Werte sind ein gutes Fundament

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Berater Axel Görs über die Bedeutung der Unternehmenswerte und wie sie zum Erfolg führen.

Herr Görs, Sie haben viele Firmen begleitet, Unternehmenswerte zu definieren. Wann kam das Thema auf?

Ich beobachte die Entwicklung seit ungefähr zehn Jahren. Ich kann keinen direkten Anlass dafür erkennen, es war einfach eine Zeitströmung.

Wie haben sich die Werte entwickelt?

Nun, zunächst waren Unternehmenswerte eine Frage der Ethik, fast sogar ein philosophisches Thema. Mittlerweile sieht man einen engen Zusammenhang zwischen Wertorientierung, Wachstum und Arbeitgeberattraktivität.

Aber sind Unternehmenswerte nicht eine Modeerscheinung?

Nein, das sicherlich nicht. Vielmehr werden sie in vielen Unternehmen als strategische Notwendigkeit erkannt, um Zukunftsperspektiven zu sichern.

Werte als wirtschaftlicher faktor?

Ja, denn Werte bringen Wachstum und die Chance, langfristig am Markt zu sein. Aber die Wirtschaftlichkeit kann nur ein Ergebnis von gelebten Unternehmenswerten sein und nur im Kontext mit anderen Werten erzielt werden.

Wie kann Arbeitgeberattraktivität durch Werte positiv beeinfl usst werden?

Indem Sie Werte schaffen, die von den Beschäftigten getragen werden. Nur wenn diese erkennen, dass ihre Arbeit Sinn macht, wenn sie emotional am Unternehmen beteiligt werden, dann tragen sie dieses positive Gefühl auch nach außen.

Das Image eines Unternehmens hängt heute wesentlich vom Personal ab. Die Stellensuche fi ndet heute hauptsächlich über das Internet statt. Wie weit spielen Werte da eine Rolle?

Das Internet hat die Wertediskussion beflügelt. Unternehmen präsentieren sich mit ihren Leitbildern – und nicht mehr nur über Kennzahlen. Zugleich teilen sich Mitarbeiter in unterschiedlichen Foren mit und bilden so ein Korrektiv oder eine Verstärkung zur Unternehmensleitung. Diese Transparenz hat ihre Tücken: denn jeder, der für die Werte steht, steht auch auf dem Prüfstand.

Wie beurteilen Sie es, dass Verfehlungen in die breite Öffentlichkeit getragen werden?

Man darf nicht vergessen: Niemand kann jemals perfekt sein! Die Werte müssen entmystifiziert werden, denn Verstöße sind bis zu einem bestimmten Grad menschlich. Eine Überhöhung der Werte spielt jenen in die Karten, die selbst mit Werten nichts anfangen können. Für sie ist es leicht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Wir sollten differenziert darauf reagieren und nicht mit pseudo-moralischer Hexenjagd.

Aber es muss erlaubt sein, darauf hinzuweisen, wenn Werte nicht eingehalten werden?

Natürlich. Die Nichteinhaltung von Werten im Unternehmen muss auch Sanktionen zur Folgen haben.

Das heißt, Sie fordern durchaus spürbare Konsequenzen?

Unbedingt. Aber das ist nicht als Bedrohung zu verstehen, sondern als Schutz. Die Unternehmensführung ist dazu sogar verpflichtet. Sie darf die Einhaltung der Unternehmenswerte nicht in die Eigenverantwortung der Mitarbeiter übergeben.

Was hilft dabei, Werte wirklich einzuhalten?

Werte müssen handlungsorientiert beschrieben werden, dann werden sie klarer. Und in der Praxis bewährt haben sich regelmäßige Feedbacks, die eine Rückmeldung von den Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten sowie zusätzlich von den Kunden und den Lieferanten einfordern.

Was kann ich als Unternehmer tun, damit die Werte tatsächlich gelebt werden?

Das Thema muss von der obersten Führungsebene gewollt und initiiert sein. Eine Möglichkeit, damit anzufangen, ist die Arbeit in Workshops, in denen Beschäftigte verschiedener Bereiche und Führungsebenen mitwirken. Bei größeren Unternehmen können mehrere Workshops parallel Werte erarbeiten, die anschließend auf das Zentrale verdichtet werden. Am besten macht man einen Vertrag mit den Teilnehmern, die diese gemeinsam erarbeiteten Werte mit ihrer Unterschrift besiegeln.

Ihr Fazit zum Thema Unternehmenswerte?

Werte sind ein gutes Fundament, wenn sie den einzelnen Mitarbeiter emotional erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Axel Görs ist Vorstandsvorsitzender der m3team AG in Bovenden.