Werte statt Worte?

Text von: redaktion

Was Glaubwürdigkeit und Vertrauen für Ihren Erfolg bedeuten.

„Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, ist häufig in Leitbildern von Unternehmen zu lesen, Integrität, Kooperation, soziale und ökologische Verantwortung gleich darunter.

In die Jahre gekommen und fast schon abgenutzt ist die „Nachhaltigkeit“, mit der alles betrieben werden soll. Auf Homepages, in Imagebroschüren und Festreden werden die edlen Worte – hilfreich und gut – hoch gehalten.

In den Köpfen vieler Mitarbeiter, von der Reinigungskraft bis zum Manager, sieht die Realität anders aus: „Bei uns ist der Mensch Mittel! Punkt!“, mehr nicht.

Unternehmenswerte, Führungsgrundsätze, Leitbilder sind aus Sicht vieler keinen Cent wert, werden eher mit Häme und Zynismus quittiert. Warum?

Man kann es leicht auf einen Nenner bringen: Wer dreimal lügt, dem glaubt man nicht. Wenn Werte „von oben“ vorgegeben, nicht persönlich mit erarbeitet sind, werden sie nicht ohne Weiteres geteilt.

Werte wie Achtung, Ehrlichkeit, Fairness oder Gerechtigkeit tragen letztlich das soziale Zusammenleben als Eckpfeiler.

Wenn diese häufiger im Organisationsalltag von Führungskräften oder gar der Spitze nicht ernst genommen und gebrochen werden, wird Glaubwürdigkeit verspielt.

Der Chef, der zu Weihnachten seine Mitarbeiter als „beste Köpfe“ lobt und Mitte Januar von „Idioten“ redet, die er mit „Können Sie denken?“ anfährt, verspielt Respekt. Die Firma, die ihre Lebensmittel neu datiert umetikettieren lässt und als „Frischeprodukt“ verkauft, stiftet nicht nur die Mitarbeiter zum Betrug an, sondern entwertet gleichzeitig die Kunden.

Fundamente und verbindender Mörtel des Zusammenlebens und des Wirtschaftens sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen, wie ein Turm aus Glas: langsam aufgebaut, aber schnell zerstört und kaum wieder zu kitten. Dies gilt sowohl im Qualitätsversprechen einer Marke als auch in der Unternehmensund Führungskultur – vom Kleinunternehmen bis zum Konzern.

Vertrauen aufbauen und als Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten ist in unserer offenen Informationsgesellschaft, in der jeder Vertrauensbruch sofort breit kommuniziert werden kann, eine der zentralen Aufgaben im Management.

Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner und Investoren werden längerfristig nur dann mit Ihnen zusammenarbeiten, wenn Sie sich als glaubwürdig erweisen. Vertrauen ist immer ein Vorschuss, der dadurch eingelöst werden muss, dass Sie Ihre Versprechen halten.

Glaubwürdigkeit lebt im Business davon, dass die Beteiligten integer sind. Das bedeutet nicht nur ehrlich und aufrichtig, sondern auch im echten Einklang mit den selbst zu vertretenen Werten zu sein. Hinzu kommt: Nur wenn Sie Ihre Absichten darauf ausrichten, einen fairen Ausgleich mit Ihren Partnern, d. h. auch den Mitarbeitern, zu erzielen und zu erhalten, fördern Sie Vertrauen und die Bereitschaft zum gemeinsamen Erfolg.

Jede Form der Kooperation wird dadurch leichter und damit schneller. Der Aufwand für Kontrolle sinkt, Kunden sind viel eher bereit, für vertrauenswürdige Qualität zu zahlen.

Nicht Geiz, sondern Vertrauen ist geil!

Mitarbeiter wechseln zu und bleiben in Firmen und Institutionen, in denen diese Leitwerte gelebt werden und mehr sind als bloße Worte. Vertrauen und Glaubwürdigkeit zahlen sich damit in hohem Maße aus. Sie steuern maßgeblich die Entscheidungen von Menschen. Was Sie in Ihrem Unternehmen dafür tun können, erfahren Sie in der nächsten faktor-Ausgabe, die im Juni erscheint.

Bernd Fritz-Kolle ist Coach und Geschäftsführer des Coaching Contor und Mitglied bei CONNEG, dem Unternehmensberater-Netzwerk in Göttingen.