Von “good bye“ zu “good buy“

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Text von: redaktion

Der Experte Gerhard Sauer über Abschied und Zukunft der Marketing-Philosophie.

Der Experte Gerhard Sauer über Abschied und Zukunft der Marketing-Philosophie.

Je schlechter die allgemeine wirtschaftliche Stimmungslage, umso öfter ist von Marketing die Rede: 955 Millionen Mal taucht der Begriff bei Google auf. Zum Jahreswechsel wird wohl die Milliarde erreicht – Marketing, ein Zauberwort? Um im Marketing-Jargon zu antworten: Wo Marketing draufsteht, muss nicht Marketing drin sein. Lang, lang ist‘s her, als die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen noch eine wachsende kalkulierbare Größe war. Viel und groß aufgemachte Werbung brachte viel. Wünsche ließen sich mit Marketing noch wecken. Inzwischen sind echter Bedarf und Bedürfnisse entfallen oder instabil. Die Schränke und Garagen der potenziellen Käufer sind voll – ebenso wie die Verkaufslager der Anbieter. Diese Situation wurde schon Ende der

neunziger Jahre vom Trendpionier Gerd Gehrken vorausgesehen. Mit der Konsequenz des Abschieds vom klassischen Marketing. Aber wir reden jetzt noch immer und mehr vom Marketing. Wenn man hinter die Marketing-Konzepte erfolgreicher Unternehmen blickt, wird ein ganz wesentlicher Unterschied deutlich: Man denkt und lenkt in einem modifizierten Marketing von den Vorlieben und latenten Wünschen der potenziellen Kunden her. Die Beziehungen sowie auch die Marketing-Instrumente sind individualisiert. Im persönlichen Dialog mit den Zielgruppen geht es um Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Nur durch emotionale Identifikation und persönliche Orientierung mit echten Menschen können noch Kaufanreize stimuliert werden.

Von der Masse zur Community

Eines der Hauptprobleme des heutigen Marketings besteht darin, dass dies viele Marketing-Verantwortliche nicht erkennen (wollen) und nicht von den klassischen Regeln des Marketings Abschied nehmen. Sogar entgegengesetzte Strategien werden eingeschlagen: Im Bemühen um Einsparungen werden Kundenkontakte automatisiert, anonymisiert oder delegiert, womit die emotionale Schnittstelle verloren geht. Was bleibt vom klassischen Marketing? Die stärkste Kraft im Wettbewerb ist und bleibt das Image. Aber: Imageprofilierung als Marketing aufgabe ist

nur bedingt delegierbar. Am nachhaltigsten bringt man sich so individuell wie möglich ein. Das sollte sich ein Unternehmer stets vor Augen führen, bevor er sich von selbst ernannten Experten

einen Imageprospekt gestalten lässt. Echte persönliche Kommunikation und Beziehung wird immer bestimmender für den Erfolg. Und was so widersprüchlich klingt: Die innovativen Kommunikationstechniken und -technologien können die Individualisierung sogar noch unterstützen. Man muss sich von überholtem Marketing-Denken und -Handeln verabschieden. Von der Masse zur Community. Sich öffnen für Veränderungen. Neue Möglichkeiten zur Generierung von Unternehmenserfolgen entdeckt man durch aktives Beobachten und Kommunizieren an der Schnittstelle zum potenziellen Kunden. Good buy Marketing.

Zur Person:

Gerhard Sauer ist Marketing-Berater und Präsident des Marketing-Club Göttingen e.V..