Wenn Entscheider entscheiden…

Text von: redaktion

Coach Bernd Fritz-Kolle über “Vertraute Hölle oder unbekannter Himmel?“

Wen soll ich neu einstellen? Wer wird mein Nachfolger? Sollen wir investieren? Wie werden wir umstrukturieren? Wen müssen wir entlassen? Soll ich bleiben oder gehen?

Das Leben von Chefs und Führungskräften besteht aus einer Kette von Entscheidungen. Es hat durchaus seinen Grund, dass faktor als Magazin Sie, die Leser, als ‚Entscheider‘ anspricht. Entscheidungen zu treffen ist letztlich der Kern jeder Führungsaufgabe. Das wissen Sie selbst – und erleben es täglich in Ihrem Rahmen.

Viele Entscheidungen treffen Sie routinemäßig und machen Ihnen keine Mühe. Als Coach habe ich oftmals mit Entscheidern zu tun, die vor Entscheidungen mit größerer Tragweite stehen und sich ihrer Verantwortung sehr bewusst sind.

Fehlentscheidungen können und wollen sie sich nicht leisten.

Hinzu kommt, dass viele Entscheider unter hohem zeitlichen Entscheidungsdruck stehen, nicht selten sogar im ‚Entscheidungsstau‘ der aufgeschobenen Entscheidungen. Viele Entscheider fürchten kritische Reaktionen von Partnern, Mitarbeitern, Vorgesetzten und der Öffentlichkeit. Die Sorge vor schmerzlichen Konsequenzen und emotionalen Reaktionen lassen beispielsweise Kündigungen schwerfallen.

Die Ungewissheit, was auf mich zukommt, wenn ich ein Unternehmen verlasse, in dem ich seit langem unzufrieden bin, hält mich von Veränderungsentscheidungen zurück. Bleiben oder gehen? Da bleiben viele lieber in der ‚vertrauten Hölle‘ als in den ‚unbekannten Himmel‘ aufzubrechen.

Eines ist vielen Entscheidern nicht klar: Sie können sich nicht nicht entscheiden.

Wenn Sie an einer Weggabelung ankommen und sich weder für den linken noch für den rechten Weg entscheiden, dann treffen Sie de facto die Entscheidung, dort zu bleiben, wo Sie sind. Auch dies hat Auswirkungen. Die Frage, was passiert, wenn nichts passiert, stellen sich nur wenige bewusst. Oft genug sorgt diese Entscheidung lediglich für die Verlängerung der Eskalation eines unbefriedigenden Zustands – geschäftlich, beruflich und privat.

Wie können Entscheidungsprozesse leichter werden und besser gelingen?

Zuerst ist zu klären, um welche Frage es eigentlich geht und welches Ziel Sie ansteuern. Oft genug zeigt sich, dass miteinander konkurrierende Ziele im Spiel sind, unterschiedliche Interessen und Werte. Häufig werden Entscheidungen nicht im richtigen Moment getroffen, wenn kurzfristiger Ärger droht.

Ein wichtiger Schritt liegt daher darin, sowohl die kurzals auch die längerfristigen positiven wie negativen Konsequenzen bewusst und sys tematisch abzuklopfen. An dieser Stelle können Sie erkennen, dass z.B. die kurzfristig schmerzhafte Konsequenz einer Trennung und den damit verknüpften Sorgen viele Chancen für konstruktive Entwicklungen folgen können.

In Entscheidungsdilemmata ist es wichtig, nach Möglichkeit mit den Beteiligten offen über die Zwickmühlen zu sprechen, d. h. sie als solche zu benennen, um gemeinsam über die Lage, Ziele und Lösungswege zu beratschlagen. Wenn Absichten und Konsequenzen miteinander beleuchtet sind, Transparenz hergestellt werden konnte, dann werden auch schmerzhafte Entscheidungen leichter mitgetragen oder neue, ‚dritte‘ Alternativen gefunden.

In jedem Falle gilt: Aktives und bewusstes Entscheiden tut gut – den Entscheidern und ihren Unternehmen.

Bernd Fritz-Kolle ist Coach, Organisationsberater und Mitgesellschafter der teneo Organisationsberatung. Weitere Informationen: www.teneo-oe.org