Von Worten zu Taten

Text von: redaktion

Wie Sie mit Vertrauen und Konsequenz führen verrät Bernd Fritz-Kolle, Coach und Geschäftsführer des Coaching Contor und Mitglied bei CONNEG, dem Unternehmensnetzwerk in Göttingen.

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

Wussten Sie, dass dieser Klassiker der Führungspraxis von Lenin stammt?

In vielen Unternehmen ist dieses Modell selbstverständlich. Niemand kommt heute auf die Idee zu fragen: Was kostet der ganze Kontrollaufwand eigentlich? Qualitätssicherung, Zertifizierungen, Zeiterfassungssysteme, Controller und interne Revisoren, Kreditprüfung, Bürokratie – das sind letztlich Kosten, die Ausdruck institutionalisierten Misstrauens sind.

Haben Sie das schon einmal aus dieser Perspektive betrachtet? Organisationen betreiben heute einen derart hohen Kontrollaufwand, binden Geld und Zeit, dass durchaus Wettbewerbsnachteile entstehen. Motivation von Mitarbeitern und Kunden wird durch ein Übermaß an Kontrolle verbrannt. Professionell aufgebautes Vertrauen in Kombination mit konsequentem Führungsverhalten wirkt dem entgegen.

Wie können Sie eine Vertrauenskultur als Führungsmodell aufbauen?

Dazu möchte ich Ihnen heute einige Anregungen aus meiner Erfahrung als Coach geben, die Sie zunächst direkt auf sich selbst beziehen können. Sie wissen ja: Der Fisch … schwimmt mit dem Kopf voran.

Also: Fangen Sie bei sich selbst als Chef oder Führungskraft an! Prüfen Sie: Wie glaubwürdig sind Sie? Wie weit stimmen Worte und Taten bei Ihnen überein? Verfolgen Sie im Umgang mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern offen und ehrlich Ihre Ziele? Wie weit sagen Sie im Job, was Sie wirklich denken?

Vertrauensbasierte konsequente Führung erfordert auch, für das eigene Handeln einzustehen. Nur wenn Sie selbst als Vorbild handeln und dazu stehen, werden Sie und Ihre Mitarbeiter dazugewinnen. Nur wer sich selbst vertraut, kann anderen etwas zutrauen und nur dem wird auch vertraut.

In dem Maß, in dem Sie gradlinig, authentisch und berechenbar sind und sich offen und verlässlich im Sinne von Unternehmen und Mitarbeitern verhalten, werden Ihre Mitarbeiter mitziehen und Ihnen gern folgen.

Zu den Basisregeln für Vertrauenskultur gehören vor allem Ehrlichkeit und Integrität: Sagen Sie, was Sie meinen. Geben Sie anerkennendes und kritisches Feedback. Versprechen Sie nur, was Sie auch halten können – und wollen. Zeigen Sie, dass Sie loyal zu Ihren Mitarbeitern als Partner stehen. Schaffen Sie Transparenz, und informieren Sie Ihre Mitarbeiter über Lage und Pläne des Unternehmens. So werden Sie sie eher zu unternehmerischem Mitdenken und zur Verantwortungsübernahme bewegen.

Stellen Sie sich der Realität und den Anforderungen, die sich daraus ergeben. Probleme und Konflikte sind Aufgaben, die Sie angehen und lösen können.

Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Handeln. Das bedeutet auch: Stehen Sie zu Fehlern, und bemühen Sie sich aktiv, diese wieder in Ordnung zu bringen. Dazu kann durchaus eine Entschuldigung des Chefs gegenüber dem Mitarbeiter gehören.

In diesem Rahmen stiften Sie als Modell Vertrauen. Gleichzeitig können Sie auf diesem Fundament die Einhaltung entsprechender Werte und Regeln mit Ihren Mitarbeitern vereinbaren und einfordern.

Da heute Kontrolle im Übermaß jedes Unternehmen im Inneren, aber auch in den Geschäftsbeziehungen erstickt, meine Einladung: Fangen Sie mit Ihrem Vertrauensaufbau an. Ich kann Ihnen versichern: Es lohnt sich!

Wie Sie Vertrauenskultur als Projekt in Ihrer Organisation mit System aufbauen können, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe faktor-Magazin 3/10.

Text: Bernd Fritz-Kolle