Von gestern bis morgen

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Marketingexpertin Tanja Michelberger begibt sich im Einbecker Restaurant “Der Schwan“ auf eine Zeitreise.

Die Fachwerkhäuser im Kern der Einbecker Altstadt versprühen historischen Charme und vermitteln lebendige Geschichte.

Und daher entspricht das Hotel-Restaurant „Der Schwan“ eigentlich auch genau der Vorstellung, die man in einer solchen Umgebung erwartet. „Ein Goldstück“, nennt es Tanja Michelberger, Geschäftsführerin der Einbeck Marketing GmbH.

Sie ist im April 2010 von Frankfurt am Main nach Einbeck gezogen. „Es war eine bewusste Entscheidung“, sagt die gebürtige Heidelbergerin. „Nach der Anonymität in Frankfurt fand ich es sehr angenehm, dass mich die Leute hier sofort mit Namen angesprochen haben.“

Persönlich und weltoffen

Sie mag die persönliche Atmosphäre, die gepaart ist mit der Weltoffenheit der ehemaligen Hansestadt. Langweilen müsse man sich in der Stadt nicht, sie sei ein Eldorado für Sportfans und biete kulturelle Veranstaltungen in schöner Kulisse.

Für einige davon ist mittlerweile sie verantwortlich. Als Geschäftsführerin der privat-öffentlichen Gesellschaft, die 2010 gegründet wurde, initiiert und koordiniert sie diverse Aktivitäten: ob Einbecker Gaumenfreude, Music-Night, Eulenfest oder eine Ausbildungsnacht in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Einbeck, die erstmals im September 2011 stattfinden wird. Dann zeigen die lokalen Betriebe, was sie an Ausbildungen bieten. Die Unternehmen müssen sich offener präsentieren, um junge Leute in der Region zu halten, argumentiert die 39-Jährige.

Tanja Michelberger ist als Netzwerkerin zwischen Unternehmen, Citymanagement, Tourismus und Kultur voll in ihrem Element. Dazu gehört, dass der der eigentliche Feierabend geschäftlichen Zwecken dient. Ein geregelter Arbeitstag wäre ihr auch zu langweilig.

Alte Zeiten

Einen „9-to-5“-Job haben Ute und Horst Wicke, Inhaber des Hotel-Restaurants „Der Schwan“, auch nicht. Auch ihr Geschäft beginnt erst richtig, wenn andere Menschen Feierabend haben.

Dann wird die gute alte Zeit wiederbelebt, erstrahlen antike Gegenstände und Fotos in schönem Glanz, Rotund Goldtöne verbreiten eine wohlige Atmosphäre und lassen den Alltag vergessen. „Als wir 2009 renovierten, wollten wir eigentlich auch die Ausstattung ändern, aber unsere Gäste wünschten, dass alles so bleibt, wie es ist“, erzählt Horst Wicke.

Es sieht so wohnlich aus, dass man nicht glauben mag, dass es einmal ganz modern eingerichtet war. „Als wir die Leitung vor 46 Jahren übernommen haben, richteten wir uns ganz nach dem Zeitgeist“, erzählt Ute Wicke.

Damals änderten sie das Konzept der ursprünglichen Gaststätte und verpassten dem Interieur grüne Wände, eine karge Einrichtung und Neonlicht. Und eine goldfarbene Speisekarte pries die neuen Gerichte: Statt Mettbrot gab es internationale Küche – entsprechend der aufkommenden Haute Cuisine.

Doch der Anspruch, dass zum guten Essen ein gepflegtes Ambiente gehört, setzte sich schließlich bei der Einrichtung durch, und die Sammelleidenschaft der Inhaber tat ihr Übriges. „Wir fingen schon früh an, auf den Flohmärkten zu stöbern“, erzählen sie. Und viele der Fundstücke haben ihren endgültigen Platz gefunden.

Neues entdecken

„Man kann noch so oft hier sein und entdeckt doch immer wieder Neues“, sagt Tanja Michelberger staunend und lässt ihre Blicke schweifen. Neues entdecken und Altes bewahren – das ist genau das Prinzip der Gastronomen. Sie reisen gerne zu Gourmettempeln und Spitzenköchen, um dazuzulernen: Was kann man für die Gäste besser machen, wie können Speisen noch raffinierter zubereitet werden?

Und so ist auch ihre Speisekarte für Einbeck außergewöhnlich. Schon ihr selbstgemachtes Holunderblütensorbet, das mit Prosecco aufgefüllt als Aperitif gereicht wird, ist ein Publikumsliebling. Und als neue Kreation servieren sie ein Senf-Menü, das die verschiedenen Sorten der neuen Einbecker Senfmühle zur Geltung bringt. „Hier wird immer gezaubert“, sagt Tanja Michelberger, die von jedem gereichten Gang begeistert ist.

Und es freut sie, dass Ute und Horst Wicke trotz ihres erreichten Rentenalters noch ein paar Jahre weitermachen möchten, denn es wäre ein arger Verlust für die Stadt, wenn „Der Schwan“ schließe.

Positiv in die Zukunft

Positiv in die Zukunft blicken ist die Devise – und zwar für Einbeck insgesamt. Der von der Einbeck Marketing GmbH initiierte Masterplan, der wirtschaftliche Impulse für eine günstige Bevölkerungsentwicklung und gute Lebensqualität geben soll, wird seit Mai mittels einer Online-Umfrage diskutiert. Die Bürger sind eingeladen, die Zukunft ihrer Stadt mitzugestalten.

Die Geschäftsführerin freut sich über konstruktive Diskussionen, die die Stadt lebendig halten. „Einbeck ist geschichtsträchtig und gleichzeitig modern“, betont Michelberger. Und dazu gehört eben auch ein wertbeständiges Goldstück.

Kontakt:

Hotel-Restaurant „Der Schwan“, Tiedexer Str. 1, 37574 Einbeck, Telefon 05561/ 4609, Öffnungszeiten montags bis samstags ab 17 Uhr, www.schwan-einbeck.de

Einbeck Marketing GmbH, Marktstr. 13, 37574 Einbeck, Telefon 05561 / 31319-23, www.einbeck-marketing.de und www.masterplan-einbeck.de