Vorteile nach außen transportieren

Text von: Sebastian Günther

GWG-Geschäftsführer Klaus Hoffmann im Gespräch mit den Unternehmern Carsten Dehning und Marcus Weinhagen über den Wirtschaftsstandort Göttingen.

Herr Dehning, Herr Weinhagen, warum haben Sie sich mit Ihren Unternehmen in Göttingen angesiedelt?

Dehning: Als Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie (MPI) am Fassberg lag der Standort auf der Hand.

Darüber hinaus gibt es für uns bei DeveloGen drei herausragende Vorteile: die zentrale Lage in Deutschland mit einer sehr guten Anbindung, die passgenau auf uns zugeschnittene Infrastruktur sowie die Menge und Qualität der Arbeitskräfte.

Besonders im Technischen-Angestellten-Bereich sind wir hier mit verschiedenen Schulen und der Universität sehr gut bedient. Zwar müssen wir einige Experten von außen dazu holen, aber die Basis finden wir vor Ort.

Zuletzt zu erwähnen: die günstigen Konditionen in der Region. Wir vergleichen Göttingen in diesem Bereich mit Standorten wie München, Boston oder San Francisco. Und dabei liegen wir hier einfach günstiger.

Weinhagen: Als wir mit Trinos angefangen haben, war Göttingen für uns die erste Wahl, weil es das Gründerzentrum gab.

Damals hat uns die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (GWG) von Beginn an unterstützt und auf das GöTec aufmerksam gemacht. Dort haben wir mit zwei Leuten begonnen.

Dann begann eine Phase, in der wir Göttingen als völlig falschen Standort ansahen. Denn eigentlich sind wir ein Maschinenbauunternehmen, das stark in die Edelstahlzerspanung hineingeht. Und in diesem Bereich wäre zum Beispiel das Siegerland ein traditioneller Standort. Dazu kam, dass wir in dieser Phase nur sehr schwer qualifizierte Mitarbeiter gefunden haben.

Als der nächste Entwicklungsschritt in Richtung Komplettsysteme kam, hat sich dies wieder gewandelt. Denn mit den neuen Anforderungen mussten wir vor allem mehr Wissenschaftler beschäftigen, die unsere Produkte weiter entwickeln.

Dabei haben wir von der Universität direkt vor Ort profitiert. Neben den Wissenschaftlern rekrutieren wir hier auch viele Muttersprachler, die uns bei der Gründung von Niederlassungen im Ausland unterstützen.

Wo sieht die GWG die Vorteile der Region?

Hoffmann: Göttingen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass wir viele junge intelligente Leute haben, die kreativ und gut ausgebildet sowie international orientiert sind. Zudem ist der Branchen-Mix sehr wichtig. Göttingen steht nämlich nicht nur für wenige Schwerpunkte wie Biotechnologie oder Messtechnik, sondern wir haben eine Vielfalt an unterschiedlichen und spannenden Produktions- und Dienstleistungsunternehmen – in der Regel entwicklungsorientiert und international unterwegs.

Außerdem sind wir hier Provinz im besten Sinne des Wortes – alles ist übersichtlich und regional geerdet. Dies bildet eine sehr gute Basis für engen Austausch, Zusammenarbeit und Netzwerkbildung.

Das vierte ist natürlich die gute Erreichbarkeit, die internationalen Maßstäben gerecht wird. Aber es gibt auch noch einige Baustellen. Ein Beispiel: Wenn ein Unternehmer in 10.000 Meter Höhe über Deutschland fliegen würde, um einen Standort für sein Unternehmen zu suchen, kommt er nicht unbedingt auf Göttingen.

Warum Göttingen nicht auf den ersten Blick die erste Wahl für einen Unternehmensstandort ist und wie sich die Bekanntheit steigern ließe – lesen Sie im kompletten Artikel als pdf-Download oder blättern Sie in der Online-Ausgabe.

Marcus Weinhagen (39) gründete im Jahr 1997 zusammen mit Peter Spreitz die Firma Trinos. Aus dem einstigen Zwei-Mann-Unternehmen im Gründerzentrum GöTec hat sich seitdem ein weltweit anerkannter Spezialist für Vakuumkomponenten und -kammern entwickelt.

Klaus Hoffmann (62) agiert seit 1994 als Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen
(GWG).

Carsten Dehning (44) führt als Chief Financial Officer der DeveloGen AG in Göttingen gemeinsam mit Cord Dohrmann die Geschäfte des biopharmazeutischen Unternehmens.