Gleichstellungsbeauftrage: In Göttingen ein Job für gleich acht Frauen?

Sind wir alle gleich? Haben Frauen und Männer im Leben und in der Arbeitswelt wirklich die gleichen Chancen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen. In der Stadt Göttingen gibt es dazu gleich eine ganze Abteilung mit acht Frauen – warum eigentlich?

Die Istanbul-Konvention
Das Übereinkommen des Europarats zur
Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt von 2011 ist ein völkerrechtlich bindendes Instrument zur umfassenden Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Dazu gehören Opferschutz, Prävention und Strafverfolgung sowie die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen.
Die 81 Artikel der Istanbul-Konvention enthalten umfassende Verpflichtungen zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, zum Schutz der Opfer und zur Bestrafung der Täter (www.unwomen.de).

Frauen & Wirtschaft
Ziel dieser Koordinierungsstelle ist es, die gleichberechtigte Teilhabe an Führung und
damit auch den gleichberechtigten Einfluss auf die Strukturen und die Kultur von Organisationen zu erreichen. Insbesondere mit der Institu­tionalisierung der Gleichstellungsfrage in den 80er- und 90er-Jahren wurde dem Öffentlichen Dienst eine Vorbildfunktion zugewiesen – der dieser nur bedingt gerecht wird. (aus: „Mehr Frauen in Führung: So könnte es gehen …“)

Antidiskriminierungsarbeit
Sie begegnet Diskriminierung, Benachteiligungen und Ausgrenzungen aktiv. Im besonderen Maße gilt dies für die im Allgemeinen Gleich-
behandlungsgesetzt (AGG) genannten Dimensionen: Herkunft und rassistische Zuschreibung, Geschlecht, Religion und Weltanschauung,
sexuelle Identität, Lebensalter, chronische
Erkrankung und Behinderung. Die Antidiskriminierungsstelle der Stadt Göttingen strebt strukturelle Veränderungen in Verwaltung und Kommune an. (www.goettingen.de)


Wer im Internet nach der Gleichstellungsbeauftragten für Göttingen sucht, findet tatsächlich acht Ansprechpartnerinnen. Angesichts der angespannten Finanzlage Göttingens mag das zunächst irritieren. Der Grund ist allerdings recht simpel, denn der Suchende landet auf der Seite des hiesigen Gleichstellungsbüros. Was in anderen Städten auf verschiedene Ressorts verteilt wird, ist im Göttinger Gleich­stellungsbüro zusammengefasst. Denn: Die einzelnen Mitarbeiterinnen haben inzwischen eine ganze Reihe von Aufgaben zu erfüllen.

Christine Müller leitet das Büro. Sie ist die eigent­liche Gleichstellungsbeauftragte für die Stadt Göttingen und – das ist hier etwas Besonderes – sie ist auch für die Umsetzung des Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetzes in der Stadtverwaltung zuständig, bei ihrem ­Arbeitgeber also. Außerdem wird das Frauenforum ­Göttingen von ihr koordiniert – ein feministischer ­Zusammenschluss von Menschen, die sich als Frauen und/oder als weiblich identifizieren. Gemeinsam mit dem Gleichstellungsbüro veranstaltet das Frauenforum beispielsweise eine öffentliche Gesprächsrunde zur diesjährigen Oberbürgermeisterwahl, bei der es um die gleichstellungs­politischen Schwerpunkte der Kandidaten geht. Müller ist Mitglied im Netzwerk kommunaler Gleichstellungsbeauftragter und Ansprechpartnerin bei Fragen zur Integration insbesondere von Frauen.

Müllers Stellvertreterin Britta Thür überwacht die Einhaltung des sogenannten „Gender Mainstreaming“ in der Kinder- und Jugendarbeit. Dabei geht es um die Frage, ob in allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Auswirkungen auf Mädchen und Jungen grundsätzlich beachtet werden. Thür ist Ansprechpartnerin für die Kompetenzförderung von Mädchen durch Sport. Sie koordiniert Mädchen­arbeitskreise, die unter anderem eine Beratungsstellen-­Rallye für Schüler und Multiplikatoren anbieten, in denen spielerisch darüber aufgeklärt wird, welche vielfältigen Freizeitangebote und Unterstützungsmöglichkeiten es für Jugendliche gibt. Dabei können Themen wie die Berufs- und Lebensplanung, Stress mit Freunden und Eltern, ­sexualisierte und häusliche Gewalt, ungewollte Schwangerschaft, die sexuelle Identität, Essstörungen oder ­geschlechtsspezifische Angebote angesprochen werden.

