„Von der Locke bis zur Socke!“

©Liddy-Hansdottir
Text von: Stefan Liebig

Dermatologe Michael Schön erklärt, wie wir Hautkrebs verhindern können.

Die Haut als wichtiges und größtes Organ ist leider auch sehr anfällig für Krankheiten. Insbesondere Hautkrebs stellt eine große Bedrohung dar, die leider jeden treffen kann. faktor GESUNDHEIT sprach mit dem Dermatologen Michael Schön, der an der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) praktiziert, über die Gefahren, aber auch über die Chancen, die Krankheit durch Vorsorgemaßnahmen – oder im Ernstfall auch durch moderne Medizin – zu behandeln.

Herr Professor Schön, achten die Menschen genug auf ihre Haut?

Das ist sehr unterschiedlich. Viele vernachlässigen den Schutz vor UV-Strahlen oder die zum Teil beruflichen Belastungen im Alltag durch Abgase oder Allergene. Andere gehen vorsichtig und sorgsam mit ihrer Haut um, und wieder andere übertreiben es mit der Pflege und nutzen zu viele Pflegeprodukte.

Welche Folgen kann der falsche Umgang mit der Haut haben?

Nun ja, vor allem die Hautkrebshäufigkeit ist besorgniserregend und nimmt immer noch weiter zu. Es gibt Länder auf der Südhalbkugel, in denen drei Viertel der über 70-Jährigen betroffen sind. Davon ist Deutschland zwar noch etwas entfernt, aber auch hier gibt es erschreckend viele Fälle. Das ist zum einen das Resultat der sorglosen Lebensweise vor einigen Jahrzehnten, auf der anderen Seite leisten aber auch die immer häufigeren Ferienreisen ihren Beitrag. Die Menschen setzen sich vermehrt der ultravioletten Strahlung der Sonne aus. Wer hierbei auf Schutzmaßnahmen verzichtet, der steigert sein persönliches Risiko enorm.

Zu welchen Schutzmaßnahmen raten Sie?

Die Mittagssonne ist besonders zu meiden, aber auch generell gilt es, der prallen Sonne auszuweichen. Sonnenschutzmittel sollten unbedingt dem eigenen Hauttyp entsprechend genutzt werden. Doch überschätzen darf man diese keineswegs. Schatten und schützende Kleidung sind ebenso wichtig für die Prävention. Auch die richtige Ernährung und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin können zum effektiven Sonnenschutz beitragen, da die Haut auf diese Weise in besserer Verfassung ist.

Ein Mythos hält sich recht hartnäckig: Das sogenannte ,Vorbräunen‘ auf der Sonnenbank soll dem Sonnenbrand vorbeugen. Was sagt der Fachmann dazu?

Das ist grober Unfug. Das Kunstlicht ist mindestens genauso schädlich wie die echte Sonnenbestrahlung. Mit dem Solarium steigert man das Risiko für schwarzen Haut krebs signifikant.

Um wie viel Prozent lässt sich das Hautkrebsrisiko senken, wenn man die genannten Vorsichtsmaßnahmen umsetzt?

Das ist natürlich schwierig zu beziffern und hängt auch von der individuellen Umsetzung ab. Aber der gesunde Menschenverstand hilft auf jeden Fall bei der Vorbeugung. Und wer sich vor direkter Sonneneinstrahlung in Acht nimmt und die sogenannten Sonnenterrassen wie Nase, Ohren oder auch die Glatze schützt, der macht schon vieles richtig.

Was kann man außer gemäßigtem Sonnenbaden tun, um vorzusorgen?

Die Vorsorgeuntersuchung beim Hautarzt sollte regelmäßig – auch bereits in jüngeren Jahren – stattfinden. Zudem sollte man den eigenen Körper regelmäßig selbst absuchen oder vom Partner absuchen lassen.

Worauf ist dabei zu achten?

Es gilt: „Von der Locke bis zur Socke!“ Überall hinschauen ist wichtig – an wirklich jeder Körperstelle sollten insbesondere die Muttermale in Augenschein genommen werden. Sind sie gewachsen, fransen sie aus, oder verändern sie sich auf andere Weise? Wenn ja, dann sollte sofort der Hautarzt aufgesucht werden.

Wird nun doch ein Hautkrebs festgestellt – wie sollten Betroffene damit umgehen?

So schnell wie möglich behandeln lassen. Zwar sterben 25 Prozent aller Menschen an Krebs, doch gerade beim Hautkrebs sind in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt worden. Erkennt man den weißen Hautkrebs im Frühstadium, so liegt die Heilungsquote bei fast 100 Prozent. Auch der schwarze Hautkrebs kann, wenn man ihn frühzeitig erkennt, geheilt werden. Bei fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs sind wir davon zwar leider noch weit entfernt, aber auch hier kann heute die Lebensqualität dank neuer Medikamente oft noch viele Jahre auf einem hohen Stand gehalten werden. Entfernen wir die Tumore, bevor sie streuen können, hat der Patient eine gute Prognose.

Die Operationen im Frühstadium sind oft auch überraschend kleine Eingriffe. Was erwartet den Patienten?

Die betroffene Hautpartie wird mit einem Sicherheitsabstand ausgeschnitten. Je nach Größe und Lokalisation des Tumors ist dafür oft nur eine örtliche Betäubung nötig. Das ist Routine. Wichtig ist in jedem Fall der Zeitpunkt: Je kleiner und dünner der Tumor ist, desto besser sind die Heilungschancen.

In schwereren Fällen spielt nicht nur der Körper eine wichtige Rolle, sondern auch die Psyche. Wie helfen Sie bei fortgeschrittenen Tumoren?

Wir haben eine großartige interdisziplinäre Kooperation in der UMG. Krebs- und Hautkrebszentrum ergänzen sich hervorragend. Auf kurzen Wegen erhalten die Patienten Unterstützung nicht nur von Dermatologen, sondern beispielsweise auch von Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Palliativmedizinern und Psychologen. Jede Form und jedes Stadium von Hautkrebs kann nach modernsten Methoden behandelt werden: Von der Prävention und Früherkennung über die operative Entfernung bis hin zu medikamentösen und Strahlentherapien bei fortgeschrittenen Tumoren werden an der UMG sämtliche Behandlungen angeboten. Gerade die psychische Belastung für die Betroffenen und deren Angehörige ist immens, und wir sind froh, so gut helfen zu können. Für den Patienten in einer so schwierigen Lebenssituation ist es wichtig, hier an der UMG alle Anlaufstellen unter einem Dach zu haben.

Vielen Dank für das Gespräch.