Weniger Keime auf Smartphones als auf Spülschwämmen

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Text von: redaktion

Smartphones sind ständig in Gebrauch – macht sie das zur Infektionsquelle? Dieser Frage sind drei Geschwister aus Göttingen auf den Grund gegangen. Außerdem testeten sie, wie sich Bakterien auf Handys einfach und effektiv beseitigen lassen.

Dafür wurden sie beim „Jugend forscht“-Landeswettbewerb in Niedersachsen mit dem „Sonderpreis Mobilfunk“ ausgezeichnet.

Keime tummeln sich auf allen Alltagsgegenständen. Zwar sind viele von ihnen harmlos, doch können Krankheitserreger wie Enterobakterien Infektionen auslösen. Vor allem Gegenstände, die sich schlecht reinigen lassen und ständig genutzt werden, sind Brutstätten für Keime – also auch Mobiltelefone? Dieser Frage gingen die Geschwister Clara (15 Jahre), Adrian (13 Jahre) und Andreas (11 Jahre) Dobbelstein nach, die das Max-Planck-Gymnasium in Göttingen besuchen.

In einem Zeitungsartikel hatten sie gelesen, dass Touchscreens von Smartphones die reinsten Bakterienschleudern seien. „In dem Beitrag stand aber auch, dass die Studie keinen wissenschaftlichen Kriterien standhält. Daher wollten wir eigene Tests mit Smartphones und anderen Gegenständen durchführen“, erzählt Clara.

PCR-Maschine Marke Eigenbau

Als Nachweismethode wählten sie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), ein Verfahren zur Vervielfältigung bestimmter DNA-Sequenzen. Mithilfe einer sogenannten Gel-Elektrophorese lassen sich anschließend die gesuchten Bakterien bestimmen. Wie die Methode funktioniert, wussten Clara und ihre Brüder von einigen Schülerpraktika. Eine professionelle PCR-Maschine hätte das Projektbudget weit überschritten.

„Wir haben uns deshalb überlegt, mit einfachen Mitteln selbst einen entsprechenden Apparat zu konstruieren“, sagt Clara. Die Lösung der Geschwister: Sie funktionierten einen handelsüblichen Aluminium-Heizblock in eine PCR-Maschine um. Dazu klebten sie Leistungswiderstände zum Aufheizen des Blocks an. Für eine Kühlung sorgen Luftlöcher, an die ein Haushaltsstaubsauger angeschlossen wird. Da eine PCR nach bestimmten Temperaturzyklen abläuft, setzte Clara einen Temperatursensor in den Block ein, der mit einem programmierten Arduino-Board (einer Open-Source-Plattform aus Hard- und Software) verbunden ist. Über den Sensor wird die aktuelle Temperatur gemessen und dann so lange geheizt oder gekühlt, bis die Soll-Temperatur erreicht ist.

Das Ergebnis: Spülschwämme sind stärker keimbelastet als Mobiltelefone

Neben den eigenen Handys durften die Jungforscher die Smartphones von zwölf Klassenkameraden für ihre Untersuchung verwenden. „Wir haben die Proben der Handys nicht mit Namen, sondern nur mit Nummern gekennzeichnet, damit keine persönlichen Daten in den Tests auftauchen“, betont Clara. Die Testobjekte legten sie für fünf Sekunden auf selbst hergestellte Agar-Platten – gelartige Nährböden für Bakterienkulturen. Nach einer 16-stündigen Inkubationszeit konnten sie aus diesen Platten eine Probe entnehmen und eine Lösung für die PCR herstellen.

Die Hauptarbeit führten die Geschwister im selbst gebauten Labor durch. Für ein paar Tests durften sie die Infrastruktur des Instituts für Molekulare Onkologie der Universität Göttingen nutzen, wo ihr Vater arbeitet. Parallel zu Smartphones untersuchten die drei Tüftler andere Alltagsgegenstände, etwa Spülschwämme.

Das überraschende Ergebnis: Die „Ausbeute“ auf den Smartphones war viel geringer als angenommen. Zwar waren einige Handys stark mit Keimen besiedelt, im Durchschnitt erwiesen sie sich jedoch nicht als signifikante Infektionsquelle. Spülschwämme hingegen waren viel stärker belastet. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sein Smartphone ganz einfach reinigen: Schon ein Abwischen mit einem Küchen- oder Mikrofasertuch beseitigt den Großteil an Keimen, so ein weiteres Untersuchungsergebnis der Schüler.

„Alles in allem erscheint uns die Angst, das Smartphone könnte Krankheiten übertragen, nach unseren Versuchen übertrieben“, resümiert Clara. Neben dieser Erkenntnis dürfen sich die Geschwister nun auch über einen Doppelerfolg beim „Jugend forscht“-Landeswettbewerb in Niedersachsen freuen: Mit ihrem Projekt belegten sie nicht nur den dritten Platz im Fachgebiet Biologie, sondern wurden zusätzlich mit dem „Sonderpreis Mobilfunk“ ausgezeichnet.