Wie aus Abfall ein wertvoller Rohstoff wird

Text von: redaktion

Wissenschaftler des BiotechGenoMik-Netzwerks Göttingen sind der industriellen Nutzung von Abfallprodukten, wie dem “Klimakiller“ Kohlendioxid, für die Produktion von Biokraftstoffen einen großen Schritt näher gekommen.

Der weltweite Energiebedarf steigt drastisch, daher ist die Suche nach alternativen Wegen für industrielle Produktionsprozesse und Energieträger so dringlich wie nie. Eine ideale Lösung stellen biotechnologische Verfahren mit Bakterien dar, die einfache, kostengünstige Substanzen in wertvolle Endprodukte umsetzen können.

Clostridium ljungdahlii ist ein solches Bakterium, das für sein Wachstum keinen Sauerstoff benötigt, sondern auf vielfältigen organischen Substanzen oder auch einfach nur durch Verwertung von Kohlendioxid und Wasserstoff oder Synthesegas wachsen kann.

In der Biotechnologie gibt es bereits Pilotanlagen, um mit C. ljungdahlii Ethanol als Zusatz für Biokraftstoffe zu produzieren. Die mangelnde Kenntnis der molekularen Grundlagen verhinderte bisher jedoch einen Einsatz dieser Technologien in großem Maßstab.

Jetzt ist es einem Team von Forschern des BiotechGenoMik-Netzwerks, das sich aus Wissenschaftlern der Universität Ulm, der Georg-August-Universität Göttingen und der Technischen Universität München zusammensetzt, gelungen, die gesamte Genomsequenz von Clostridium ljungdahlii zu entschlüsseln und auf dieser Basis die Entwicklung von geeigneten molekularbiologischen Werkzeugen voranzutreiben.

Damit eröffnen sich völlig neuartige Perspektiven zur Weiterentwicklung dieses Organismus zu einer neuen, mikrobiellen Produktionsplattform aus Syngas oder Kohlendioxid/Wasserstoff. Bei gleichzeitigem Verbrauch des „Klimakillers“ Kohlendioxid könnten so beispielsweise Massenchemikalien oder Enzyme produziert werden.

Die Entdeckungen der Forschergruppe werden auf der ProkaGENOMICS 2009 in Göttingen vorgestellt. Die vierte europäische Konferenz für prokaryotische Genomforschung (ProkaGENOMICS 2009) findet vom 4. bis 7. Oktober 2009 an der Georg-August-Universität Göttingen statt.

Zu der Veranstaltung werden rund 400 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland erwartet. Veranstaltet wird die Konferenz ProkaGENOMICS 2009 von den drei, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten GenoMik-Plus-Netzwerken, deren Zentren an den Universitäten Göttingen, Bielefeld und Würzburg angesiedelt sind.