Natalia Hefele leitet die Koordinierungsstelle „Frauen & Wirtschaft“, die Frauen bei allen Fragen rund um Beruf und Familie berät. Das geht von der Regelung der Elternzeit bis zur Rückkehr in den Beruf. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Beratung von Frauen in Führungspositionen. Sie ist die Geschäftsführerin des Unternehmensverbundes „Frau & Betrieb“ e. V., dessen Mitglieder sich für familienfreundliche Beschäftigungsstrukturen, flexibles Personalmanagement und zukunftsorientierte Personalplanung engagieren. Auch die Organisation und Durchführung von Fach- und Informationsveranstaltungen, auf denen sich Frauen in Führungspositionen über ihre Rechte und Möglichkeiten in der Wirtschaftswelt informieren können, gehört zu Hefeles Aufgabenbereichen. Hier geht es um Themen wie die Anerkennung der Elternzeit oder Führungsposten in Teilzeitarbeit.

Janny de Wall kümmert sich als Projektassistentin von Natalia Hefele um das Sekretariat, die Finanzen und die Organisation von Veranstaltungen.

Heike Sieber ist Netzwerkkoordinatorin der Anti­diskriminierungsstelle für die Stadt und den Landkreis ▸ Göttingen. Ihre Aufgabe ist die Umsetzung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Um dabei ein möglichst großes Publikum anzusprechen, betreut sie die Organisation von Arbeitsgruppen – etwa zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Diskriminierung. Ebenso ist sie für den Ausbau der Erst- und Verweisberatungsstrukturen zuständig, bei denen hilfe- oder ratsuchende Menschen Unterstützung finden und erfahren, an wen sie sich in ihrer individuellen diskriminierenden Situation wenden können.

Alice Pfaffenrot koordiniert die Arbeit der Anti­diskriminierungsstelle der Stadt Göttingen. Hier geht es um die Belange von Opfern jeglicher Art von Diskriminierung. Pfaffenrot leitet das Projekt „Vielfalt sichert ­Zukunft – Chancengleichheit als Investment für Wirtschaft und Gesellschaft in der Region Göttingen“ und kümmert sich um das Berichtswesen und die Öffentlichkeitsarbeit. Sie hat die Aufgabe, strukturelle Veränderungen zur Verringerung von Diskriminierung anzuregen.

Anna Maierl betreut die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Gewalt gegen Frauen und ko­ordiniert das Netzwerk von lokalen Fachstellen sowie verschiedenen Hilfsdiensten, Jobcentern und Ausländer­behörden. Dabei ist es wichtig, Mitarbeiter solcher Einrichtungen dafür zu sensibilisieren, Anzeichen, die auf Gewalteinwirkung hinweisen könnten, bei ihren Klienten wahrzunehmen und bei Bedarf Hilfe anzubieten. Folglich ist sie auch die Ansprechpartnerin für die ­Umsetzung und Einhaltung der sogenannten Istanbul-­Konvention (siehe separater Infotext).

Ilse Lagerhausen unterstützt alle Ansprechpartne­rinnen des Gleichstellungsbüros. Sie leitet das Sekreta­riat, sorgt für einen reibungslosen Arbeitsablauf, verwaltet die Finanzen und organisiert Veranstaltungen.

Diese Übersicht bildet (schon aus Platzgründen) naturgemäß nur einen kleinen Teil der Arbeit des Gleichstellungsbüros ab – und sie lässt zumindest erahnen, warum es tatsächlich eine ganze Abteilung mit acht Mitarbeiterinnen dafür braucht. In einer idealen Welt wäre überhaupt keine übergeordnete Instanz zum Schutz von Menschen, egal in welcher Lebenslage, nötig. ƒ

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