Von der Uni in den Chefsessel

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Stefan Liebig

Die Mobil Macher, Gründer aus der Georgia Augusta, starten mit ihren Apps erfolgreich durch.

Mehr Praxisnähe fordern viele Unternehmen von den Universitäten. Ein besseres Beispiel dafür, als den aktuellen Gewinner des Wirtschaftspreises „Gute Gründe(r)“, ist demnach kaum vorstellbar:

Mit den Mobil Machern gewann ein Jungunternehmen, das aus einem Projekt der Georg-August-Universität Göttingen in Kooperation mit der Privaten Hochschule (PFH) entstand.

Aus den Marketing- bzw. Wirtschaftsinformatikstudenten Bastian Herrlich, Peter Zapke und Rasmus Voigts wurden innerhalb eines Semesters die Inhaber von Mobil Macher.

Im Rahmen eines Entrepreneurship-Seminars „Entwicklung innovativer Geschäftsideen“ überlegten sich die drei Studenten einen Plan, um mobile Anwendungen (Apps) mit dem Fokus auf mittel ständische Unternehmen der Region Göttingen marktfähig zu machen. Unter realen Bedingungen fanden Existenzgründungsberatung, Notartermin und Eintragung ins Handelsregister statt.

„Von der Eigendynamik waren wir selbst überrascht“, erzählt Bastian Herrlich, Geschäftsführer und Marketingleiter des jungen Unternehmens. Schon nach wenigen Monaten können die medienbegeisterten Gründer auf ihre erste erfolgreiche Referenz verweisen.

Mit der Göttinger-Hochschulsport-App können alle Nutzer des Hochschulsportangebots per Smartphone News über die Auslastung des Fitnessraums, die aktuell stattfindenden Sportkurse oder die Öffnungszeiten der Sport- und Schwimmhallen erfahren. Dank der deutschlandweiten Vernetzung der Hochschulsportanbieter bahnen sich bereits die nächsten Aufträge in diesem Geschäftsfeld an.

Wenn die Programmierer Rasmus Voigts und Peter Zapke von ihren Auslandssemestern in Seoul und San Francisco – die auch der Grund für ihre Abwesenheit bei der Preisverleihung waren – zurückkommen, finden sie also eine gute Auftragslage vor. Diese prognostiziert Klaus Hoffmann, Geschäftsführer der GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen, dem Start-up-Unternehmen ohnehin und erklärt, warum die Wahl auf Mobil Macher fiel:

„Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig, aktuelle und zukunftsfähige Produkte zu entwickeln und an die Anforderungen des Marktes anzupassen. Die Gründer der Mobil Macher hatten zur richtigen Zeit die passende Idee. Mobile Anwendungen gewinnen nicht nur im privaten Bereich, sondern auch in Unternehmen im Umgang mit Kunden immer mehr an Bedeutung.“

Großes Potenzial

Gerade im Freizeit- und Umweltbereich sieht Herrlich großes Potenzial für weitere individuelle und kundennahe Entwicklungen. Mit seinen beiden Mitgründern zieht er große Motivation aus den rasanten Fortschritten des letzten halben Jahres. „Die GWG hat uns nachhaltig motiviert und uns Mut gemacht, neben dem Studium als Mobil Macher erfolgreich sein zu können. Ich bin sehr gespannt, was die nächsten Monate bringen“, sagt der 29-Jährige, der seine Kollegen mit der per E-Mail übermittelten Gewinnbenach richtigung völlig überrascht hat. Doch auch nach ihrer Rückkehr aus den fernen Studienorten erwartet das Trio eine turbulente Zeit.

Bis Ende des Jahres planen sie – neben dem Abschluss ihrer Studiengänge –, ein neues Büro einzurichten. Bislang konnten sie auf Räumlichkeiten der PFH zurückgreifen. Auch die Erweiterung des Teams um ein bis zwei Programmierer steht bereits auf der Agenda.

Ein tolles Beispiel für praxisnahe universitäre Arbeit.

Viermal jährlich verleiht die GWG den Preis „Gute Gründe(r)“ und zeichnet junge Unternehmer mit besonders vielversprechenden und tragfähigen Geschäftsideen aus. Ein Aspekt bei der Auswahl des Siegerunternehmens stellte für Geschäftsführer Klaus Hoffmann und Prokurist Klaus Rüffel die erfolgreiche Ausgründung aus der Universität dar. Die Ernennung zum Guten Gründe(r) soll neben der Auszeichnung dieser Geschäftsidee auch andere mutige Menschen zur Gründung eines neuen Betriebes animieren und ein gutes Klima für Innovationen schaffen.