Wie man in den Wald hineinruft…

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Text von: redaktion

Teil 2 der Reihe: Warum sich Mitarbeiter an ihren Chefs rächen – inklusive Tipps, wie Sie „Arschlöcher“ in Ihrem Unternehmen loswerden

Warum nehmen Mitarbeiter Rache am Chef? Verantwortlich ist nach Umfragen von monster.de viel weniger Überlastung als oftmals das Führungs- verhalten selbst, das Mitarbeiter emotional trifft und meist verdeckten Widerstand provoziert. Wenn Mitarbeitern fortwährend die Anerkennung für ihre Leistung vorenthalten wird, sie sich wiederholt vor Kunden oder Kollegen bloßgestellt, ungerecht behandelt oder schlicht übersehen fühlen, dann sind dies „Todsünden“, die aus Sicht der Opfer Rache legitimieren.

Weshalb verhalten sich Chefs eigentlich provokativ – gewollt oder ungewollt? Vor allem chronische Überlastung und Überforderung setzen viele unter Dauerstress, der an Mitarbeitern „abgearbeitet“ wird. Manche neigen aus ihrer Charakterstruktur heraus zu Machtmissbrauch durch Abwertung Schwächerer. Fehlender Kontakt zu den eigenen Mitarbeitern fördert selbstherrliches, ungerechtes Führungsverhalten. Oft fehlt aber auch schlicht die ausreichende Qualifikation zur Mitarbeiterführung. Fachleute werden auf Mitarbeiter losgelassen, ohne einen Gedanken an die möglicherweise destruktive Wirkung des eigenen Verhaltens.

Erklärt der Chef Mitarbeitern den Krieg, reagieren manche als Partisanen. Was können Sie als Chef tun, um Rache an Ihnen oder Ihrem Unternehmen zu begegnen? Zu allererst: Nehmen Sie Signale wie Störungen in Abläufen, Konflikte, Unzufriedenheit, erhöhte Fehlzeiten, sinkende Leistungen oder Informationen über Mobbing durch Vorgesetzte wahr und ernst! Erkunden Sie, was aus Sicht Ihrer Mitarbeiter los ist. Das Bagatellisieren und Verleugnen von Konflikten erzeugt enorme Folgekosten an Motivation, Zeit, Nerven und letztlich Geld. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter! Häufig ist der Einsatz von Mitarbeiter-Interviews zur Analyse der Situation und zur Ableitung passender Maßnahmen notwendig – durch qualifizierte neutrale externe Berater, um ehrliche Antworten zu erhalten.

Wenn identifizierbare Missstände herrschen, arbeiten Sie mit Nachdruck an deren Verbesserung – und kommunizieren Sie dies im Mitarbeiterkreis. Wenn Sie aus dem Feedback Ihrer Mitarbeiter erkennen, dass Sie selbst oder Mitglieder Ihres Führungskreises destruktives Verhalten zeigen, gehen Sie dem nach. Geben Sie Anerkennung für Kritik, nehmen Sie Mitarbeiter ernst, und beteiligen Sie sie aktiv. „Management by walking around“, der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern, wirkt nach wie vor Wunder.

Eine präventiv gelebte Führungsrolle als positives und echtes Vorbild, das so offen wie möglich handelt, sich um faires und glaubwürdiges Verhalten bemüht, ist von entscheidender Bedeutung. Führungsleitlinien in Hochglanzdruck, die nicht gelebt werden, schaden nur. Scheuen Sie sich nicht, veränderungsunwillige „Arschlöcher“ (im Sinne des Harvard-Professors Robert Sutton) unter Ihren Führungskräften zu outen und notfalls „outzusourcen“. Eine Betriebsvereinbarung zum Umgang mit „Arschlöchern“ hilft, faire Führung verbindlich zu verankern. Führen Sie nicht nur eine Art „Führungs-TÜV“ oder Leadership- Check ein, sondern pflegen Sie das regelmäßige Feedback an Sie und die Führungskräfte, um nicht in blinden Flecken zu verbleiben und die Mitarbeiter zu provozieren. Der notwendige Mut und die Weitsicht lohnen sich.

Ein wesentlicher Präventiv-Baustein ist die Qualifizierung Ihrer Führungskräfte in der Mitarbeiterführung. Das Training und Coaching in fairer und sozial kompetenter Führung ist ein Erfolgsbaustein. Auf der anderen Seite sind klare Spielregeln auch für Mitarbeiter essenziell. Viele Unternehmen arbeiten inzwischen mit einem Code of Conduct, einer Art Verhaltenskodex, der für Klarheit sorgt. Zusammenfassend sei gesagt: Rache am Chef ist in ihren Spielarten weit verbreitet und oft unterschätzt. Sie selbst können dazu beitragen, Rache in Ihrem Unternehmen

zu verhindern. Viel Erfolg!

Bernd Fritz-Kolle (Foto) ist Geschäftsführer des ConNeG-Mitglieds Coaching Contor mit den Schwerpunkten Change und Konfliktmanagement, Coaching, Führungskräfte -entwicklung. Kontakt: fritz-kolle@coaching-contor.de

Fotografie: ALCIRO THEODORO DA SILVA