“Wahre Schönheit kommt von innen“

Text von: Stefan Liebig

Fazit einer Workshop-Reihe: TOPAS – die ersten Top-Arbeitgeber der Region sind ausgezeichnet.

Die demografische Entwicklung verursacht Fachkräftemangel – das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber gerade in strukturschwachen Regionen wie Südniedersachsen ein wachsendes Problem. In der Region sitzen zahlreiche erfolgreiche kleine und mittelständische Unternehmen sowie Global Player, die zum Teil weltweit als Marktführer agieren und auf der Suche nach potenziellen Mitarbeitern sind.

Arbeitgebermarketing – auch Employer Branding genannt – gewinnt daher immer mehr an Bedeutung, um qualifiziertes Personal einstellen und halten zu können. Grund genug für die SüdniedersachsenStiftung, mit ihrer Dachmarke geniusgöttingen auch in diesem Themenkomplex einen Schwerpunkt zu setzen.

Angeregt durch die Diskussionen der IHK-Fachkräftekonferenz konzipierte die SüdniedersachsenStiftung gemeinsam mit der IHK-Geschäftsstelle Göttingen und den Organisationsberatern Bernd Fritz-Kolle und Andrea Stöber, Gesellschafter der teneo Organisationsberatung, ein Arbeitgeberlabel.

Mit ,TOPAS – Top-Arbeitgeber Südniedersachsen‘ entwickelte das Projektteam eine Workshop-Reihe, um Unternehmen beim systematischen Auf- und Ausbau des Arbeitgebermarketings und der Schärfung ihres Profils als attraktive Arbeitgeber zu unterstützen. Das neue Qualitätslabel stieß schnell auf großes Interesse und überzeugte wichtige Kooperationspartner wie die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG), die Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) und den faktor.

Sie alle dienten als Multiplikatoren, um Interessenten von der Wichtigkeit des strategischen Personalmarketings zu überzeugen. „Wir wurden positiv überrascht: Wir bekamen in kürzester Zeit 24 Anmeldungen – doppelt so viele wie erwartet“, sagt Fritz-Kolle, und so teilten die Veranstalter die Teilnehmer in zwei Gruppen auf. Der Startschuss zum ersten der fünf Workshops fiel im Januar 2013.

„Besonders beeindruckte mich der offene Austausch während der Workshops. So bekamen wir viele neue Anregungen für ein erfolgreiches Arbeitgebermarketing“, sagt Claudia Bölter, die bei KWS Saat in Einbeck für das Corporate Employer Branding zuständig ist und stets nach neuen Wegen für die Ansprache von Fachkräften sucht. Die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen machte die Workshops besonderes spannend: Geschäftsführer, Personaler und Marketingfachleute von Mittelständlern und Global Playern tauschten sich über ihre Aktivitäten aus.

Um einen authentischen Einblick in die Firmenkultur der einzelnen Teilnehmer zu ermöglichen, fanden die Veranstaltungen seit dem zweiten Workshop bei den jeweiligen Unternehmen statt. So stellten KWS Saat, das Autohaus Leinetal, die Göttinger Werkstätten und Copernicus sowie Sycor, die Sparkasse Duderstadt und Renneberg und Partner ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Neben dem Wissen, wie sie am besten passende Mitarbeiter rekrutieren können, nahmen die Unternehmen wichtige Tipps zum Thema Mitarbeiterbindung mit.

Kai Scheithauer, verantwortlich für Marketing, Personalmanagement und Strategieplanung bei Renneberg und Partner, sieht sein Unternehmen durch die neugewonnenen Kenntnisse nun noch besser aufgestellt: „Wir haben vor allem im Bereich der Organisationsstrukturen große Fortschritte erzielt. Verantwortlichkeiten sind beispielsweise durch genauere Arbeitsplatzbeschreibungen klarer definiert.“ Weit fortgeschritten auf dem Gebiet der Mitarbeiterbindung schätzte noch zu Beginn des Jahres Marion Laudenbach, Abteilungsleiterin für Personal und Gesundheit bei den Göttinger Werkstätten, ihr eigenes Unternehmen ein. Doch auch sie stieß auf Verbesserungspotenzial.

„Für uns lautet die Lehre aus den Workshops: Tue Gutes und rede darüber“, sagt Laudenbach. „Wir müssen unseren derzeitigen, aber auch potenziellen Mitarbeitern noch besser vermitteln, was für ein gutes Arbeitsumfeld sie hier haben.“ Aber vor allem bei Unternehmen, die auf dem Gebiet des Arbeitgebermarketings noch gänzlich untätig sind, gab und gibt es Handlungsbedarf. „Das ist aber genau das Problem“, erläutert TOPAS-Projektcoach Andrea Stöber, die den derzeitigen Teilnehmern bescheinigt, sich bereits intensiv zu engagieren. „Die, die noch nicht für diese Thematik sensibilisiert sind, scheuen offenbar auch den Weg in eine solche Workshop- Reihe.“ Daher steht gerade die Vermittlung der aus den Workshops gewonnenen Erkenntnisse im Fokus der Veranstalter, und so stellt die SüdniedersachsenStiftung auf ihrer Homepage den Leitfaden als Download bereit.

Zum Ausklang der Reihe fanden ,Auditgespräche‘ statt, in denen die Unternehmen die Umsetzung ihrer selbst gesetzten Projektziele reflektierten. Die Teilnehmer des Pilotprojektjahres zogen eine durchweg positive Bilanz. Auch die Veranstalter waren zufrieden. Sie verliehen den Unternehmensvertretern auf der Abschlussveranstaltung am 3. Dezember ihre Zertifikate als ‚Top-Arbeitgeber Südniedersachsen‘ und gratulierten zur Qualifizierung als ‚Employer Branding Manager‘.

„Wir haben einen guten Weg eingeschlagen, den wir im nächsten Jahr fortsetzen werden. Der Bedarf, sich im strategischen Arbeitgebermarketing professionell aufzustellen, ist groß“, sagt Matthias Maring, Vorstandsassistent der Südniedersachsen- Stiftung, mit Blick auf die lange Liste der Voranmeldungen für eine bereits in der Vorbereitung befindliche Neuauflage. Zudem sind auch aufbauende Workshops und Audits für die Premierenteilnehmer geplant.

Auch über einen regelmäßig stattfindenden Stammtisch wird nachgedacht. „Ich glaube, der Erfolg des Pilotprojekts TOPAS wird der Region einen Schub im Bereich des Arbeitgebermarketings geben und hoffentlich viele zuzugswillige Fachkräfte anlocken“, sagt IHK-Geschäftsstellenleiter Martin Rudolph, der als Ziel 100 TOPAS-zertifizierte Unternehmen für Südniedersachsen vorgibt. Die Experten für Employer Branding, Fritz-Kolle und Stöber, bilanzieren zufrieden, dass das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Themas wächst. Fritz-Kolle unterstreicht dies, indem er mit einem Augenzwinkern hinzufügt: „Employer Branding ist für jedes Unternehmen unverzichtbar, denn wahre Schönheit kommt von innen.“