Wer aufsteht, bewegt Großes

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Text von: redaktion

Fußballtrainer Mirko Slomka über erfolgreiche Motivations-Strategien

Im Sport ist es wie in der Wirtschaft – der Erfolg wird in weite Ferne rücken, wenn Sie und Ihr Personal nicht an einem Strang ziehen. Auf die Motivation kommt es an. Welche Qualitäten sollte also ein guter Motivator besitzen? Manche sagen, ein guter Fußballtrainer müsse seinen Spielern auch mal richtig in den Allerwertesten treten können. Ich vertraue darauf, dass nicht der Umfang, sondern der gezielte Einsatz von Einzelmaßnahmen eine erfolgreiche Motivations- Strategie ausmacht. Man kann viel erreichen, wenn man nicht den Spieler, sondern dessen Gehirn bewegt. Jüngere Erkenntnisse aus der Gehirnforschung bilden hierfür die Grundlage. Ich habe erlebt, wie mein Berufs- und ehemaliger Vereinskollege Ralf Rangnick im Training Eisenstangen verbiegen ließ.

Im Profifußball kommt es regelmäßig darauf an, das Team auf den Punkt fit zu machen. Als Trainer werde ich daran gemessen, ob mir dies gelingt. Und auch Sie werden damit konfrontiert, die Stimmung Ihrer Belegschaft mitunter wochenlang auf einem hohen Niveau halten zu müssen, wenn ein wichtiger Auftrag abzuarbeiten ist oder ein Projekt vor dem Abschluss steht. Niemand schafft das ohne die Gabe, für jeden einzelnen Spieler bzw. Mitarbeiter Anreize zu schaffen. Suchen Sie nach Ansatzpunkten! Was ist ihm oder ihr wichtig? Wie viel bedeutet die Familie? Was würde die Aussicht auf einen freien Tag zum passenden Zeitpunkt bewirken? Zum Ziel gesetzte Titel oder Bilanzzahlen erreicht die Gruppe nur, wenn sich jeder Einzelne als wertvoller Teil davon verstanden fühlt.

Längere Durstphasen stellen besondere Anforderungen an die Motivationsfähigkeit eines Vorgesetzten. Saisonale Abschwünge, verpatzte Aufträge oder verstimmte Kunden mussten Sie möglicherweise schon einmal verkraften. Mehrere Bundesligaspiele hintereinander verloren zu haben, war in der abgelaufenen Spielzeit für mich als Schalke-Trainer eine heikle Situation. Vor der wichtigen Partie in der Champions League gegen den FC Porto war die Stimmung des Teams angeschlagen, und ich stand vor der Aufgabe: Du musst dir etwas Besonderes einfallen lassen! Ich zeigte den Spielern eine extra in Auftrag gegebene DVD mit Szenen aus Boxkämpfen und scheinbar schon entschiedenen Fußballspielen, die der vermeintlich Unterlegene noch drehte. Ich wollte die Botschaft vermitteln: Du kannst auf dem Boden liegen, aber nur wenn Du wieder aufstehst, hast Du die Chance, noch Großes zu bewegen!

So gelang es tatsächlich, das Selbstvertrauen des Teams zu stärken. Danach blieben wir fünf Spiele ohne Niederlage. Videos sind vielleicht nicht das Mittel Ihrer Wahl. Hauptsache Sie können die Zielgruppe emotionalisieren. Gefühle zu wecken, ist ein prima Mittel, um die so genannte intrinsische Motivation anzuregen. Der Einfluss von außen kennt Grenzen. Sie können nicht 24 Stunden am Tag den Antreiber spielen. Zu erreichen, dass jemand es schafft, sich aus sich selbst heraus anzuspornen, ist entscheidend.

Meine überraschende Beurlaubung bei Schalke 04 war für mich ein Rückschlag. Doch aus dieser und anderen Situationen habe ich gelernt: Wenn Sie Verantwortung suchen, bleiben Negativerlebnisse nicht aus. Deshalb lautet mein Ratschlag: Seien Sie für kritische Anregungen offen. Aber wichtig ist es, Gelassenheit und Leidenschaft zu bewahren und Ihre langfristigen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Nur wenn Sie auf Ihrem Weg bleiben, werden Ihnen andere folgen.