Weltweite Innovation

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Text von: redaktion

An der HAWK Hochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen ist jetzt eine neue, mobile Anlage zur Reinigung von mit Feinstaub und Schimmel kontaminiertem Kulturgut in den Probebetrieb genommen worden.

Die ursprünglich an der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha eingesetzte maschinelle Technologie der elektrostatischen Reinigung zur Behandlung der Feinstaub-kontaminierten Karten des Perthes-Bestandes konnte damit erfolgreich weiterentwickelt werden.

Die neue Anlage ist deutlich kleiner als der Prototyp, statt ursprünglich acht Meter lang und zwei Meter breit ist sie nur noch drei Meter lang und 1,30 Meter breit, bietet aber die volle Funktionalität des großen Prototyps und übertrifft ihn sogar in der Leistungsfähigkeit.

Es können weiterhin Großformate mit einer Breite bis zu 1,10 Meter beidseitig gereinigt und jetzt sogar optional zeitgleich digitalisiert werden.

Die in der Praxis bisher getrennten und von unterschiedlichen Abteilungen ausgeführten Arbeiten können nun in einem Arbeitsgang innerhalb weniger Minuten erfolgen. Zudem konnte die elektrostatische Ladung um das fünffache erhöht und damit die Reinigungsleistung erheblich gesteigert werden.

Die Anlage ist Stecker fertig konzipiert, kann an das normale Stromnetz angeschlossen werden und ist im laufenden Betrieb angenehm leise, vergleichbar mit einem Kopierer.

Sie wird nach erfolgreichem Abschluss der Testläufe und den damit verbundenen Untersuchungen auch auf den Markt kommen.

Dem Team unter der Leitung von Ulrike Hähner und Karin Petersen von der HAWK-Fakultät Bauen und Erhalten ist es innerhalb von nur einem Jahr gelungen, den neuen Prototyp fertig zu stellen.

Die Erfinder der Technologie sind Gerhard Banik von der Universität für Angewandte Kunst Wien und Ernst Becker.

Von Banik erhält das Team ebenfalls kontinuierlich wichtige Unterstützung.

Das Ziel

Das Ziel der nun folgenden Testläufe ist die sichere Anwendung der Anlage für die Reinigung und Digitalisierung der zehn Regalkilometer mikrobiologisch verseuchter Akten des Niedersächsischen Landesarchivs Hannover.

In die Testläufe eingebunden sind auch kontaminierte Textilfragmente der Von Veltheim Stiftung Helmstedt sowie historische Fotografien.

Die Untersuchungen zur Anwendung bei Fotografien erfolgen gemeinsam mit dem Studiengang Konservierung und Restaurierung von Graphik, Archiv- und Bibliotheksgut der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart unter Leitung von Irene Brückle.

Die weiteren Untersuchungen betreffen den Gesundheits- und Arbeitsschutz, den zu entwickelnden Mengenworkflow für Schimmelschäden sowie die Qualitätskontrolle der Reinigungsmaßnahmen.

Ihr Ziel ist die gleichmäßige und vollständige Abnahme der lose aufliegenden, gesundheitsgefährdenden, feinen und überwiegend unsichtbaren Partikel.

Darüber hinaus dürfen negative Oberflächeneffekte, wie z.B. Aufrauen der Materialien, Substanz- und Informationsverlust, Verbreitung von Sporen und Stäuben nicht auftreten.

Standardisierte Qualitätskontrollen gibt es in der Restaurierung noch nicht. Sie sollen innerhalb dieses und eines Folgeprojektes entwickelt werden. An dieser wichtigen Thematik wird sich auch das Historische Archiv der Stadt Köln für die effektive und zugleich schonende Reinigung der massenhaft durch alkalische Bauschuttfeinstäube geschädigten Archivalien beteiligen.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat die Projektarbeitsgruppe ermutigt, auf diesem Gebiet unbedingt weiterzuarbeiten. Von der vielfältigen interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsarbeit profitieren auch die Studierenden der HAWK, denn sie werden aktiv eingebunden und die neuen Erkenntnisse in der Lehre vermittelt.

Die Forschungsergebnisse sowie die neue Anlage werden 2013 den Archiven, Bibliotheken und Museen vorgestellt.