Die Gestalterin

© Alciro Theodoro Da Silva
Text von: redaktion

Andrea Zimmermann ist selbständige Gestalterin. Mit Kleinstein will die junge Unternehmensgründerin den Textil-Markt erobern und dabei auch noch Wissen vermitteln. 

Text: Marisa Müller

Kleine Häuschen in einem Wohngebiet in Hildesheim, niedliche Vorgärten und mittendrin sie: Jungunternehmerin Andrea Zimmermann im Pünktchenkleid. Im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses wohnt und arbeitet die selbständige Kinder- T-Shirt-Designerin – Geschäftsräume gibt es nicht. „Wenn irgendwann mal mehr Geld da ist, würde ich mich natürlich sehr über eine richtige Firma samt Büros und Kreativräumen freuen, jetzt geht es aber auch erstmal so“, erklärt die 31-Jährige, die ihre Waren sowieso hauptsächlich über den Onlineshop vertreibt.

Ihr Arbeitsbereich ist ihre Wohnung – Schneideplotter und T-Shirt-Presse teilen sich ganz harmonisch Raum mit Sofa und Bücherregal. Bei Andrea Zimmermann ist noch nicht alles perfekt, doch ihr Unternehmen Kleinstein befindet sich auch erst im ersten Jahr. Die Idee zu Kleinstein, übrigens zusammengesetzt aus ‚kleine Einsteins‘, entstand 2010: Zimmermann wollte ihrem Neffen ein Geschenk machen, fand nichts Passendes und designte selbst ein T-Shirt. „Das war der Auslöser für die Selbständigkeit“, erzählt sie heute. „Wenn nicht jetzt, dann hätte ich es vielleicht nie gewagt.“ Tatsächlich waren anschließend noch zwei Jahre Planungsphase nötig, um die Idee zu perfektionieren.

Das Besondere an Kleinstein: Die fair gehandelten Bio-Baumwolle-T-Shirts sind nicht nur mit Zimmermanns liebevoll entworfenen Motiven bedruckt, sie dienen außerdem der Kommunikation und dem spielerischen Lernen. „Kleinstein erklärt mit bunten T-Shirts die Welt – zumindest alles, was Kinder wissen müssen“, so Zimmermann. Mit dem Ampel- T-Shirt lernen die Kinder die Ampelfarben und ihre Bedeutungen kennen, das Richtungs- T-Shirt mit bunten Pfeilen hilft der Orientierung, denn besonders rechts und links ist für viele Kinder schwer zu verstehen.

„Ich bin Kleinstein, ein Ein- Mann-Unternehmen, dementsprechend muss ich vieles selber können“, erklärt die junge Designerin. Glücklicherweise bietet die Gründungsinitiative der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hilfe an: „Betriebswirtschaft, Recht, Marktforschung und Akquise – ich lerne dort aus den verschiedensten Bereichen. Und ich muss alles im Blick haben, sonst wird aus Kleinstein nichts“, so Zimmermann. Statistisch gesehen seien ihrer Kenntnis nach alle Unternehmen erst in der sicheren Zone, wenn sie die ersten drei Jahre überlebt haben.

Für ihren Start gab es 18.000 Euro vom Gründungscampus Niedersachsen. Das Unternehmen trägt sich aber noch lange nicht selbst. Um sich ihren Traum leisten zu können, arbeitet Zimmermann als Dozentin an der HAWK in Hildesheim und Göttingen und ist zudem als freiberufliche Grafikdesignerin tätig. „Das ist normal, kein Unternehmen schreibt direkt schwarze Zahlen. Eine Marke braucht eben, um bekannt zu werden“, erklärt sie.

Doch erste Erfolge stellen sich bereits ein; zuletzt wurde sie mit dem ‚futurevision‘, dem Gründerpreis 2014 des Technologiezentrums Hildesheim (TZH) und einem Preisgeld von 1.000 Euro belohnt. Derzeit designt Zimmermann einen ‚Kleinstein‘, der sowohl Maskottchen als auch T-Shirt-Motiv werden soll. Auch die Verpackung der Shirts, die Waschanleitung und der Kinderbastelbogen stammen aus der Feder der kreativen Gründerin. „In Kleinstein steckt viel Begeisterung und Herzblut. Für das ,Organe-TShirt‘ brauche ich schon eine halbe Stunde – alles mit Liebe gemacht“, sagt sie mit einem Lächeln.

Dennoch geht es alleine nicht ewig weiter. Klar ist, Kleinstein soll wachsen. Andrea Zimmermann träumt von einem großen Unternehmen, von weiteren Produkten und einem hohen Wiedererkennungswert: „Kleinstein dürfte gern so bekannt sein wie Diddl-Maus“, sagt sie verschmitzt. Als nächstes gehen aber erstmal Wand- Tattoos für Kinder auf den Markt. „Das ist das optimale Produkt, um Größenverhältnisse darzustellen: Wie groß ist ein Hase, wie groß ist ein Tiger… Um solche Inhalte wird es gehen“, erklärt sie die neue Idee mit didaktischem Anspruch.

Damit diese auch in deutsche Kinderzimmer gelangen, schaut sich Zimmermann momentan nach geeigneten Messen um, auf denen sie ausstellen möchte. Ein Vertriebler wäre auch nicht schlecht, weiß sie und plant ihre nächsten Schritte. „Ich brauche jetzt dringend Kontakte, ein Großhändler wäre ideal, um das Unternehmen voranzubringen“, sagt sie und träumt vom ,Wolken-T-Shirt‘ in 10.000er Stückzahl.

„Man sollte wissen,was man macht, und auf keinen Fall einfach blind vertrauen“, rät sie allen angehenden Jungunternehmern. Wer eine Firma gründen möchte, müsse sich außerdem bewusst sein, dass eine Menge Arbeit auf einen zukomme.

„Man muss den Mut haben und sich auch des Risikos bewusst sein. Finanziell kann es schnell vorbei sein, der Stress kann einen zermürben, das sollte man bedacht haben.“ Doch wer um dieses Dinge weiß und dennoch gründen möchte, der solle „weiter an seinen Traum glauben, kämpfen und nicht aufgeben“.