Wachstum kann nur über Innovation generiert werden

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Stefan Liebig

Lothar Herlitze, Vorsitzender des Netzwerkes Weserpulsar, und Schriftführerin Elke Briese über den Wirtschaftsstandort Holzminden und wie dieser auf Nachwuchssorgen reagiert.

Der Standort Holzminden wirkt bei einem Blick auf die Landkarte abgeschnitten von den großen Verkehrswegen. Wie gelingt es dennoch, große Unternehmen in Holzminden anzusiedeln und zu halten?

Briese: Der Standort ist gar nicht so schlecht.Schließlich sind alle großen Städte wie Göttingen, Kassel, Paderborn, Hildesheim oder Hannover innerhalb einer Stunde über gut ausgebaute Straßen zu erreichen.

Herlitze: Zudem sind viele der hiesigen Unternehmen gar nicht so stark an die Transportwege gebunden. Vielmehr profitieren sie von ihren Ideen und Innovationen. Außerdem verfügt die Region über sehr viele Familienunternehmen, für die sich die Frage nach einem anderen Standort garnicht stellt.

Sie sprechen die Verwurzelung der Unternehmen mit der Region an. Was sind für Sie die Stärken der Region, und wie ist diese Struktur entstanden?

Herlitze: Holzminden ist traditionell ein Standort mit gemischter Industrie. Durch den Waldreichtum hat sich eine große Glasindustrie ausgeprägt, die auf den Rohstoff Holz als Brennmaterial angewiesen war. Heute arbeiten etwa 30 Prozent der Beschäftigten des Landkreises in der Glasindustrie. Darüber hinaus haben innovative Großunternehmen wie Symrise und Stiebel Eltron hier ihren Sitz, aber auch innovative kleine und mittlere Unternehmen. Genau diese Mischung macht den Standort so attraktiv.

Attraktivität ist ein wichtiges Stichwort für Fachkräfte. Holzminden verzeichnet große Abwanderungsraten bei jungen Menschen, und Unternehmen klagen über zunehmende Probleme bei der Anwerbung von auswärtigenFachkräften. Häufig ziehen Nachwuchskräfte Angebote aus großen Städten vor. Wie steuern Sie gegen?

Briese: Da gibt es einige Ansatzpunkte. Viele Unternehmen bilden deshalb selbst aus. Und für externen Nachwuchs müssen wir nicht nur den Bewerber, sondern auch seinen Partner mit ins Boot holen. Wir heben die hohe Lebensqualität in unserer Region hervor. Sie kann Ersatz sein für eventuell fehlende Kultur- oder Freizeitangebote. Beflügelt werden wir durch Beispiele kleiner, ideenreicher Unternehmer, denen es mit guten Konzepten gelingt, Topkräfte sogar in kleine Dörfer zu holen.

Herlitze: Unsere im Weserpulsar e.V. neu aufgestellte Arbeitsgruppe „Regionales Zukunftsnetzwerk“ (RZN) setzt sichsystematisch mit dieser Problematik auseinander und sucht die Ursachen. Wirmüssen wissen, warum junge Leute abwandern bzw. wie wir für Fachkräfte attraktiver werden, und warum es so schwierig ist, qualifizierte Auszubildende zufinden. Auf der Basis dieser Ergebnisse können wir Schwachpunkte gezielt angehen und beseitigen.

Welche Rolle spielt Weserpulsar bei dieser Thematik?

Herlitze: Wachstum kann nur über Innovation generiert werden. Wir als Netzwerk sehen uns als Ergänzung zu bestehenden Kontakten und staatlichen Angeboten. Wir bieten eine Plattform zum Ideentausch und zur Konzeptentwicklung. Dafür bilden wir Arbeitskreise, an denen sich die Unternehmen mit ihrer praktischen Erfahrung einbringen. Deshalb sind wir stolz, so viele innovative Unternehmen in unseren Reihen zu haben. Dies können wir aber nur dauerhaft garantieren, wenn Wirtschaft und Wissenschaft, sprich die Holzmindener HAWK, an einem Strang ziehen. Nur so können wir weiterhin innovativ bleiben.

Welche Ziele setzt sich Weserpulsar für die Zukunft, um den Standort Holzminden weiter zu stärken?

Briese: Die Weser bildet eine Grenze, die nur in den Köpfen der Menschen existiert. Wirmöchten gerne die Kontakte auf der anderen Weserseite intensivieren. Die Stärken des Netzwerkes Maschinenbau im angrenzenden Westfalen würden wir zum Beispiel gerne mit unseren Stärken verknüpfen. So könnte eine starke Wirtschaftsregion Weserbergland entstehen.

Herlitze: Auch unser System der Arbeitsgruppen werden wir noch erweitern. Insbesondere in den Bereichen Glas, Energie, Bau, Logistik und Personal bietet sich das an. Wichtig ist es, Themen zu finden, die alle ansprechen, und die Teilnehmer zu überzeugen, dass es nur Gewinner gibt bei solchen Projekten. Es müssen sich Köpfe beteiligen, die lenken und allen den Nutzen verdeutlichen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zu den Personen:

Lothar Herlitze (51) ist seit 2005 Geschäftsführer von Interpane EuB in Lauenförde. Dem Weserpulsar-Netzwerk trat er 2002 bei und übernahm 2004 den Posten des 1. Vorsitzenden.

Elke Briese (59) ist seit 2004 Mitglied und Schriftführerin von Weserpulsar und führt die Geschäftsstelle. Sie ist Einzelunternehmerin in Holzminden und bietet mit ihrem Complex-Service Dienstleistungen rund um Sekretariats- und Schreibservice ssowie Existenzgründerberatung an.