“Warum nicht mal Hand anlegen?“

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sebastian König

Kreishandwerksmeister Christian Frölich weiß, was ‚sexy‘ ist und warum die Lehre im Handwerk noch heute Erfolg verspricht.

Vor fast 20 Jahren stieg Christian Frölich (Foto) in das Baugeschäft August Frölich ein, das sein Vater 1988 gegründet hatte. Heute leitet er das Unternehmen sowie die angeschlossene Frölich Bau-Projektentwicklung allein. Als Kreishandwerksmeister für Südniedersachsen engagiert er sich für die Ausbildung im Handwerk. Mit einer neuen Kampagne – und im Interview mit faktor AUSBILDUNG – versucht er, das veraltete Image zu entstauben.

Ausbildung versus Studium, wer hat die Nase vorn?

Schwer zu sagen, aber die Zukunftschancen mit einer Ausbildung im Handwerk könnten kaum besser sein. Es ist ein Trugschluss, dass man mit einem Studium bessere Chancen auf einen Beruf hat. Durch die fehlende Praxis ist der Einstieg in einen Job oft gar nicht so leicht. Mit einer Ausbildung in einem handwerklichen Beruf bringen Gesellen bereits viele praktische Erfahrungen und wichtige Kompetenzen mit. Mit diesen Grundlagen können sie sich auf dem Arbeitsmarkt gut und teuer verkaufen. In vielen Handwerksberufen haben die Betriebe große Schwierigkeiten, ihren Bedarf an Nachwuchskräften für die Besetzung der Lehrstellen zu decken.

Woran liegt das? Ist die Ausbildung im Handwerk nicht mehr ‚sexy‘ genug?

Zugegeben: Das Image der dualen Ausbildung im Handwerk ist momentan nicht das beste. Doch der Schein des ‚Angestaubten‘ täuscht. Handwerkliche Berufe sind unglaublich spannend. Es geht darum, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, das andere Menschen brauchen. Handwerker erleben jeden Tag das wunderbare Gefühl, nach getaner Arbeit auf das blicken zu können, was sie am Tag geschaffen haben. Dabei bietet das Handwerk viele verschiedene Berufe. Hier ist für jeden etwas Passendes dabei.

Wie finden interessierte Schüler heraus, welcher Handwerksberuf ihren Interessen und Talenten entspricht?

Am besten im Internet auf der Seite www.handwerk37.de umsehen! Die neue Seite der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen ist vor Kurzem gestartet. Auf der Seite sind neben Kontaktdaten und Neuigkeiten vor allem detaillierte Beschreibungen der verschiedenen Berufe zu finden. Hier gibt es Informationen über die Dauer, die Aufgaben und Tätigkeiten sowie über die Zugangsvoraussetzungen zu den jeweiligen Ausbildungen. Besonders spannend sind die Videoclips zu den Berufen. Darin berichten Lehrlinge hautnah über ihren Alltag und ihre Aufgaben. Zu guter Letzt erfahren die Besucher etwas über die Vergütung, die während der Ausbildung in der jeweiligen Branche gezahlt wird. Vorgestellt werden alle gängigen Berufe vom Anlagenmechaniker und Bäcker über Dachdecker und Fleischer bis hin zum Kfz-Mechatroniker, Maler und Tischler.

Bietet sich fertigen Gesellen anschließend eine Perspektive für einen festen Job?

Die Aussichten sind ausgezeichnet. Der Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte ist in vollem Gange und wird in den kommenden Jahren noch zunehmen. Für erfolgreiche Absolventen wird es kein Problem sein, nach der Lehre einen festen und sicheren Arbeitsplatz mit einer attraktiven Entlohnung zu finden.

Und wie sieht es mit Aufstiegschancen aus?

Jeder Geselle kann sich zunächst über Zusatzqualifikationen innerhalb der Betriebe weiterentwickeln und die Karriereleiter hinaufsteigen. Im weiteren Verlauf bietet sich zudem die Ausbildung zum Meister an. Hierzu steht mit dem Meisterbafög eine gute Möglichkeit zur Finanzierung bereit. Nach erfolgreichem Abschluss der Meisterprüfung stehen viele Wege offen. Meister können zum einen in leitenden Positionen im Anstellungsverhältnis bei Betrieben arbeiten oder zum anderen ihren eigenen Weg als Selbständige suchen.

Wie funktioniert der Weg in die Selbständigkeit?

Neben dem Aufbau eines eigenen Betriebs werden sich in den kommenden Jahren viele Möglichkeiten bieten, bereits etablierte Firmen zu übernehmen. Denn unzählige Firmenchefs warten nur auf junge, motivierte Nachwuchskräfte, an die sie ihre Betriebe irgendwann einmal weitergeben können. In vielen Unternehmen ist die Frage des Übergangs nämlich noch völlig ungeklärt. Oft fehlt der eigene Nachwuchs, oder das Interesse der Nachkommen am Beruf ist nicht gegeben. Genau an dieser Stelle entwickeln sich Chancen für Außenstehende. Natürlich birgt die Selbständigkeit immer Risiken, aber sie bietet eben auch die Freiheit, das Leben und die Arbeit ohne Zwänge gestalten zu können.

Vielen Dank für das Gespräch!