Über qualitative Souvenirs, umfangreiche Literatur und leckere Lebensmittel können wir stark Einfluss auf die Wahrnehmung unserer Region nehmen“, sagt Pierre Schlosser, Projektleiter der GrimmHeimat NordHessen, und erklärt damit einen der ausschlaggebenden Gründe für die Vermarktung. „Dabei spielt uns der Trend zu regionalen und hochwertigen Lebensmitteln sehr schön in die Karten, den wir beispielsweise mit Fruchtaufstrichen, Honig, Kräutern, Käse und natürlich der Ahlen Wurscht bedienen.“
Gutes Essen ist in Nordhessen eine Lust, die sich schon in den Märchen der Grimms entdecken lässt: „Reich gedeckte Tafeln und gute Speisen sind zentrale Motive und stehen für Wohlstand und ein glückliches Leben“, schreiben die Autoren des Buches ‚Märchenhafte Schmeckerlüste – Eine kulinarische Reise durch die Heimat der Brüder Grimm‘. Das Kochbuch ist Teil des Marketingkonzeptes der GrimmHeimat. 24 Betriebe haben sich daran beteiligt. Führende Gastronomen und Hoteliers haben sich aus den regionalen Sagen und schönsten Märchen der Grimms ihre Favoriten herausgesucht und dazu Gerichte und Menüs kreiert. Rapunzelsalat, Frau Holles Apfelplätzchen, Dornröschens Hochzeitsmenü: Ein Blick in das Buch macht den Verbraucher neugierig, was es in der Heimat zu tafeln gibt. Weiteres Ziel: die Betriebe in der Region für dieses Thema sensibilisieren. Die Wahrnehmung schärfen für das Pfund, mit dem sie wuchern können. Das ist gelungen: Sie punkten auf ihren Speisekarten mit Nordhessens kulinarischem Reichtum, vielfach angelehnt an die Grimms. Sehr zur Freude ihrer Gäste.

Das Gesamtkonzept fußt auf vielen Säulen: 15 Ladengeschäfte in Nordhessen, ein Online- Shop, hochwertige Produkte. Und: Die GrimmHeimat ist ein großes Netzwerk aus Menschen und Ideen, Kontakten und Erfahrungen. „Man braucht Partner, die daran glauben. Menschen, die das mit Leib und Seele unterstützen“, sagt Schlosser. Dass die Idee angenommen wird, zeigt die steigende Zahl an Partnern: 2009 waren es rund 20, heute etwa 300. Die Saat geht also auf.
Inzwischen hat die GrimmHeimat ein Portfolio von rund 500 Produkten, etwa die Hälfte sind Lebens- und Genussmittel. Es ist ein taktisch kluger Schachzug, auch ihre Vermarktung an die Leitfiguren der Region – Jacob und Wilhelm Grimm – zu binden. Es zeugt von Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit. Ist ideell wie ökonomisch interessant und erleichtert die Identifikation. Das Logo der GrimmHeimat auf vielen Produkten im Portfolio ist nur ein Ausdruck dessen. Auch in den Produktnamen spiegelt sich das wider. Etwa ein Drittel aller Produkte haben laut Schlosser einen Grimm- oder Märchenbezug. Rotkäppchenkuchen genießen oder vespern wie die Grimms – das verspricht märchenhaften Geschmack.
Erstmals wurden 2010 regionale Produkte von der GrimmHeimat auf dem Kasseler Märchenweihnachtsmarkt präsentiert, in einem kleinen Ladengeschäft. „Die Leute standen Schlange vor dem 20 Quadratmeter großen Laden“, erinnert sich Schlosser. „Ahle Wurscht war der Renner.“  Aus dem Projekt auf Zeit ist eine Institution geworden. „Wir merkten schnell, das funktioniert, der Laden muss bleiben.“ Seit 2013 ist der Grimm-Shop in einem größeren Ladengeschäft in der Treppenstraße in Kassel zu finden. Und es bietet Raum für Veranstaltungen, zum Beispiel Mundart-Lesungen. Bei solchen Events wird natürlich verkostet, was die Region hergibt.

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