Warmer Geldsegen

Text von: Claudia Klaft

Die Region ist auf dem besten Wege vom Messtechnik-Netzwerk zum Spitzencluster: mit Measurement Valley Göttingen.

In einer konzertierten Aktion nehmen 50 Unternehmen, 40 Wissenschaftsinstitutionen und 10 assoziierte Partner, überwiegend aus der Region von Einbeck bis Kassel, am bundesweiten Spitzencluster-Wettbewerb teil und haben nach 16-monatiger Vorarbeit eine aussagekräftige Antragsskizze mit dem Titel „Measurement Valley Göttingen“ eingereicht.

Maximal 40 Millionen Euro über einen Förderzeitraum von fünf Jahren winken den Gewinnern – Geld, das zur Stärkung der Innovationskraft leistungsfähiger Cluster aus Wirtschaft und Wissenschaft und zur Erreichung einer internationalen Spitzenposition genutzt werden soll.

Spezifizierte Projekte zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen werden genauso gefördert wie die marketingmäßige Profilierung der Region. Und das setzt voraus, dass der große Kreis der regionalen Mitspieler sich mit konkreten Zielen und Inhalten auseinandersetzt.

Genau darin liegt die Stärke der Region: intensive Netzwerkarbeit. Viele der 36 Mitglieder des seit zehn Jahren bestehenden Measurement Valley e.V. – dem regionalen Kompetenznetz von Messtechnik-Unternehmen, Forschungsinstituten und Bildungseinrichtungen – sind auch am Spitzencluster-Projekt beteiligt. Dies wurde bereits Anfang Januar 2008 von Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer initiiert und seitdem – unterstützt durch eine zehnköpfige Lenkungsgruppe – intensiv begleitet.

„Das Interesse an einer strategischen Erweiterung der Systemkompetenz als auch des Dachmarkenkonzepts ist groß“, sagt Projektleiter Bernd Schieche von der städtischen Wirtschaftsförderung GWG, der seit Beginn sämtliche Aktivitäten koordiniert.

Eine weitere Stärke ist die Vielfalt der Messtechnik im südniedersächsischen Raum: Eine große Anzahl von meist kleinen und mittelgroßen Firmen hat sich darauf spezialisiert und arbeitet dafür eng – zukünftig noch intensiver – mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen.

Für diese zukunftsfähige Branche, die als Schlüsseltechnologie eine enorme Hebelwirkung auf andere Wirtschaftszweige hat, entwickeln und produzieren sie Hightech-Produkte, mit deren Hilfe weitere Produktinnovationen in der Industrie erst möglich sind.

So ist modernste Messtechnik beispielsweise in den Bereichen Gebrauchsgüterproduktion, Logistik und Verpackung oder auch in der Medizin und der Pflanzenzucht unerlässlich – Märkte mit zukünftig steigenden Umsätzen.

„Mit den ansässigen Max-Planck-Instituten, der Georg-August-Universität, den unterschiedlichen Fachhochschulen, dem Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie dem Laser Laboratorium Göttingen (LLG) haben wir exzellente Forschung vor Ort, die Fragestellungen von außen für neue Herausforderungen und eine praxisnahe Ausbildung gerne annimmt“, erläutert Schieche.

„Auf der anderen Seite profitieren die Unternehmen von neuen Ideen und Lösungen der Forscher. Es ist eine echte Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“

Dass nicht nur die Möglichkeiten für Synergieeffekte gegeben sind, sondern diese auch genutzt und intensiviert werden wollen, das bestätigt die gemeinsame Vorarbeit zur Beteiligung am Wettbewerb.

Mit politisch breiter Schubkraft und entsprechender Unterstützung der Lenkungsgruppe und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH (GWG) wurde am 15. April 2009 der Wettbewerbsbeitrag „Measurement Valley Göttingen: Die neue Dimension der Messtechnik – prozessintegriert, multisensorisch, adaptiv“ beim BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) eingereicht.

Darin sind fünf Leitthemen, 100 Absichtserklärungen und mehr als 60 Kooperationsprojekte skizziert. Das Gesamtvolumen der Vorhaben beträgt knapp 90 Millionen Euro – die Hälfte davon ist der vom Wettbewerb vorausgesetzte Eigenmittelanteil, der maßgeblich von den drei Ankerpartnern Sartorius, Mahr und Otto Bock Health Care getragen wird.

„Durch die Bündelung der Interessen können wir der Region nach außen hin ein stärkeres Profil geben und uns dadurch zu einem Zentrum für Messtechnik entwickeln, das auch international bedeutend ist und zukünftig vermehrt zur Standortsicherung beiträgt“, sagt Schieche.

Am 25. Juni wird entschieden, wer von den 24 bundesweiten Teilnehmern in die Endausscheidung kommt – im Januar 2010 werden die fünf Gewinner bekannt gegeben.